Leben helfen und behüten. Besuch auf dem Balkon.

Leben helfen und behüten

Leben helfen, auch ja, das ist bei mir gerade viel mehr als eine Überschrift.

Morgen fahre ich zum Oma-und-Opa-Tag in das Volkskundemuseum Wyhra. Und heute hocke ich auf meinem Balkon und sortiere alles, was ich in meiner Karre mitnehmen möchte. Das Spinnrad muss diesmal zu Hause bleiben. Mit der S-Bahn bekomme ich es nicht weg und schon der Weg dahin würde sich schwierig gestalten. In Neukirchen werde ich abgeholt. Ich freue mich auf die Mitarbeiter im Museum, denn sie sind so lieb und aufmerksam. Das tut gut.

Ich zeige ja gern, wie vom Schaf ein Faden kommt. Nun macht man das nicht mehr wie anno Dunnemals, aber langwierig ist es auch trotz Maschinen. Das fängt schon damit an, dass die Wolle sauber werden muss, dass alles heraus muss, was nicht hineingehört, was aber das Schäfchen so eingesammelt hat. Kletten zum Beispiel. Eine Schere zum Entfernen wäre nicht gut, denn jede Schnittkante macht sie Wolle kratziger. (Chemie mag ich nicht.)

Ich habe das Glück, diesmal Rohwolle mitnehmen zu können, so wie sie vom Schaf kommt. Gestern durfte ich beim Nabu in Kulkwitz nochmal in den Wollsack greifen. Und so kann morgen unsere Veranstaltung anfangen mit dem Auslesen und der Wäsche der Wolle. Kinder sind immer sehr begeistert, wie plötzlich aus einem grauen, schmutzigen Etwas kuschlige weiße Wolle wird.

Leben helfenWie ich so auf meinem Balkon sitze und mein Zeuchs zusammen packe, merke ich, dass ich Besuch habe.
Im zeitigen Frühjahr, als es hieß, die entkräfteten Bienenköniginnen brauchen Unterstützung, hatte ich eine Muschel zwischen meine Pflanzen gelegt. Damals war da Zuckerwasser drin und jetzt fülle ich sie beim Blumengießen immer mit Wasser auf. Seit Monaten ist es hier furztrocken. Irgendwer wird es schon gebrauchen können.

Und tatsächlich, sie kam, die Wespenartige mit den langen Beinen und den hohen Flügeln. Sie tankt Wasser, schleppt es weg und kommt wenige Minuten später wieder, um Wasser zu holen. Ich hatte auch ein Deckelchen mit Zuckerwasser hingestellt. Das will sie nicht. Ich denke, sie muss die Brut versorgen. Und ich freue mich sehr, dass ich ihr ein wenig dabei helfen kann. Sie dürfte auch auf meinem Balkon wohnen. Na, vielleicht im nächsten Jahr.
Interessant ist, dass mein Besuch sich so weit in das Schälchen beugen kann, dass man meinen könnte, sie hat sich von ihrem Unterkörper getrennt.

Die ganze Zeit überlege ich, wie ich Leben helfen kann, bei uns und anderswo. Ich denke nämlich, dass das gerade wichtig ist in Zeiten, wo demokratische Errungenschaften arg in Gefahr sind. Bei uns und anderswo. Aber das wird sicher mal ein Extrabeitrag.

Read More

Über Land. Wolle aus dem Landkreis.

über Land

Meiner Freundin bin ich sehr dankbar, denn wir beide sind heute über Land gegurkt. Ich durfte bei beim Nabu nochmal Wolle holen von den Leineschafen und nach Färbepflanzen wollte ich auch nochmal Ausschau halten, besonders nach solchen, die ich trocknen kann. Der nächste Winter kommt bestimmt und da will ich auch noch etwas zu werkeln haben. Wenn ich irgendetwas tun kann für den Nabu, dann werde ich das tun. Gerne.

