Schicht im Schacht, Feierabend, Zapfenstreich, fenito.

Schicht im Schacht, Ruhe am Katzennetz

Schicht im Schacht für heute.
Eigentlich dachte ich, dass es mal etwas kühler ist. Als ich aber die Dreckspatzwolle auf dem Balkon gezupft habe, kam ich schon wieder arg ins Schwitzen. Auf meinem Balkon ist es wie im Backofen. Egal, morgen kann ich kardieren und immer mal als Knie-Training das Spinnrad treten. Hach, ist die jetzt sauber und kuschelig.

eine Kiste gezupfter Wolle
Penny zeigte schon viel eher, was sie von meinem Rumgewusel hält. Bei ihr war schon bei Zeiten Ruhe. Wenn man von unten am Haus hoch sieht, dann sieht man im Katzennetz einen Katzenpoppes hängen. Penny benutzt das Ding als Hängematte. Kleo hat ja wenigstens noch gekuckt, was da unten so vor sich geht. Penny ist sogar das zu viel. Nicht einmal die zeternde Spatzenschar regt sie auf. Beneidenswert.

Schicht im Schacht

Ich besitze keine Haspel, aber zum Strang wickeln muss ich meine Wolle dennoch, wenn ich sie luftig und ordentlich lagern will. Also wickele ich die gezwirnte Wolle von der Spule um eine Plastikkiste. Von dort lässt sie sich gut abnehmen und zum Strang drehen.

Jedesmal, wenn ich mit der Kiste herum fuhrwerke fällt mir das Märchen von der faulen Spinnerin ein. Kennt ihr das? Nein, im Märchen waren nicht alle fleißig und strebsam. Und es gab für Faulheit auch nicht immer einen Eimer Pech über den Kopf.
Da gab es eine Spinnerin, die zerrte nach dem Spinnen die Wolle von der Spule und ließ sie einfach liegen. Und weil der ganze Fußboden voll damit war, wollte ihr Mann in den Wald gehen und ihr ein Haspelholz schlagen.
Die Maid sah zu, dass sie vor dem Gemahl im Wald war. Sie versteckte sich und flüsterte jedesmal, wenn der Gatte mit der Axt ausholte:

„wer Haspelholz haut, der stirbt,
wer da haspelt, der verdirbt.“

Es dauerte ein bisschen, aber irgendwann hatte sie ihn so kirre gemacht, dass er es aufgab, ein Haspelholz zu schlagen. Und die Spinnerin? Ach lest einfach mal. Das Märchen ist im Netz zu finden und ich werde es wohl irgendwann den Kindern erzählen. Es gefällt mir sehr, so zu tun, als flüsterte ich vom Baum herab.

Wolle haspeln ohne Haspel

Für heute ist bei mir auch Schicht im Schacht. Ich werde noch ein bisschen stricken, damit ich das Teil fertig habe, wenn es im Herbst kühler wird. Ich freue mich schon sehr, weil es auch zu meiner neuen Tunika passen wird. Die DDR-Zeitschrift, aus der ich die Idee habe und in der noch andere interessante Sachen zu finden sind, habe ich bei ZVAB gefunden und mir gleich bestellt. Ich möchte mir viel Kleidung selber machen.

Gestrickt habe ich jetzt auch immer, wenn ich meine Umgebung nicht so sehr in mein Bewusstsein dringen lassen wollte oder wenn ich Wartezeiten zu überbrücken hatte. So eben auch an der Bushaltestelle oder in der Straßenbahn. Interessante Gespräche entwickelten sich. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

So, jetzt ist aber wirklich Schluss, Schicht im Schacht, fenito. Lasst es euch gut gehen, egal wo ihr seid und was euch gerade beschäftigt.

mein Gestrick aus mit essigbaumblättern gefärbter Wolle