Der eine fragt, was kommt danach? Besuch bei Theodor Storm in Husum.

Besuch bei Theodor Storm in Husum

Der Eine fragt: was kommt danach?
Der Andre fragt nur: ist es recht?
Und also unterscheiden sich
Der Freie von dem Knecht.
– Theodor Storm –

Ich habe ihn schon immer gemocht und auch gelesen. Wahrscheinlich hatte es mit dem Schimmelreiter angefangen, damals in der Schule. Anderes folgte. Ich mag seine bildhafte, klare Sprache. Als ich den Schimmelreiter las, sah ich die Nordsee vor mir: dunkel, laut, unheimlich und tosend.
Irgendwie war es folgerichtig, dass ich das Theodor-Storm-Haus in Husum besuchte. Mich interessierte sein Leben.

Storm wohnte in dem Haus Wasserreihe 31 in Husum. Im Untergeschoss befand sich seine Landvogtei. Ja, er war nicht nur Dichter, er arbeitete als Anwalt und Richter. Als nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen das Amt des Landvogtes abgeschafft wurde, vermietete Storm kurzerhand die untere Etage seines Hauses. Er blieb und wurde Amtsrichter. Gewaltige „Umbrüche“ gab es schon immer und ich bewundere Menschen, die gut damit zurecht kamen, Lösungen suchten und fanden.

Bleiben, an einem Ort bleiben, egal, wie schwierig es sich dort gestaltet – dafür hat Theodor Storm meinen Respekt. Mich treibt es gerade mächtig um. Ich habe das Gefühl, mich auf die Suche machen zu müssen.

Wohnzimmer im Theodor-Storm-Haus

Die eingangs zitierten Worte Storms waren schon immer ein Moment, mit dem sich viele auseinandersetzen mussten, auseinandergesetzt haben. Nennt man den Autor nicht, dann würde heute vielleicht gesagt, dass das linke Propaganda ist. Storm war aber einfach nur Realist. Und Humanist.

Weil er so viel über eine Heimat schrieb, gab es Schriftsteller, die über ihn witzelten. „Seichtes Zeug“ sei es, aber genau das hat ihn berühmt werden lassen. „Provinzsimpelei“ und „Husumerei“ witzelte sein Freund Theodor Fontane. Storm lies sich nie beirren. Unterstützung bekam er postum von Thomas Mann.
„Das hohe und innerlich vielerfahrende Künstlertum Storms hat nichts zu schaffen mit Simpelei und Winkeldumpfigkeit, nichts mit dem, was man wohl eine Zeitlang ‚Heimatkunst‘ nannte“, schriebt Mann 1930 in einem Storm-Essay. Dem Werk des Husumers bescheinigt er die „absolute Weltwürde der Dichtung“.

Ich finde das gut, weil es auch jetzt wieder Leute gibt, die alles, was mit Brauchtum, Heimat, Volksliedern, Bräuchen u.ä. zu tun hat, strikt ablehnen. Nein, das sollte man nicht denen überlassen, die „Heimat“ dazu benutzen, Mauern zu ziehen, sich abzugrenzen, territorial und auf plumpe scheinbiologische Art.

Es ist schon erstaunlich, was mir so durch den Kopf geht, wenn ich durch ein Museum schleiche. Na gut, Storm war halt kein Unbekannter für mich. Interessant war er, der Besuch im Theodor-Storm-Haus, den ich mir schon lange gewünscht hatte.

Theodor Storm und sein Schimmelreiter

Die letzten Lebensjahre verbrachte Storm in Hademarschen bei einem jüngeren Bruder. Er verließ mal wieder sein geliebtes Husum, aber er hatte die Idee für ein letzte Werk im Gepäck, eine Idee, die ihn sein ganzes Leben schon begleitete und beschäftigte. Er recherchierte gründlich und gewissenhaft, fuhr dazu extra nach Heide zu einem Deichbauer. Und dann schrieb er sie, die Legende vom Schimmelreiter.

Mann auf Pferd und schäumende Wellen hatte ich schon mal gefilzt. Als Lesezeichen packte ich das in den „Schimmelreiter“ und verschenkte alles. So richtig zufrieden war ich nicht und so werde ich noch einmal einen Versuch wagen, jetzt, wo die Abende wieder länger werden und wo ich Theodor Storm wieder ein Stück näher gekommen bin.
Er beschäftigt mich immer noch.