über land

Meine Gegenlichtaufnahme hat mein Handy nicht geschafft. Das rechnet kühn alle gewollten Blendflecke raus. Die Trockenheit aber ist sichtbar. Ein bisschen sieht es schon aus wie Herbst. Wir hörten, dass die Leineschafe schon jetzt „zugefüttert“ bekommen müssen. Die Wiesen, die sie sonst immer kurz fressen, sind vertrocknet. Und eigentlich sind das Feuchtwiesen, Lachen.

große Trockenheit in der Leipziger Tieflandsbucht

Heute habe ich keine Schafe gesehen. Sie waren weit weg und die Lämmer, die beim letzten Mal gerade geboren worden waren und noch besondere Pflege bekamen, sind jetzt allerdings mit der Herde unterwegs. Wie schnell doch die Zeit vergeht! Manchmal erschreckt mich das, weil mir dann der Zeitlauf so sehr bewusst wird und auch die Tatsache, dass alles endlich ist, mein Leben auch.

die alte Mühle in Göhrenz

Es hat gut getan, raus aus der Stadt zu fahren, über Land. Einmal, weil man Hitze und Stadtlärm hinter sich lassen konnte und zum anderen, weil es mir unglaublich gut tut, einfach nur hier zu sitzen und zu schauen, zu riechen, zu hören. Diese Ruhe und Gelassenheit, die mich an solchen Orten überkommt, brauche ich dringend. Es gibt gerade viele Dinge, die mich aufregen und die ich nicht hinnehmen möchte. Ich würde gerne das Buch von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt „Wie Demokratien sterben“ lesen. Die beiden sind Professoren für Regierungslehre an der Universität Harvard und ich erwarte hier Antworten, die ich so dringend suche. Das Buch kann ich mir allerdings gerade nicht leisten. Ich muss mal sehen, ob ich es in einer Bibliothek finde.

Rainfarn - eine meiner Färbepflanzen

Rainfarn. Davon habe ich mir heute welchen mitgenommen. Er trocknet neben der ersten Leineschaf-Wolle auf meinem Balkon, wird dann geschnitten und eingelagert, bis ich ihn für weitere Färbeversuche wieder hervor hole. Für die Wiese auf dem Bild wünsche ich mir so sehr Regen.

Morgen werde ich meine Veranstaltung zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum Wyhra vorbereiten. Am Mittwoch werde ich also schon wieder über Land fahren. Ich glaube, diesmal werde ich mit den Kindern zuerst einmal Wolle waschen, denn so fängt alles immer an.

Read More

Kordeln knüpfen. Freundschaftsbänder. Freundschaft.

Kordeln knüpfen zum Oma-und-Opa-Tag

Ist schon wieder ein Jahr um? Dabei war ich doch erst zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum Wyhra!
Und nun sitze ich schon wieder und bereite diesen Tag vor. Jedes Jahr möchte ich etwas anders machen mit den Kindern und natürlich auch mit den Omas und Opas. Klar, dass ich wieder Wolle verarbeite, als Spinnfrau. Nach langem Überlegen und Probieren steht fest: Ich werde Kordeln knüpfen, als Armband, Kette, Deko. So, wie es gerade gewünscht ist.


Kordeln knüpfen
Ich suche immer etwas, wobei sich niemand verletzten kann und jeder mitmachen kann, egal, welchen Alters. Fertigstellen und mitnehmen muss man es können.
Zuerst wollte ich mit einem Stücke Pappe als Hilfsmittel weben, aber dann entschied ich mich doch für die Kordeln. Freundschaftsbändchen zu verschenken finde ich gar nicht so schlecht.

Freundschaft: Auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander. Ich habe den Eindruck, dass die Begrifflichkeit immer mehr verkommt.
Einem Freund sage ich auch mal etwas, was ich denke, was er aber vielleicht so nicht hören will. Kritik kann für beide Seiten konstruktiv sein und sie fördert eine Auseinandersetzung mit bestimmten Sachverhalten. Zu kritisieren, Kritik auszuhalten und über kritische Fragen zu diskutieren, ist anstrengend, fordert einen. Manch einem scheint das zu viel zu sein. Der sagt entweder gar nichts mehr oder aber er schließt sich einer Gruppe an, die laut genug auftritt, einfache Floskeln und Parolen durch die Kante brüllt und endlich mal zeigt, was Phase ist. Manchmal hat das kaum Inhalt und viel „eigenes“ hat es auch nicht, aber trotzdem erfährt es großen Zuspruch. Man will dazu gehören. Und dann geht es auch mal so aus, dass wieder gesagt wird: Das habe ich nicht gewollt.

