Leben helfen und behüten. Besuch auf dem Balkon.

Leben helfen und behüten

Leben helfen, auch ja, das ist bei mir gerade viel mehr als eine Überschrift.

Morgen fahre ich zum Oma-und-Opa-Tag in das Volkskundemuseum Wyhra. Und heute hocke ich auf meinem Balkon und sortiere alles, was ich in meiner Karre mitnehmen möchte. Das Spinnrad muss diesmal zu Hause bleiben. Mit der S-Bahn bekomme ich es nicht weg und schon der Weg dahin würde sich schwierig gestalten. In Neukirchen werde ich abgeholt. Ich freue mich auf die Mitarbeiter im Museum, denn sie sind so lieb und aufmerksam. Das tut gut.

Ich zeige ja gern, wie vom Schaf ein Faden kommt. Nun macht man das nicht mehr wie anno Dunnemals, aber langwierig ist es auch trotz Maschinen. Das fängt schon damit an, dass die Wolle sauber werden muss, dass alles heraus muss, was nicht hineingehört, was aber das Schäfchen so eingesammelt hat. Kletten zum Beispiel. Eine Schere zum Entfernen wäre nicht gut, denn jede Schnittkante macht sie Wolle kratziger. (Chemie mag ich nicht.)

Ich habe das Glück, diesmal Rohwolle mitnehmen zu können, so wie sie vom Schaf kommt. Gestern durfte ich beim Nabu in Kulkwitz nochmal in den Wollsack greifen. Und so kann morgen unsere Veranstaltung anfangen mit dem Auslesen und der Wäsche der Wolle. Kinder sind immer sehr begeistert, wie plötzlich aus einem grauen, schmutzigen Etwas kuschlige weiße Wolle wird.

Leben helfenWie ich so auf meinem Balkon sitze und mein Zeuchs zusammen packe, merke ich, dass ich Besuch habe.
Im zeitigen Frühjahr, als es hieß, die entkräfteten Bienenköniginnen brauchen Unterstützung, hatte ich eine Muschel zwischen meine Pflanzen gelegt. Damals war da Zuckerwasser drin und jetzt fülle ich sie beim Blumengießen immer mit Wasser auf. Seit Monaten ist es hier furztrocken. Irgendwer wird es schon gebrauchen können.

Und tatsächlich, sie kam, die Wespenartige mit den langen Beinen und den hohen Flügeln. Sie tankt Wasser, schleppt es weg und kommt wenige Minuten später wieder, um Wasser zu holen. Ich hatte auch ein Deckelchen mit Zuckerwasser hingestellt. Das will sie nicht. Ich denke, sie muss die Brut versorgen. Und ich freue mich sehr, dass ich ihr ein wenig dabei helfen kann. Sie dürfte auch auf meinem Balkon wohnen. Na, vielleicht im nächsten Jahr.
Interessant ist, dass mein Besuch sich so weit in das Schälchen beugen kann, dass man meinen könnte, sie hat sich von ihrem Unterkörper getrennt.

Die ganze Zeit überlege ich, wie ich Leben helfen kann, bei uns und anderswo. Ich denke nämlich, dass das gerade wichtig ist in Zeiten, wo demokratische Errungenschaften arg in Gefahr sind. Bei uns und anderswo. Aber das wird sicher mal ein Extrabeitrag.