Drei Stängel Goldrute und einige Tropfen Regen.

drei Stängel Goldrute

Ein Gewitter drückt sich herum. Ob es kommt und ob es einige Tropfen Regen mitbringt, steht noch nicht fest.
Ewig hat es nicht geregnet. Die Wiesen sehen aus wie in der Steppe. Nur mittendrin steht manchmal ein Büschel Wildblumen. Goldrute.

Ich dachte heute, ich traue meinen Augen nicht: In einer Staubwolke kurvt ein Rasenmäher über das, was eigentlich Wiese ist. Ich weiß nicht, was der da mähen will. Die drei besonders zähen Blumen, die einzigen, die den Insekten geblieben sind?
Mit einem Satz bewege ich mich auf die Wiese und pflücke vor dem Rasenmäher die drei Stängel Goldrute. Ehe sie geschreddert im Auffangkorb landen, können sie mir auch als Färbegut für die Wolle dienen. Nun trocknen sie auf meinem Balkon vor sich hin.

drei Stängel Goldrute

Es war eine bewegte Woche. Der Besuch beim Amt der Ämter war alles andere als aufbauend. Ich weiß nicht, wieso dort viele Mitarbeiter einen Ton an sich haben, wie ich mir einen alten Feldwebel auf dem Kasernenhof vorstelle. Wisst ihr, als Lehrer oder im Hort musste ich auch bestimmt auftreten. Unfreundlich zu werden wäre mir nie im Traum eingefallen. Wenn man die Achtung vor dem Menschen gegenüber nicht hat, dann sollte man sich gegenständliche Arbeiten suchen.
Ach, egal und genug jetzt!

Es gab ja auch viele schöne Begegnungen und Ereignisse.

  • Da war ein Telefonat mit Freunden und eine Einladung ins Leipziger Land.
    Das hat so gut getan. Und im September werde ich die Freunde besuchen. Das Spinnrad wird mitreisen. Die Freundin spinnt nämlich auch und da werden wir beide wohl gemütlich vor uns hin surren. Ich freue mich schon sehr, auch dass ich nochmal Wolle von den Gotlandpelzschafen anfassen kann.
  • Für den Amtsarzt sammele ich gerade all meine Befunde bei meinen behandelnden Ärzten zusammen. An der Bushaltestelle traf ich eine junge Frau. Wir kamen ins Gespräch, weil ich da saß und strickte. Das mache ich jetzt immer, wenn ich warten muss, weil es mich düstere Gedanken, die sich einschleichen wollen, vergessen lassen.
    Und da traf ich die kleine tapfere Person. Sie war vor zwei Jahren beruflich sehr angespannt, mit dem dritten Kind schwanger, half bei schrecklich heißen Temperaturen den Schwiegereltern beim Rasen mähen und fiel plötzlich um. Schlaganfall. Ihre Behinderungen sieht man ihr fast nicht an, aber sie veränderten ihr ganzes Leben. Sie gab mir den Tipp, im Montessori Kindergarten in Grünau mal vorzusprechen wegen meiner Schafgeschichten und Wollwerkeleien. Ich werde das machen. Ich habe es versprochen. Und wenn wir uns wiedersehen sollten, würden wir uns sehr freuen. Das haben wir schon mal festgelegt.
  • Der Busfahrer war heute so was von freundlich und nett. Wir sind gerne mit seinem Bus mitgefahren und das haben wir ihm auch gesagt.
  • In den letzten Jahren hatte ich mir die Spulen am Spinnrad regelrecht „zerrödelt“. Neue mussten her und die hab ich mir bei Claudia Deutscher vom Flinkhand-Shop bestellt. Sie kamen ganz schnell und nun surrt das Rad wieder Danke, liebe Claudia.

Und jetzt höre ich mal auf, denn ich will noch ein bisschen stricken. Meine gelbe Wolle verarbeite ich sehr gerne und höre so ganz nebenher dem Regen und dem Gewitter zu. Endlich einige Tropfen Wasser, für die Wildtiere und meine Wiesen mit der Goldrute da draußen.