Ach, herrje, wenn ich hier vor mich hin wusele, habe ich auch viel Zeit zum Nachdenken. Auch darüber, wie ich persönlich mit bestimmten Erscheinungen oder Sachverhalten umgehe. Und dabei wollte ich doch nur ausprobieren, wie man mit wenig Mitteln Freundschaftsbänder, Kordeln knüpfen kann.

Freunschaftsbänder knüpfen aus Garn
Read More

Noch nie habe ich mich so sehr über Regen gefreut.

Warten auf Regen

auch die Birke vor dem Haus braucht RegenImmer, so Ende August, wenn andere noch fleißig Baden gehen, plagt mich mein Rheuma. Herbstschub nenne ich das. Ach, ich beschreibe jetzt nicht, was das mit mir macht. Kurze Zeit später stellt sich immer das Wetter um. Meine Freundin meint, ich solle mich doch mal als Wetterprophet versuchen.
Jetzt hatte ich so einen Schub auch. Jetzt schon?
Im ganz Geheimen fing ich an auf Regen zu hoffen. Und der kam auch heute Nacht.

Ständig bekomme ich jetzt Post von allerlei Umweltverbänden. Und eigentlich läuft es auf eine Spende hinaus. „Liebe Frau Dingens,“ stand in einem Schreiben, „geben Sie sich einen Ruck“. Ach Leute, ich brauche keinen „Ruck“ um Bankgeschäfte zu tätigen, bin weder zu doof dazu noch zu faul. Es ist nur so, dass ich es mir nicht leisten kann, zu spenden. Es geht nicht.

Bäume will man kaufen und setzen. Das finde ich gut, denn jeder Baum in der staubigen, lauten, heißen Stadt sorgt für ein besseres Klima. Bäume setzen, und dann?
Das Grün um mich herum bot ob der wochenlangen Trockenheit und Hitze einen traurigen Anblick. In meiner Lindenallee färben sich die Blätter gelb oder braun und fallen zu Boden. Wie im Herbst. Verzweifelt suchen Vögel in dem trockenem Laub nach Essbarem. Die Büsche lassen die Blätter hängen oder rollen sie ein. Das Grün ist eher zum Grau geworden. Regen fehlt.

Ich habe alle Briefe in den Papierkorb geworfen. Mit zwei Wassereimern bin ich mehrmals meine Treppe aus dem Vierten herunter geschlichen und habe drei im vergangenem Jahr gesetzten Bäumen an der Straße Wasser gebracht. Sie konnten noch gar nicht lange Pfahlwurzeln bilden. Leicht fällt mir das Geschleppe nicht, aber bewegen muss ich mich immer.
Gespendet habe ich also auf meine Weise. Ich hoffe, dass ich die drei Bäume durch die Dürre bringe, weiß aber ganz sicher, dass meine Spende dort ankommt, wo ich sie haben will.

Und heute Nacht hat es tatsächlich geregnet. Noch nie habe ich mich über Regen so gefreut.

Die Blätter des Birnbaums. Rot sollte es werden.

die Blätter des Birnbaumes sollten rot färben

Es wird schon noch

Die Blätter des Birnbaumes sollten rot färben. Wie man aber sieht, bin ich wieder bei Gelb hängen geblieben. Dabei sah die Brühe im Färbetopf gut und vielversprechend aus. Sei es drum, die Farbe gefällt mir trotzdem. Und rot gefärbt, ohne zusätzliche Kosten und ohne Chemie schaffe ich schon noch. Ich kann da zäh sein.
Wie viele Gelbtöne es doch gibt.

Ich hatte mich sehr gefreut, dass ich in der Elsteraue einen Birnbaum gefunden hatte. Sofort hatte ich einen Ohrwurm eingesackt: „Drunten in der grünen Au, steht ein Birnbaum, schau, schau, juche!“ Jaja, ich bin bekennender Liebhaber deutscher Volkslieder. Nein, nicht derer mit Herzilein oder schmalzigem Gestadele. Volkslieder gehören zu unserem kulturellen Erbe. Ich mag sie und brauche dazu nicht mal einen Heimatmuseumsdirektor.
Mich interessierten die Blätter des Birnbaumes. Mit denen habe ich dann Wolle gefärbt.


