Ein durch und durch schöner Tag.

Gestern war ich mal wieder unterwegs. Es war ein durch und durch schöner Tag, der morgens in der S-Bahn nach Neukirchen-Wyhra gleich so anfing. Mit der Schaffnerin hatte ich ein Schwätzchen gemacht. Wohin ich denn mit meinem Krempel will, hat sie gefragt. Und weil die Haltestelle in Neukirchen-Wyhra ein Bedarfshalt ist, kam sie extra nochmal durch den Zug geflitzt um zu schauen, ob ich auch die Haltetaste gedrückt hatte. Nicht dass die Ferienkinder zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum etwas verpassen.

Ein Hof mit lebendiger Geschichte

ein durch und durch schöner Tag im Volkskundemuseum Wyhra

Hier bin ich so gerne, im Volkskundemuseum Wyhra.

Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Altes bäuerliches Leben wird lebendig. Nicht nur Kinder staunen, wie viel Mühe es machte, aber auch, wie sich die Menschen damals immer wieder zu helfen wussten. Im Gespräch mit den Omas und Opas erfuhr ich, dass es auch öfter schon Dürren gab, eine ganz schlimme 1947. Das war in einer Zeit, wo es eh schon wenig zu Essen gab, in der viele Männer aus dem Krieg nicht wieder nach Hause kamen oder in Gefangenschaft waren.
Nein, damit will ich nicht sagen, dass wir keine Umweltprobleme haben. Die haben wir und wenn wir nicht aufpassen, geht so vieles verloren.

Viel Zeit hatte ich im Museum nicht zum Verschnaufen. Die ersten Gäste kamen früh und der Andrang blieb bis zum Schließen des Museums.
Am frühen Nachmittag klebte mir die Zunge am Gaumen vom vielen Reden. Wir haben Wolle gewaschen, sie gekämmt und auch mit den Handspindeln gesponnen.

Vor allem die Wollwäsche war der Renner bei den Kindern. Nun, das riecht ja ein bisschen, aber die Kinder störte das nicht. Sie fanden es schön, wenn aus dem grauen Etwas schöne weiße Wolle wurde. Da wir nur Wasser verwendeten, brachten wir das Waschwasser in den Bauerngarten. Die Pflanzen haben sich sicher gefreut.

Der alte Bauernofen und leckerer Kartoffelkuchen

Damit es wirklich ein durch und durch schöner Tag wird, heizt man auch den alten Backofen in der Bauernküche an. Das Holz duftet beim Verbrennen und im Ofen bäckt Kartoffelkuchen. Ich bekam am Ende des Tages ein großes Stücke mit und habe zu Hause mit großem Vergnügen und Genuss gegessen. Wie lecker der Kuchen war!
Vielen Dank, ihr lieben Menschen im Volkskundemuseum.

Ein durch und durch schöner Tag.

Am Ende des Tages war ich wirklich müde, fix und fertig eben. Ich hatte die ganze Zeit gut zu tun. So etwas würde ich gern jeden Tag tun, immer das, was gerade zur Jahreszeit passt und was gerade anstand auf einem Bauernhof. Alte Handarbeitstechniken zeige ich ja eh gerne.

Manchmal wurde ich gefragt, woher ich komme. Hätte ich gesagt: „aus dem Nachbardorf“, hätte man genickt und gut. Bei „aus Leipzig“ war man dann doch etwas erstaunt. Ich würde mich ja auch gerne in meiner Stadt einrichten, aber „cool“ ist hier anderes und mir persönlich fehlen die dazu nötigen finanziellen Mittel. Fahr ich eben. Das ist es mir Wert.

Es war ein durch und durch schöner Tag, von dem ich lange zehren kann und der mir auch schon wieder neue Ideen brachte. Die Begegnung mit netten Menschen brauche ich sehr.
Die LVZ berichtete übrigens auch von diesem Tag. Wenn man sucht nach „Waschen wie vor hundert Hahren in Wyhra“, dann findet man den wirklich schönen Beitrag.

Alle Fotos heute auf dem Blog stammen von dem Leipziger Fotografen Gerd Eiltzer. Vielen, herzlichen Dank, dass ich sie verwenden durfte.