Ein Dörfchen in der Elsteraue, erholsamer Ausflug und Befürchtungen.

der rote Milan

„Ich fahre zur Katrin (Name geändert). Kommst du mit?“
Ein Dörfchen in der Elsteraue in Sachsen-Anhalt ist Katrins Zuhause. Meine Freundin und sie kennen sich schon lange. Beim Geburtstag meiner Freundin lernte ich Katrin kennen. Und schätzen. Ich verlasse die laute, heiße und auch schmutzige Stadt zu gerne. Ich sehne mich sehr nach dem weiten Land und dörflicher Idylle. Und doch plagten mich schon wieder Vorbehalte.

Immer öfter erwische ich mich dabei, dass ich Einladungen nicht annehmen kann. Ich habe einfach Angst, dass mir andere so viel geben und ich das nicht wieder gut machen kann.
„Ach, nein, ich komme nicht mit.“
Tausend Ausreden habe ich dann immer parat.
Mir fällt selber auf, dass ich mich immer mehr zurückziehe. Zu sehr.

Schließlich aber habe ich meine Freundin angerufen und wir sind zusammen los, in ein Dörfchen in der Elsteraue in Sachsen-Anhalt.

Ein Dörfchen in der Elsteraue

In Karins Bauernküche ist stilecht für ein Dörfchen in der Elsteraue. Sie ist es urgemütlich. Die alten Möbel, der große Tisch, um den viele Platz hätten, die Einlegetöpfe. Wir sind nicht im Haus geblieben, sondern losgelaufen durch die Aue. Ich mag Auenlandschaften sehr und das Dorf ist wirklich idyllisch gelegen.
Die Idylle täuscht ein bisschen, denn die Menschen haben hier ihre berechtigten Probleme. Katrin möchte nie wieder in der Stadt leben, aber sie arbeitet da und ist jeden Tag 12 Stunden unterwegs. Aber wenigstens fahren noch Busse und die Bahn. Ich weiß nicht genau, wie sie das mit ihren Einkäufen macht.

Eine Ruhe ist hier. Es duftet nach Wiesenblumen, Gras und Sonne. So viele Schmetterlinge auf einem Raum habe ich lange nicht gesehen.
Ich habe meinen Kräuterkorb mit und pflücke Beifuß, Schafgarbe und Johanniskraut. Beifuß brauche ich zum Kochen und die beiden anderen trockne ich für weitere Färbeversuche.

Ich kann mich kaum satt sehen an den Wiesen, Baumstreifen und dem strahlend blauem Himmel.

Hoffentlich ist es nicht schon fünf nach Zwölf

Mir fällt auf, dass der Mais keine Kolben hat. Nichts, da ist nichts.
Als Kind habe ich immer die kleinen Maiskolben gegessen und auch später, als ich in meinem Dörfchen wohnte, habe ich mein Radel angehalten und bin erstmal zum Maisfeld naschen gegangen. Aber jetzt?
„Die Bauern jammern nur immer.“, las ich neulich in einem Kommentar zu einem Bericht. Ja und sie haben auch allen Grund dazu. Seht euch den Boden an, in dem der Mais steht!

Dieses elende Einteilen in Gruppen und das Denken und Agieren in Gruppen sollten wir mal überwinden. Das hilft nur denen, die mit „Teilen und Herrschen“ immer gut gefahren sind. Die Probleme derer vom Lande sind auch unsere. Nahrung kommt vom Lande.
Wenn wir nicht bald gemeinsam handeln, für unsere Umwelt, dann bleiben nur noch alte Bilder von den grünen Auen. Gewählte „Volksvertreter“ sollen endlich ihren verdammten Job machen als sich in ständige Zöffe zu begeben. Und Aussitzen kann man die Probleme auch nicht länger.

Der rote Milan

ein Dörfchen in der Elsteraue und ein roter Milan, der nur für uns fliegt

Ich habe weder eine tolle Kamera, noch ein besonderes Objektiv, aber eines muss ich noch zeigen und erzählen.
Hinter einem für die Aue typischen Streifen an Bäumen hörte ich einen Vogel. Laut und schrill war sein Rufen. Ich spitze meine Lippen und stieß kurze Pfiffe aus. Ich wollte ihm antworten. Das mache ich manchmal so und habe das Gefühl, dass die Vögel „mein Gezwitscher“ annehmen.
„Was hast du ihm gesagt?“, wurde ich mal von meinem Sohn gefragt. „Oooch, das möchtest du lieber nicht wissen.“, war dann meine Antwort.

Ein Weilchen krächzten wir hin und her. Und dann kam er: ein roter Milan.
Lange kreiste er über uns und zeigte seine Flugkünste. Hach, war das schön. Fast sah es so aus, als ob er sich nur für uns in Pose setzte.

Ein Geschenk

altes Küchengerät

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende.
Zum Abschied schenkte mir Katrin altes Küchengerät, alt und mechanisch betrieben. Meine Freundin hatte ihr erzählt, dass ich so etwas sammele und auch nutze. Jetzt muss ich nicht mehr mit spitzen Fingern mein winziges Wiegemesser nutzen. Das Neue hat eine imposantere Größe.

Er war wahrlich schön und sehr erholsam, unser Ausflug auf’s Land. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Ich mache mir Sorgen, ob die Dürre nicht schon eine Veränderung des Klimas ist. Das würde uns allen nicht gut tun.
Tschüss Katrin und Danke für alles. Ein Dörfchen in der Elsteraue muss ich leider wieder verlassen, aber aus meiner Stadt werde ich wohl öfter fliehen.