die Blätter des Birnbaumes sollten Rot färben
Der Wasserträger

Bei uns hat es seit Wochen nicht geregnet. Meine Lindenallee sieht eigentlich zu jeder Jahreszeit schön aus, jetzt allerdings eher zum Fürchten. Die Blätter werden gelb und fallen herunter. Manchmal bricht ob der Trockenheit ein Ast. Mir tut es weh, wenn ich die Bäume so sehe.
Im vorigem Jahr hatte man drei kleine Bäumchen an den Straßenrand bei meinem Haus gepflanzt. Die hatten noch gar keine Chance, lange Pfahlwurzeln auszubilden. Ich möchte nicht, dass sie sterben und deshalb schleppe ich Wasser zu den drei Bäumchen. Allen Bäumen kann ich nicht helfen, aber bei den Dreien will ich es versuchen. Es fällt mir etwas schwer, aus dem vierten Stock mit dem Eimer herunter zu kraxeln, aber ich muss das tun. Vom immer nur Reden wird nichts besser.

Unterwegs mit Herrn Hanssen

Am Mittwoch hatte ich meine Veranstaltung in einer Grundschule im Landkreis. Es war anstrengend, so wie es eben immer anstrengend ist, eine größere Gruppe Kinder zu beschäftigen. Wir haben versucht, herauszufinden, an was sich Dornröschen gestochen hat, wieso die Spule mit Garn der Goldmarie blutig war und warum überhaupt soviel die Rede vom Spinnen in den alten Märchen ist. Rumpelstilzchen hat gesponnen und durchs Land zogen einst die drei Spinnerinnen. Interessant ist das schon.
Jedes Kind hat dann noch seinen eigenen Faden gesponnen und einen Schmetterling aus Wolle gebastelt. Das Spinnrad haben wir ausprobiert und dann war der Vormittag in der Schule auch schon um. In einer anderthalben Woche werde ich wieder mit dem Wollkorb unterwegs sein. Gut so.

Die Blätter des Birnbaumes und noch viele Kräuter

Mit meiner Freundin war ich gestern Kräuter sammeln. Schafgarbe und Jahanniskraut sind schon getrocknet, geschnitten und in Gläser eingelagert. Diese Färbeversuche mache ich im Herbst oder Winter. Dann ist es bestimmt angenehm, wenn es schön warm in meiner Küche wird. Der Rainfarn trocknet noch auf dem Balkon und die Goldrute muss draußen noch ein bisschen wachsen. Die Wollfärberei ist ein feines Projekt und ich weiß inzwischen auch, was aus der Wolle werden soll.

Rainfarn färbt Wolle gelb

Viel zu tun habe ich gerade, und bald beginnt wieder eine ereignisreiche Woche. Aber eigentlich ist nichts Besonderes oder Großartiges passiert.
Meinen Ranzen für morgen habe ich schon gepackt, Schreib- und Strickzeug verstaut. Ich werde mir ein schattiges Plätzchen draußen suchen.

Read More

Ein Dörfchen in der Elsteraue, erholsamer Ausflug und Befürchtungen.

der rote Milan

„Ich fahre zur Katrin (Name geändert). Kommst du mit?“
Ein Dörfchen in der Elsteraue in Sachsen-Anhalt ist Katrins Zuhause. Meine Freundin und sie kennen sich schon lange. Beim Geburtstag meiner Freundin lernte ich Katrin kennen. Und schätzen. Ich verlasse die laute, heiße und auch schmutzige Stadt zu gerne. Ich sehne mich sehr nach dem weiten Land und dörflicher Idylle. Und doch plagten mich schon wieder Vorbehalte.

Immer öfter erwische ich mich dabei, dass ich Einladungen nicht annehmen kann. Ich habe einfach Angst, dass mir andere so viel geben und ich das nicht wieder gut machen kann.
„Ach, nein, ich komme nicht mit.“
Tausend Ausreden habe ich dann immer parat.
Mir fällt selber auf, dass ich mich immer mehr zurückziehe. Zu sehr.

Schließlich aber habe ich meine Freundin angerufen und wir sind zusammen los, in ein Dörfchen in der Elsteraue in Sachsen-Anhalt.

