Essigbaum. … immer zweimal mehr wie du.

Nein, das ist nicht so, dass ich nichts tue. Ich bin schon mit meinen Projekten beschäftigt. Nur schreiben möchte ich nicht immer. Manchmal ist es ganz angenehm, leise zu sein oder überhaupt verhaltener. Mir geht das „alles was du kannst, das kann ich viel besser“- oder „Ich bin so großartig“-Gehabe im Netz manchmal arg auf den Wecker. Ach, es würde mir bestimmt nicht schwer fallen, jeden Tag etwas zu schreiben, denn irgendwas passiert immer, worüber ich mich aufregen könnte. Vom Hocker reißt es aber gar nicht. Jammern, oh ja, das könnte ich auch gerade. Es ist nicht schön, wenn man bei einer Befundbesprechung gesagt bekommt: „Das ist jetzt so und wird so bleiben“. Blöd. Und damit kann ich ich mich nicht abfinden.
Da nehme ich mir meinen Kräuterkorb und gehe raus. Einige Färbeversuche habe ich noch vor und diesmal habe ich den Essigbaum heimgesucht und um eine Blattspende gebeten.

Als Beate Neufeld da war, sind wir durch Zufall im Netz auf die „Weihnachtstassen“ (wenn man danach sucht, findet man sie) gestoßen, die sich arg beharken. Bei der Streiterei, was die eine die andere mal gerade kann, meint eine der Tassen schließlich: „immer zweimal mehr wie du“. Manchmal hilft das. Ich sage das bestimmten Krankheitserscheinungen gerade auch so. Abfinden? Nö.

Vor meinem Haus wuchs einst ein wunderschöner Essigbaum. Irgendwen muss er gestört haben, denn die „grüne Brigade“ kam und sägte ihn ab. Schade, denn im Herbst waren seine Blätter eine Augenweide.
Im nächsten Frühjahr entdeckte ich an der Stelle des Abgesägten, dass fünf Mal ein Essigbaum entstanden war und munter vor sich hin wuchs. Beim Jährlichen Gartenensatz mussten auch die wieder weichen. Die Auseinandersetzung Essigbaum gegen Säge ging noch ein Weilchen hin und her. Und was soll ich sagen? Heute sind auf der verwilderten Wiese vielleicht 50 kleine Bäumchen. (… immer zweimal mehr wie du. 🙂 )
Von den Essigbäumchen habe ich mir Blätter erbeten.

Das Färben von Wolle mit den Blättern vom Essigbaum ist nun also mein nächstes Projekt. Ich freue mich, bin gespannt auf das Ergebnis und werde bestimmt wieder darüber berichten. Auch, wenn es zwackt und ich manchmal denke: „… immer zweimal mehr wie du“, ich werde es nicht laut sagen.
Und jetzt gehe ich auf meine Wiese und hole mir Beifuß.

Essigbaum