Ich genieße die Wärme auf Balkonien. Der Arbeitsplatz ist draußen.

Balkonpflanzen

Die Hitze im Sommer ist immer so ein zweischneidiges Schwert. Das Schwitzen ist nicht immer angenehm. Die warmen Tage tun mir aber ansonsten richtig gut. Ich muss mich nicht in viele Klamotten zwängen, was meine Haut nicht so mag und an den Gelenken und Sehnen zerrt auch gerade mal das Rheuma verhaltener. Ich genieße die Wärme auf Balkonien gerade sehr.

ich genieße die Wärme auf BalkonienMit Beate Neufeld hatte ich schon immer Witze gemacht als sie mich besuchte. Wir haben es manchmal mit Loriot gehalten und wollten „einfach nur hier sitzen“. Heute war wieder so ein Tag. Wenn ich von meiner Arbeit aufsah, gab es einiges zu sehen und zu entdecken: Mohnblumen und Kornrade z.B. und andere Balkonpflanzen. Eine mit vier Beinen.

Wenige Insekten habe ich gerade hier, trotz blühender Lindenallee und trotz Bienenwiese vom Nabu im Balkonkasten. Das macht mir einwenig Sorgen. Und auch, dass es schon wieder so furztrocken ist. Wie sollen die Vögel ihre Jungen füttern? Ich habe mich schon gefragt, ob ich ihnen Mehlwürmer züchten sollte. Vielleicht ist es aber besser, immer wieder und laut für den Umweltschutz einzutreten. Manchmal habe ich die Befürchtung, dass es schon fünf Minuten nach 12 ist.

Heute habe ich einen Bericht gelesen, dass in Sachsen wieder mehr Braunkohle gefördert wird, so viel, wie schon lange nicht mehr. Ich kann mich noch gut an das Gejammer aus der Chemischen Industrie zu DDR-Zeiten erinnern über den „Dreck, den man liefert“. Und jetzt reißt man geschlossene Tagebaue wieder auf.
Es soll mir keiner kommen mit der Mär von der Verantwortung gegenüber Arbeitskräften. Das hat bei Siemens oder der Halberg-Gießerei in Leipzig auch keinen interessiert.

Dreckspatzwolle
Einen Teil meiner „Dreckspatzwolle“ habe ich versponnen. Die Wolle der Leineschafe ist wunderschön, weiß und weich, wenn man sie denn mal sauber hat. Vor dem Waschen habe ich gezupft und geschüttelt. Beim Waschen dreckerte sie auch noch und nach dem Trocknen habe ich nochmal gezupft und heraussortiert. Beim Kardieren lag unter der Maschine ein arger Berg Dreck, beim Spinnen und auch beim Zwirnen krümelte es. Nach dem erneuten Waschen möchte ich wetten, dass da immer noch was geht. Ich sage es ja: Dreckspatzwolle.

Die Wolle auf dem Wäscheständer wird weiß bleiben. Aus ihr sollen Socken entstehen, zusammen mit einem Rest aus dunkelgrauer Gotlandwolle. Das nächste Garn wird dann wieder gefärbt. Ich habe hier Zettel mit den Projektbeschreibungen liegen und notiere den Stand der erledigten Aufgaben. Vergessen möchte ich nichts.

Ich genieße die Wärme auf Balkonien gerade sehr, habe meinen Arbeitsplatz nach draußen verlagert. In meinem klitzekleinen Wohlfühlparadies ist also auch einiges geworden, um das ich mich eine zeitlang herumgedrückt habe. Darüber freue ich mich sehr, denn ich weiß genau, dass ich krank werde, wenn ich die Hände im Schoß liegen lasse, den Gedanken (und Ideen) keinen freien Lauf mehr lasse oder mich anderswie einzwänge oder unter Druck setze.
So lange es nicht dunkel ist draußen, werde ich folglich noch einwenig „wuseln“.