In der Seehundstation Friedrichskoog. Snorre, der kleine Seehund und die anderen.

Snorre und die anderen

Am letzten Tag meines kleinen Nordseeurlaubes habe ich die Seehundstation Friedrichskoog besuchen dürfen. Mit dem Besuch an der Nordsee in Friedrichskoog Spitze begann ich über meine Reise zu schreiben, mit der Seehundstation wird es wahrscheinlich enden. Und mit Snorre, dem kleinsten Seehund im Becken derer, die immer in Friedrichskoog bleiben werden.

Ich hatte auch viele Fotos gemacht, aber die darf man nur privat haben. Veröffentlichen darf man sie nicht. Ich kann das gut verstehen.
Und weil ich euch Snorre zeigen wollte, hab ich ihn kurzerhand gemalt. Ein Freund brachte mich auf die Idee. Danke, zeichnen wollte ich schon lange mal wieder. Ich hab es doch arg vernachlässigt in den letzten Monaten.

Wenn man zu bestimmten Zeiten kommt, kann man die Fütterung der Seehunde aus guter Entfernung miterleben. Ich musste herzlich lachen, als die Zeit heranrückte und die Seehunde, wie die Erdmännchen an Land, in ihrem Wasserbecken einen langen Hals machten, wo denn die Pfleger mit dem Futter bleiben.

Nicht alle Seehunde und Kegelrobben können wieder ausgewildert werden. Einige leben dauerhaft hier. Und die kann man an Unterwasserfenstern und bei der Fütterung beobachten. Wie wendig und schnell sie doch sind.
Die Fütterung ist auch immer gleich Anlass für ein „medical Training“ für die, die bleiben. Die, die wieder ausgewildert werden können, sollen so wenig wie möglich Menschenkontakt haben.

Die Seehunde gehen auf Weisung des Pflegers in eine Transportkiste, denn es kann ja sein, sie müssen transportiert werden. In die Tierklinik beispielsweise. Erstaunlich, wie die im Wasser so wenigen Tiere sich an Land bewegen. Es sieht ein wenig schwerfällig aus, sie erreichen aber dennoch beachtliches Tempo. Erst auf ein Zeichen hin verlassen sie die Kiste wieder.
Fütterung und Training werden kommentiert. Das war gut, wenn ich wusste bisher wenig über Seehunde wie Snorre.

An die Jungtiere kommt man nicht heran. Gut so, denn sie sollen wieder ihr Leben in der Nordsee führen, frei und ohne Menschen. Von Fenstern im angrenzendem Gebäude aber hat man einen guten Blick auf die Becken mit den Jungtieren. Sie lernen hier selbständig zu fressen, dem Fisch hinterher zu jagen. Dazu steigt ein Pfleger in das Becken, dreht sich mit dem Fisch in der Hand und die Kleinen müssen jagen.Wenn sie das und auch lebende Fische zu fangen gelernt haben, kommen sie in das Auswilderungsbecken und treten nach eingehender Untersuchung und Begutachtung ihre Reise hinaus auf das Meer an.

Während der Jungtierfütterung erzählte uns eine junge Frau, die im FSJ war, eine Menge über Seehunde und Kegellrobben und auch davon, wie sie als Heuler in die Station kamen. Das waren alles kleine Tiere, die von ihrer Mutter getrennt im Watt aufgefunden wurden. Sie heulen tatsächlich, rufen kläglich nach ihrer Mutter. Die junge Frau erzählte uns, dass es schon Naturereignisse gibt, die zu solchen Trennungen führen. Die meisten aber verursacht der Mensch. Das hat mich wiedermal betroffen und nachdenklich gemacht.

Gut war, dass sie sagte, dass wenn man einem Seehund in die Augen sehen kann, man viel zu nahe dran ist. 300m Abstand sollte man haben. Das wusste ich nicht. Die Mutter, das scheue Wesen, flüchtet sonst. Und wenn sie Menschengeruch wahr nimmt, kommt sie auch nicht wieder. Die junge Frau erzählte vom Watt, von den Wattjägern, die nicht mehr jagen, sondern jetzt andere Aufgaben haben, von der Arbeit und dem Leben in der Seehundstation. Und sie machte das richtig gut.

Und Snorre? Snorres Eltern sind Dauergäste und auch er wird immer hier bleiben. Der Seehund ist der Kleinste im Becken. Man kann ihn noch gut von den anderen unterscheiden. Als er mit seinen wachen, kugelrunden Augen aus dem Wasser kuckte, war mein Gedanke: Hach, ist der niedlich. Als er aber herzhaft gähnte und ich seine Zähne sah, wurde mir bewusst, dass das ein Raubtier ist.

Wieder habe ich über die Nordsee und ihre Bewohner etwas erfahren und all das ist unbedingt schützenswert. Ich finde es gut, dass sich jemand um diese Tiere kümmert, etwas wieder gut macht, dass ihnen das Agieren der Menschen das Leben oft schwer macht. Ganz ehrlich: Je mehr man über diese Meeresbewohner weiß, um so besser kann man sie schützen.
Alles Gute, euch in der Seehundstation Friedrichskoog.

meine Zeichnung von Snorre