Ein Dörfchen in der Elsteraue

In Karins Bauernküche ist stilecht für ein Dörfchen in der Elsteraue. Sie ist es urgemütlich. Die alten Möbel, der große Tisch, um den viele Platz hätten, die Einlegetöpfe. Wir sind nicht im Haus geblieben, sondern losgelaufen durch die Aue. Ich mag Auenlandschaften sehr und das Dorf ist wirklich idyllisch gelegen.
Die Idylle täuscht ein bisschen, denn die Menschen haben hier ihre berechtigten Probleme. Katrin möchte nie wieder in der Stadt leben, aber sie arbeitet da und ist jeden Tag 12 Stunden unterwegs. Aber wenigstens fahren noch Busse und die Bahn. Ich weiß nicht genau, wie sie das mit ihren Einkäufen macht.

Eine Ruhe ist hier. Es duftet nach Wiesenblumen, Gras und Sonne. So viele Schmetterlinge auf einem Raum habe ich lange nicht gesehen.
Ich habe meinen Kräuterkorb mit und pflücke Beifuß, Schafgarbe und Johanniskraut. Beifuß brauche ich zum Kochen und die beiden anderen trockne ich für weitere Färbeversuche.

Ich kann mich kaum satt sehen an den Wiesen, Baumstreifen und dem strahlend blauem Himmel.

Hoffentlich ist es nicht schon fünf nach Zwölf

Mir fällt auf, dass der Mais keine Kolben hat. Nichts, da ist nichts.
Als Kind habe ich immer die kleinen Maiskolben gegessen und auch später, als ich in meinem Dörfchen wohnte, habe ich mein Radel angehalten und bin erstmal zum Maisfeld naschen gegangen. Aber jetzt?
„Die Bauern jammern nur immer.“, las ich neulich in einem Kommentar zu einem Bericht. Ja und sie haben auch allen Grund dazu. Seht euch den Boden an, in dem der Mais steht!

Dieses elende Einteilen in Gruppen und das Denken und Agieren in Gruppen sollten wir mal überwinden. Das hilft nur denen, die mit „Teilen und Herrschen“ immer gut gefahren sind. Die Probleme derer vom Lande sind auch unsere. Nahrung kommt vom Lande.
Wenn wir nicht bald gemeinsam handeln, für unsere Umwelt, dann bleiben nur noch alte Bilder von den grünen Auen. Gewählte „Volksvertreter“ sollen endlich ihren verdammten Job machen als sich in ständige Zöffe zu begeben. Und Aussitzen kann man die Probleme auch nicht länger.

Der rote Milan

ein Dörfchen in der Elsteraue und ein roter Milan, der nur für uns fliegt

Ich habe weder eine tolle Kamera, noch ein besonderes Objektiv, aber eines muss ich noch zeigen und erzählen.
Hinter einem für die Aue typischen Streifen an Bäumen hörte ich einen Vogel. Laut und schrill war sein Rufen. Ich spitze meine Lippen und stieß kurze Pfiffe aus. Ich wollte ihm antworten. Das mache ich manchmal so und habe das Gefühl, dass die Vögel „mein Gezwitscher“ annehmen.
„Was hast du ihm gesagt?“, wurde ich mal von meinem Sohn gefragt. „Oooch, das möchtest du lieber nicht wissen.“, war dann meine Antwort.

Ein Weilchen krächzten wir hin und her. Und dann kam er: ein roter Milan.
Lange kreiste er über uns und zeigte seine Flugkünste. Hach, war das schön. Fast sah es so aus, als ob er sich nur für uns in Pose setzte.

Ein Geschenk

altes Küchengerät

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende.
Zum Abschied schenkte mir Katrin altes Küchengerät, alt und mechanisch betrieben. Meine Freundin hatte ihr erzählt, dass ich so etwas sammele und auch nutze. Jetzt muss ich nicht mehr mit spitzen Fingern mein winziges Wiegemesser nutzen. Das Neue hat eine imposantere Größe.

Er war wahrlich schön und sehr erholsam, unser Ausflug auf’s Land. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Ich mache mir Sorgen, ob die Dürre nicht schon eine Veränderung des Klimas ist. Das würde uns allen nicht gut tun.
Tschüss Katrin und Danke für alles. Ein Dörfchen in der Elsteraue muss ich leider wieder verlassen, aber aus meiner Stadt werde ich wohl öfter fliehen.

Read More

Gelbfärben mit Pflanzen. (M)Eine Anleitung.

