Dat Burenhuus. Im Dithmarschen Bauernhaus in Meldorf.

dat Burenhuus

In das alte Bauernhaus in Meldorf wollte ich schon bei meinem letzten Besuch gehen, aber gerade ab dem Tag war es geschlossen, weil es rekonstruiert wurde. Diesmal ließ ich es mir auch durch mein Rheuma nicht nehmen und humpelte tapfer in dat Burenhuus.

 

dithmarsches Bauernhaus in Meldorf

An Phantasie fehlt es mir nun wirklich nicht und so konnte ich mir ganz gut vorstellen, wie man hier lebte im 19. Jahrhundert. Taubenschlag, Mühle, Hühnerstall, Backofen auf der Wiese – das alles zeigte gleich, um welche Art Haus es sich handelte. Man wohnte Tür an Tür mit den Tieren, d.h., wenn man durch das große Tor läuft, steht man im Stall und in den Wirtschaftsräumen. Nur eine kleine Tür führte in den Wohnbereich.

gute Stube

Das Fliesenzimmer. Schön ist es hier. Die Sonne schien durch dieFenster und draußen hörte ich Hühner gackern. Ich hatte das Gefühl, mir gleich eine Schürze umbinden zu müssen, Holzpantinen an die Füße zu ziehen und mit dem Futterkorb nach Draußen zu gehen.

die Döns

Die Döns, die gute Stube im Burenhuus. Vorsichtig lief ich über die sauber geputzten Dielen. Ich hatte Angst, dass es knarrte. Wen aber sollte ich stören? Und außerdem knarrte nichts. Gemütlich war es in der guten Stube. Das Holz überall, auch an der Decke, verbreitete Wärme und Geborgenheit. Hach, so einen großen Familientisch wollte ich immer haben. Nur lebt eben meine Familie nicht mehr zusammen in einem Haus oder auf einem Hof. Selten, dass wir alle zusammen kommen und dann wird zusammen gerückt und angebaut.

Webstuhl im Bauernhaus

In einem Nebenraum stand ein Webstuhl. In den Wirtschaftsräumen hatte ich so etwas wie eine Flachsbreche gesehen.
Wenn im Winter die Arbeit auf den Feldern ruhte, dann webte man, um ein paar wenige zusätzliche Einnahmen zu haben. Heute würde ich gerne mit so einem Webstuhl umgehen können. Wie ich das mal schaffe, weiß ich noch nicht.
Ich weiß aber, dass so ein Webstuhl nicht leicht zu bedienen ist, d.h. es ist körperlich schwere Arbeit. Wenn ich nun daran denke, dass sie damals gesessen haben bis in die Nacht und neben allen anderen anfallenden Arbeiten auch noch gewebt haben, dann bekomme ich eine Ahnung vom Leben der Bauern im 19. Jahrhundert. Oh, so lange ist das nicht her, nicht wahr?

Soso, einen Tablett-Tisch kannte man also auch. Ich hab schon nach so etwas gesucht für meinen „Krempel“, ein Tischchen, das ich auch ganz schnell wieder wegräumen kann in meiner kleinen Wohnung.
Die Bettlösung fand ich Klasse. Ich gebe zu, dass ich gerne mal Probeliegen gemacht hätte, aber natürlich habe ich nichts angefasst. Vielleicht hätte man mich auch eingeschlossen, weil ich tief und fest entschlummert wäre.

nur eine Tür trennt den Wohnbereich vom Stall

Schöne bemahlte Bauernschränke sah ich, den Lehnstuhl des Bauern, den Ofen. Dann trat ich durch eine Tür – und war wieder im Stall. Vom uralten Schlachtbock erzähle ich lieber nichts, denn das ist genau der Punkt, vom dem ich nichts weiter wissen möchte.

Es gibt viel zu sehen im Dithmarschen Bauernhaus in Meldorf. Das Burenhuus muss man gesehen haben und wenn man drin ist, sollte man ein wenig Zeit mitbringen. Und fast ist es dann so, als ist man mittendrin im Hofgeschehen.

Draußen setzte ich mich erst mal auf eine Bank. Gleich hinter dem Zaun zum Garten lag ein Apfel, der von einem der alten Bäume gefallen war. Den angelte ich mir durch den Zaun und aß ihn mit Genuss. Die alten Apfelsorten entsprechen vielleicht in ihrer äußeren Form keiner EU-Norm, aber sie sind die besten, denn sie Schmecken nach Apfel und nicht nach Wasser.

———

Noch ein Wort

Wir (mein Sohn und ich) haben die geplanten Blogbasteleien nicht machen können, weil ich gerade einige andere Kämpfe auszufechten habe. Das kommt noch. Was nicht kommen wird, ist die Zuschaltung von den Funktionen, die ich einst unterbunden habe. Mit der neuen Datenschutzverordnung hat das nur mittelbar etwas zu tun.
Als ich da oben an der Nordsee saß, ging mir so durch den Kopf, dass ich jetzt in einem Alter und in einer Situation bin, wo ich mir vorstellen könnte, alleine mit der See zu leben. Das geht nicht, ich weiß, aber zurücknehmen von jeglichen Trubel werde ich mich schon öfter mal. Ich vereinsame nicht, monologisiere auch nicht vor mich hin (obwohl das gesund sein soll), ich nutze halt auch andere Wege der Kommunikation und Begegnung.
Et is keun Pöttken seo scheuf, et pässet en Dieckelken drop. Gell? 😀