Was Oma alles wusste. Wolle färben zum Ersten.

Wenn ich mir die Preise für Textilfarben ansehe, dann muss ich sagen, sie haben einen stolzen Preis. Mit dem „Sümmchen“  muss ich ein ganzes Weilchen auskommen. Warum also nicht altes Wissen reaktivieren, das, was Oma alles wusste.

Meine Oma,überhaupt die Familie mütterlicherseits, war alles andere als begütert. Oma musste sehen, wie sie ihre Kinder durch zwei schlimme Kriege und die Wirtschaftskrisen brachte. Mein Großvater arbeitete im Bergbau, 12 Stunden unter Tage. Zur Zeit der Inflation stand abends meine Oma mit einem Handwägelchen am Werktor, um das Geld abzuholen, welches mein Opa am Tage gerade verdient hatte. Es war keine Zeit. Die Oma bekam das Geld – Billionen – in den Handwagen und rannte im Dauerlauf zum Bäcker. Innerhalb von Stunden änderte sich der Geldwert und wer zu lange brauchte, der bekam eben kein Brot mehr für die Wagenladung Papiergeld und -scheine.

Ich kenne meine Oma nicht traurig oder am Boden zerstört. Sie hat versucht, mit allen Situationen zurecht zu kommen. Selber und nicht, indem sie sich ständig mit anderen verglich und dann haderte. Gelacht wurde in der Familie, nach Aussage meiner Mutter, trotzdem viel.
Vieles hat meine Oma selber gemacht. Einmal, weil sie keinen Dienstleister bezahlen konnte und zum zweiten – und das halte ich für das Wichtigere- weil sie es konnte. Textilien färben war eines, was Oma alles wusste. Also hab ich es probiert, ohne großartigen Geldwinsatz, nur mit Zeit, Geduld und Mühe.

Färben mit Johanniskraut

meine Zeichnung vom Jahanniskraut

Gelb soll die Wolle werden.
Eigentlich wollte ich dazu Blätter vom Essigbaum nehmen, aber dann hatte ich irgendwo gelesen, dass der milchige Saft des Essigbaumes leicht giftig sein soll. Da es durchaus Alternativen gibt, plante ich um und verwendete getrocknetes Johanniskraut. Das hatte ich auf meiner Holunderblüten-Tour gepflückt.

Da ich Anleitungen schreiben möchte, kann ich nun auch meine Zeichnung vom Johanniskraut nutzen. Ich finde es schön, wenn irgendetwas zusammenpasst und stimmig wird.

Der Färbesud aus Johanniskraut

was Oma alles wusste: Färbung mit Johanniskraut Das ganze, getrocknete Jahanniskraut habe ich erstmal zerschnitten und in Wasser eingelegt. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich Grün färben wollte. In alten Rezepten hatte ich gefunden, dass das Färben mit Johanniskraut eine Heißfärbung wird, die Wolle mit Alaun gebeizt sein muss und man 10g Kraut auf einen Liter Wasser braucht.
Ich hatte mehr, aber das Färbeergebnis war nicht grün, sondern ein sanftes, leicht grünliches Gelb. Nun hätte ich mit Eisensulfat nacharbeiten oder noch einmal färben können, aber das wollte ich nicht. Das Gelb gefiel mir sehr.

Der erste Schritt also war: Das Johanniskraut muss in dem Wasser zwei Stunden köcheln und dann im Sud abkühlen.
Köchelndes Johanniskraut riecht nicht gut, aber es gibt durchaus schlimmere Gerüche.

Der Färbevorgang

die Wolle kommt in den abgekühlten Färbesud Das wird der zweite Schritt.
Über Nacht lasse ich den Sud immer abkühlen und gieße ihn ab. Da stört es niemand und am anderen Tag kann ich fröhlich weiter wuseln.

Diesmal legte ich keinen Wollstrang in das Färbebad, sondern gewaschene Rohwolle in der Flocke und Krempel, d.h. bereits kardierte Wolle. Die Wollflocken hatte ich bewusst nicht auseinander gezogen. Ich wollte unterschiedliche Farbintensitäten. Das ist nur bedingt gelungen. Das zarte Gelb zeigt es kaum.
Das nächte Mal binde ich einen Teil der Wolle ab

Eine Stunde habe ich die Wolle, ohne sie zu bewegen, köcheln lassen. Über Nacht durfte alles wieder abkühlen. Wolle mag keine krassen Temperaturunterschiede. Also wird bei allem, was ich mache, immer wieder bei Zimmertemperatur angefangen.

Spulen, Schönen, Trocknen

die gefärbte kardierte Wolle trocknet
Der dritte Schritt.
Am anderen Tag habe ich die Wolle aus der Farbflotte genommen und so lange gespült, bis keine Farbe mehr aus der Wolle kam.Dem letzten Spülbad habe ich Essig zugesetzt. Damit wird die Farbe archiviert, „geschönt“. Ich mache das immer mit der Menge aus dem Handgelenk. Alte Rezepte empfehlen 100 g Essigessenz je 100 g Färbegut.

Als meine Wolle auf dem Balkon in der Sonne trocknete, setzte ich mich ein Weilchen nach draußen und genoss die Farbe. Mit wenig finanziellen Aufwand habe ich eine Wolle erhalten, für die mir sofort eine Verwendung einfiel. Aber das wird ein ganz anderes Kapitel.

Lagern und was Oma alles wusste

Plastikkiste mit Deckel zum Lagern meiner schönen, gelben Wolle Um Mottenfraß vorzubeugen, lagere ich meine Wolle nach dem Trocknen in Plastikkisten mit Deckel. Es wäre schade, wenn alle Mühe umsonst gewesen wäre. Da die Kisten durchsichtig sind, sehe ich auch immer, was drin ist. Ewige Sucherei entfällt.

Jetzt, wo ich die letzen Worte zu diesem Beitrag schreibe, fällt mir ein, dass ich ja inzwischen selbst eine Oma bin. Also passt es doch: Was Oma alles wusste. Und das wird alles schön weiter gesagt. Versprochen.