Färben mit Birkenblättern. Aus Gelb wird Grün.

Das ist zweiter Tag „Färben mit Birkenblättern“. Gestern war es spät geworden und ich hatte die Wolle im Sud abkühlen lassen. Heute hat es mich in aller Frühe aus dem Bett getrieben. Ich wollte meinen ersten Färbeversuch zu Ende bringen.

Färben mit Birkenblättern – warum gelb und nicht grün?

Färben mit Birkenblättern

Nanu? Wieso färben Birkenblätter gelb und nicht grün?
Weil nicht das Chlorophyll, obwohl es im Altgriechischen „hellgrün“, „frisch“ heißt, für die Farbgebung zuständig ist, sondern die Gerbstoffe, die in den Blättern enthalten sind. Birkenblättertee wird in der Naturmedizin eingesetzt bei Harnwegserkrankungen. Er wirkt harntreibend und keimtötend. Nun ja, darum geht es uns heute mal nicht, sondern ausschließlich um das Färben mit Birkenblättern.

Die Wolle in meinem Topf hatte eine kräftige, gelbe Farbe angenommen. Das Färbebad ist sehr ergiebig. Ich hätte fleißig weiterfärben können, habe aber keine gebeizte Wolle mehr. Ich weiß, dass ich das Farbbad aufheben könnte, aber ich möchte sowieso einen zweiten Versuch machen, Experimentieren halt.

Zugabe von Eisensulfat damit es grünt

Färben mit Birkenblättern: Zugabe von Eisensulfat

Damit meine Wolle nicht gelb bleiben muss, ergrünen kann, erhitze ich meine Färbebrühe nochmals und gebe Eisensulfat hinzu. Mit der Menge kann man experimentieren. Als Faustregel gelten die Mengen wie für die Beize. Ich habe zwei Esslöffel abgemessen. Es waren ca. 15 Gramm.

Zuerst habe ich einen Esslöffel Eisensulfat in das Färbebad gegeben. Nach 10 Minuten im ca. 95° Celsius warmen Bad habe ich den ersten Strang entnommen. Danach habe ich einen weiteren Löffel Eisensulfat zugefügt, wieder 10 Minuten gewartet und den zweiten Strang erlöst. Ich habe noch ein drittes Mal die Konzentration erhöht, aber einen echten Unterschied sah ich nach dem gründlichen Spülen nicht. Entweder war ich zu großzügüg mit den Birkenblättern und dem Gelb oder zu geizig mit dem Eisensulfat. Ich werde das noch testen.

Die Schönfärberei

Färben mit Birkenblättern und Eisensulfat

Da hängt sie nun, meine Wolle und trocknet vor sich hin. Ein feines Moosgrün ist es geworden. Einen Strang habe ich gelb gelassen, zum Zeigen.
Nach einer gründlichen Spülung habe ich dem letzten Spülbad (das Wasser wurde erstaunlich schnell klar und sauber) Essig hinzugefügt. Das bewirkt, dass die Farben strahlender werden und fixiert.

Im Hintergrund hängt übrigens mein Färbebeutel aus Leinen. Ihn hat es auch gefärbt, allerdings verhaltener. Er war auch nicht weiß, sondern grau, so wie eben ungebleichtes Leinen ist. Stoffe zu färben ist bestimmt auch interessant, aber ein ganz anderes Kapitel.

Wisst ihr, wenn ich meine Wolle so ansehe, bin ich richtig zufrieden. Ich habe fast „nur“ Arbeit investiert und ein tolles Produkt gewonnen. Ja, es braucht Zeit, aber die nehme ich mir, weil es eben auch ein ruhiges Arbeiten ist, viel Ruhe und Bedacht bringt. Mein letzter Färbeversuch war das bestimmt nicht, denn ich bin immer noch neugierig. Und vielleicht kann ich das „Färben wie im Mittelalter“ mal in einer Veranstaltung zeigen. Das würde mich sehr freuen, denn ein Hexenwerk ist es eigentlich doch nicht und auch kein „Färben für Arme“.