Die Balkonwiese. Schmetterling, Wollschweber und bunte Hände.

Ich war jetzt viel auf meinem Balkon. Einmal, weil ich erst nächste Woche den Befund nach dem MRT bekomme und gerade kein Langstreckenläufer bin, und zum anderen, weil ich zu tun habe wie der Leipzscher Rat. Und alles, was geht, mache ich da draußen.
Schön, wenn ich mich an meiner Balkonwiese erfreuen kann, die aus dem Samen vom NABU gewachsen ist.

Ein Schmetterling kommt regelmäßig und Wollschweber auch. Die Wollschweber, das sind die dunklen Hummelartigen mit dem langen Rüssel. Sie sind ganz harmlos, tun nix, sind aber sehr geschickt, auch das letzte bisschen Nektar zu ergattern. Sie sind den Fliegen zugeordnet und der Name passt irgendwie toll zu dem, was ich auf meinem Balkon zur Zeit veranstalte.

Die Schönheit auf dem Bild wächst auch in meiner Balkonwiese. Ich glaube, dass es eine wilde Malve ist. Sicher bin ich mir nicht. Wenn ich aufblicke, dann sehe ich sie. Und das ist ein feiner Anblick für mich.
Was ich sehr vermisse, sind Bienen. Sonst schwebten sie schon im zeitigen Frühjahr von der Akazie herüber und schauten, was es auf den Balkonen noch zu holen gibt. Dann wusste ich immer, dass ich mich mal beeilen muss mit Bienenblumen. In diesem Jahr haben mich keine Bienen besucht, auch nicht, als die Linden in der Allee blühten. Das macht mir Sorge, vor allem weil einfach so weiter gewurstelt wird, als würde es nicht schon Veränderungen in unserer Umwelt geben.

Im Moment bin ich mit meinen Färbeversuchen beschäftigt. Das ist langatmig und oft auch mühselig. Ich sammele Pflanzen, trockne und schneide die meisten davon, bereite einen Färbesud. Die Wolle wird gewaschen, oft auch noch versponnen. Ich beize sie meist noch vor dem Färben. Über Nacht lasse ich den Topf mit  Beize oder Färbegut abkühlen. Es dauert halt alles. Aber es lohnt sich auch.
Die Zwischenschritte fotografiere und beschreibe ich, denn ich möchte das ein Kapitel im Spinn- oder Wollbuch werden lassen. Vielleicht lagere ich es auch aus, lasse etwas Eigenständiges entstehen. Über der logischen Struktur des Buches „hirne“ ich noch.

Ich verziehe mich jetzt mal wieder zu meiner Balkonwiese. Im Moment habe ich eine Walnuss-Kaltfärbung am Wickel und das Ergebnis einer Färbung mit Johanniskraut, die ich gerade verarbeite, d.h. kardieren, spinnen, stricken. Na dann: auf geht’s.