Gelbfärben mit Pflanzen

Diesmal beschäftigte mich wiedermal das Gelbfärben. Vor meinem Haus gibt es Essigbäume und einige Blätter davon sollten mir bei der Färberei helfen.

Gefärbt wurde schon in der Antike wie Gräberfunde gezeigt haben und auch das Mittelalter war nicht grau. Die Färber damals waren zuerst anderen Zünften wie den Tuchmachern angegliedert. Je besser sie es verstanden, textilen Materialien Farbe zu geben, um so bedeutender wurde ihr Geschäft. Eigene Zünfte entstanden.

In Leipzig gibt es eine Färberstraße. Die Färber, wie auch Fleischer und Gerber, waren außerhalb der innere Stadttore angesiedelt. Ihr Gewerbe galt als unrein, denn sie verarbeiteten Färbesud mit nicht den allerbesten Düften. (Irgendwann setze ich mal eine Küpe an, so im Herbst, wenn keiner mehr da ist in der Gartenanlage. Ich muss das wissen, wie es geht und was es macht.)
Die Färber brauchten Wasser. Und das hatten sie in Leipzig, neben dem Elsterflutgraben.

Gelbfärben war damals schon bekannt. Farbe bringen alle Pflanzen mit Xanthorhamin (im Kreuzdorn z.B.) oder verschiedenen Gerbstoffen (z.B.  in Schafgarbe oder Johanniskraut). Das Färbeergebnis geht von einem graugrünen bis zu einem sonnengelben oder goldenem Gelb. Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn man die Wolle oder Stoffe beizt oder Beizmittel (z.B. Alaun, Weinstein, aber auch den ganz natürlichen Sauerampfer) dem Färbebad beigibt.
Kaufleute brachten Safran und Kurkuma mit. Klar, dass der Erwerb teuer war. Nicht jeder konnte sich strahlendes Gelb in den Kleidern leisten. Also experimentierten die Färber, ob es nicht auch anders geht.

Experimentieren, ja, das sollte man wagen. Von allen Ergebnissen wird man irgendwie begeistert sein. Man muss nicht gleich selbstgesponnene Wollstränge verwenden. Zum Probieren kann man gewaschene Rohwolle in der Flocke nehmen.
Der Essigbaum, der besonders im Herbst durch seine Färbung auffällt, kam erst ca. 1620 aus dem östlichen Nordamerika zu uns. Wer färben möchte wie im Frühmittelalter, der muss auf andere, heimische Pflanzen zurückgreifen. Das Prinzip bleibt.

Gelbfärben mit Pflanzen

Wie habe ich mit den Blättern des Essigbaumes gefärbt?

    1. Beizen 
      Ich habe Alaun verwendet. Es gibt eine Faustregel: 5 – 20 g Alaun auf 100 g Schafwolle. Ich habe in einem kleinen Topf Wasser erhitzt, das Alaun darin aufgelöst und alles in das Wasser im Färbetopf verbracht.
      Die Wolle hatte ich eingeweicht in Wasser, damit sie gut durchtränkt ist und Beize und dann auch Farbe gleichmäßig aufnimmt. Ich erhitze Wolle und Beize auf ca. 93° C und lasse alles eine Stunde knapp unter dem Siedepunkt „baden“. Ich bewege die Wolle kaum, damit sie nicht verfilzt.
      Nach einer Stunde nehme ich dem Topf die Wärmequelle weg und lasse die Wolle über Nacht im Topf abkühlen.
      Tipp: Wenn man am anderen Tag die Wolle in feuchte Tücher packt und so trocknen lässt, verstärkt sich das Färbeergebnis und man kann Beize ganz gut ausnutzen.Gelbfärben mit den Blättern des Essigbaumes
    2. Vorbereitung der Pflanzenfarbe
      Für das Gelbfärben habe ich die Blätter des Essigbaumes von den Stielen entfernt. Ich hatte 350 g Blätter zur Verfügung. Die Blätter habe ich mit Wasser bedeckt und 1,5 Stunden lang köcheln lassen. Ähnlich wie Spinat sacken die Blätter zusammen und geben den Farbstoff an das Wasser ab.
      Nach dem Abseihen habe ich die Wassermenge auf ca. 8l erhöht.
      die Wolle im Färbetopf
    3. Färben
      Ich habe ungefähr 450 g Wolle in Strängen in das Färbebad gleiten lassen und vorsichtig untergetauscht. Alles wurde wieder auf ca. 93-95° C erhitzt und eine gute Stunde auf Temperatur gehalten. Man sieht allerdings gleich, wie sich die Wolle verfärbt. Richtig gierig ist sie in der Farbaufnahme.
      Wieder lasse ich die Wolle nach der Heißfärbung im Topf abkühlen. Temperaturunterschiede mag sie genau so wenig wie Reibung. Wenn man das weiß und beachtet, passiert der Wolle nichts.
      die gelbe Wolle trocknet
    4. Nachbehandlung
      Die Wolle wird gründlich gespült mit handwarmen Wasser. Dem letzten Spülbad gebe ich einen guten Schuss Essig dazu, quasi zur Erholung nach der Strapaze.
      Tipp: Gibt man 10 Minuten vor Ende des Färbeprozesses zwei Esslöffel Eisensulfat in das Färbebad, erhält man nach dem Trocknen, durch Oxidation, grüne Wolle. Grün wurde ich auch erhalten, wenn ich die gelbe Wolle blau überfärbe.
      Ich wollte aber diesmal meine Gelbe behalten.

