Gelbfärben mit Pflanzen. (M)Eine Anleitung.

Diesmal beschäftigte mich wiedermal das Gelbfärben. Vor meinem Haus gibt es Essigbäume und einige Blätter davon sollten mir bei der Färberei helfen.

Gefärbt wurde schon in der Antike wie Gräberfunde gezeigt haben und auch das Mittelalter war nicht grau. Die Färber damals waren zuerst anderen Zünften wie den Tuchmachern angegliedert. Je besser sie es verstanden, textilen Materialien Farbe zu geben, um so bedeutender wurde ihr Geschäft. Eigene Zünfte entstanden.

In Leipzig gibt es eine Färberstraße. Die Färber, wie auch Fleischer und Gerber, waren außerhalb der innere Stadttore angesiedelt. Ihr Gewerbe galt als unrein, denn sie verarbeiteten Färbesud mit nicht den allerbesten Düften. (Irgendwann setze ich mal eine Küpe an, so im Herbst, wenn keiner mehr da ist in der Gartenanlage. Ich muss das wissen, wie es geht und was es macht.)
Die Färber brauchten Wasser. Und das hatten sie in Leipzig, neben dem Elsterflutgraben.

Gelbfärben war damals schon bekannt. Farbe bringen alle Pflanzen mit Xanthorhamin (im Kreuzdorn z.B.) oder verschiedenen Gerbstoffen (z.B.  in Schafgarbe oder Johanniskraut). Das Färbeergebnis geht von einem graugrünen bis zu einem sonnengelben oder goldenem Gelb. Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn man die Wolle oder Stoffe beizt oder Beizmittel (z.B. Alaun, Weinstein, aber auch den ganz natürlichen Sauerampfer) dem Färbebad beigibt.
Kaufleute brachten Safran und Kurkuma mit. Klar, dass der Erwerb teuer war. Nicht jeder konnte sich strahlendes Gelb in den Kleidern leisten. Also experimentierten die Färber, ob es nicht auch anders geht.

Experimentieren, ja, das sollte man wagen. Von allen Ergebnissen wird man irgendwie begeistert sein. Man muss nicht gleich selbstgesponnene Wollstränge verwenden. Zum Probieren kann man gewaschene Rohwolle in der Flocke nehmen.
Der Essigbaum, der besonders im Herbst durch seine Färbung auffällt, kam erst ca. 1620 aus dem östlichen Nordamerika zu uns. Wer färben möchte wie im Frühmittelalter, der muss auf andere, heimische Pflanzen zurückgreifen. Das Prinzip bleibt.

Gelbfärben mit Pflanzen

Wie habe ich mit den Blättern des Essigbaumes gefärbt?

    1. Beizen 
      Ich habe Alaun verwendet. Es gibt eine Faustregel: 5 – 20 g Alaun auf 100 g Schafwolle. Ich habe in einem kleinen Topf Wasser erhitzt, das Alaun darin aufgelöst und alles in das Wasser im Färbetopf verbracht.
      Die Wolle hatte ich eingeweicht in Wasser, damit sie gut durchtränkt ist und Beize und dann auch Farbe gleichmäßig aufnimmt. Ich erhitze Wolle und Beize auf ca. 93° C und lasse alles eine Stunde knapp unter dem Siedepunkt „baden“. Ich bewege die Wolle kaum, damit sie nicht verfilzt.
      Nach einer Stunde nehme ich dem Topf die Wärmequelle weg und lasse die Wolle über Nacht im Topf abkühlen.
      Tipp: Wenn man am anderen Tag die Wolle in feuchte Tücher packt und so trocknen lässt, verstärkt sich das Färbeergebnis und man kann Beize ganz gut ausnutzen.Gelbfärben mit den Blättern des Essigbaumes
    2. Vorbereitung der Pflanzenfarbe
      Für das Gelbfärben habe ich die Blätter des Essigbaumes von den Stielen entfernt. Ich hatte 350 g Blätter zur Verfügung. Die Blätter habe ich mit Wasser bedeckt und 1,5 Stunden lang köcheln lassen. Ähnlich wie Spinat sacken die Blätter zusammen und geben den Farbstoff an das Wasser ab.
      Nach dem Abseihen habe ich die Wassermenge auf ca. 8l erhöht.
      die Wolle im Färbetopf
    3. Färben
      Ich habe ungefähr 450 g Wolle in Strängen in das Färbebad gleiten lassen und vorsichtig untergetauscht. Alles wurde wieder auf ca. 93-95° C erhitzt und eine gute Stunde auf Temperatur gehalten. Man sieht allerdings gleich, wie sich die Wolle verfärbt. Richtig gierig ist sie in der Farbaufnahme.
      Wieder lasse ich die Wolle nach der Heißfärbung im Topf abkühlen. Temperaturunterschiede mag sie genau so wenig wie Reibung. Wenn man das weiß und beachtet, passiert der Wolle nichts.
      die gelbe Wolle trocknet
    4. Nachbehandlung
      Die Wolle wird gründlich gespült mit handwarmen Wasser. Dem letzten Spülbad gebe ich einen guten Schuss Essig dazu, quasi zur Erholung nach der Strapaze.
      Tipp: Gibt man 10 Minuten vor Ende des Färbeprozesses zwei Esslöffel Eisensulfat in das Färbebad, erhält man nach dem Trocknen, durch Oxidation, grüne Wolle. Grün wurde ich auch erhalten, wenn ich die gelbe Wolle blau überfärbe.
      Ich wollte aber diesmal meine Gelbe behalten.

Nachbetrachtung Gelbfärben

Ich habe fertig, für diesmal. Der letzte Färbeversuch ist es bestimmt nicht gewesen, denn ich möchte noch andere Farben ausprobieren.
Wisst ihr, was mich so richtig glücklich macht? Ich habe mir Wissen angeeignet und etwas geschaffen. Das macht mich mächtig stolz.