Meine kleine Welt, Kirschen aus Nachbars Garten, eine Technoparty.

Manchmal komme ich mir kleinlich vor.
Liest man sich durch’s Internet, dann gibt es entweder grandiose Erfolgsmeldungen oder mit schmerzverzerrtem Gesicht Geschriebenes. Das ist im Privaten so und in der großen Weltpolitik auch. Es ist nicht so, dass ich mir keine Gedanken mache über die Gesellschaft, wie sie ist und wie ich sie verändert hätte. Das war schließlich mal mein Beruf, mich mit so etwas zu beschäftigen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren solche Gedanken nicht mehr gerne gesehen oder geäußert. Sie wurden einfach für unwichtig erklärt. Und ich wurde stiller.
Ja, es gibt so viele und so große Probleme in der Welt und ich doch schreibe über meinen Kram, Krempel, und über meine kleine Welt. Die kann ich gestalten, kann mir Freiheiten herausnehmen. Und wenn es mir gut geht, kann ich auch wieder über den Gartenzaun hinaus agieren.

Mein Opa hatte sich damals, in Vogelschisszeiten, auch erstmal eingerichtet im Kleinen. Er gründete einen Mensch-Ärgere-dich-nicht-Club. Und das in einer Gegend, wo man das Skatspiel in die Wiege gelegt bekommt. „Mensch ärgere dich nicht“ wollten Helden nicht spielen und so hatte das Trüppchen seine Ruhe. Irgendwie war mein Opa ein Witzbold. Mensch ärgere dich nicht!

Meine kleine Welt und Nachbars Kirschen

 

 

Oh ja, es ist schon Erntezeit. Die Männer in der Gartenanlage kletterten auf dem Kirschbaum in Nachbars Garten herum und pflückten die Früchte. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich auch Kirschen abbekommen habe. Das macht zwar nun wieder viel Arbeit, aber es lohnt sich und hilft Wirschaften. Der Winter ist nicht ganz so schrecklich, wenn es Pfannkuchen mit heißen Kirschen gibt oder Mürbeteig-Plätzchen mit Kirschmarmelade.
Ist euch mal aufgefallen, dass solche Arbeiten auch immer etwas Spirituelles haben?

Feines vom Hollerbusch

Kirschen und Holunerblütensirup

Früchte und anderes verarbeiten, das passiert nun wieder in meiner kleinen Welt. Die ist wirklich klein, denn in meiner Küche gibt es nicht viel Platz. Bisher bin ich aber immer ganz gut zurecht gekommen. Mir turnt ja auch niemand im Wege herum. Da ist es mal ein Vorteil.
Den Holunderblütensirup habe ich schon gekostet und für sehr lecker befunden.

Holunderblütengelee

Holunderblütengelee! Ach, wie habe ich mich gequält, noch blühenden Holunder zu finden. Ein kleines Gläschen habe ich jetzt schon verdrückt und die anderen Gläser dann ganz schnell weggebunkert. Vanilleeis mit Holundergelee oder ein Löffelchen von dem Gelee in den Tee! Nein, nicht daran denken. Jetzt wird das gegessen, was es saisonal gibt. Konserviertes bleibt für den Winter. Naja, fast alles.

Wolliges

Dreckspatzwolle

Sie ist doch schön geworden, meine Dreckspatz-Wolle, die schlimm verdreckte Wolle der Leineschafe. Wenn ich Wartezeiten irgendwo habe, dann stricke ich. Das beruhigt und dokumentiert Ruhe. Beides ist wichtig.

Als ich in dieser Woche zum MRT musste, zog ich in der Kabine meine Schafwollsocken an. Die sorgen für herrlich warme Füße. Wenn ich auf dieser Pritsche liege, friere ich oft. Schwitzefüße bekommt man aber nicht in den Socken. Die Schafwolle ist so schön tröstlich, ohne meine Socken geht gar nichts. Ich werde Socken verschenken. Ja.

Da lag ich nun in der Röhre, über mir die Kamera und wartete auf das Gehämmere. Plötzlich ging mir durch den Kopf, wie das Personal wohl kucken würde, wenn ich nicht mit Schafwollsocken gekommen wäre, wohl aber mit einem Aluhut. Ich habe großen Respekt vor dem Gerät und der Lärm quält mich immer sehr. Der Gedanke an den Aluhut und mögliche Gesichtsausdrücke hat dafür gesorgt, dass ich lachen musste. Und wie!
Nun ja, die Technoparty hätte ich also auch überstanden. Vielleicht werde ich beim nächsten Mal laut singen. Als Kind hat mir das gegen Angst immer sehr geholfen, wenn ich etwas aus dem Keller holen musste.

Es ist schon so: Wenn es meine kleine Welt in Ordnung ist, dann erschreckt die große auch nicht zu sehr.