Nachbetrachtung Gelbfärben

Ich habe fertig, für diesmal. Der letzte Färbeversuch ist es bestimmt nicht gewesen, denn ich möchte noch andere Farben ausprobieren.
Wisst ihr, was mich so richtig glücklich macht? Ich habe mir Wissen angeeignet und etwas geschaffen. Das macht mich mächtig stolz.

Read More

Essigbaum. … immer zweimal mehr wie du.

Essigbaum und immer zweimal mehr wie du

Nein, das ist nicht so, dass ich nichts tue. Ich bin schon mit meinen Projekten beschäftigt. Nur schreiben möchte ich nicht immer. Manchmal ist es ganz angenehm, leise zu sein oder überhaupt verhaltener. Mir geht das „alles was du kannst, das kann ich viel besser“- oder „Ich bin so großartig“-Gehabe im Netz manchmal arg auf den Wecker. Ach, es würde mir bestimmt nicht schwer fallen, jeden Tag etwas zu schreiben, denn irgendwas passiert immer, worüber ich mich aufregen könnte. Vom Hocker reißt es aber gar nicht. Jammern, oh ja, das könnte ich auch gerade. Es ist nicht schön, wenn man bei einer Befundbesprechung gesagt bekommt: „Das ist jetzt so und wird so bleiben“. Blöd. Und damit kann ich ich mich nicht abfinden.
Da nehme ich mir meinen Kräuterkorb und gehe raus. Einige Färbeversuche habe ich noch vor und diesmal habe ich den Essigbaum heimgesucht und um eine Blattspende gebeten.

Als Beate Neufeld da war, sind wir durch Zufall im Netz auf die „Weihnachtstassen“ (wenn man danach sucht, findet man sie) gestoßen, die sich arg beharken. Bei der Streiterei, was die eine die andere mal gerade kann, meint eine der Tassen schließlich: „immer zweimal mehr wie du“. Manchmal hilft das. Ich sage das bestimmten Krankheitserscheinungen gerade auch so. Abfinden? Nö.

Vor meinem Haus wuchs einst ein wunderschöner Essigbaum. Irgendwen muss er gestört haben, denn die „grüne Brigade“ kam und sägte ihn ab. Schade, denn im Herbst waren seine Blätter eine Augenweide.
Im nächsten Frühjahr entdeckte ich an der Stelle des Abgesägten, dass fünf Mal ein Essigbaum entstanden war und munter vor sich hin wuchs. Beim Jährlichen Gartenensatz mussten auch die wieder weichen. Die Auseinandersetzung Essigbaum gegen Säge ging noch ein Weilchen hin und her. Und was soll ich sagen? Heute sind auf der verwilderten Wiese vielleicht 50 kleine Bäumchen. (… immer zweimal mehr wie du. 🙂 )
Von den Essigbäumchen habe ich mir Blätter erbeten.

Das Färben von Wolle mit den Blättern vom Essigbaum ist nun also mein nächstes Projekt. Ich freue mich, bin gespannt auf das Ergebnis und werde bestimmt wieder darüber berichten. Auch, wenn es zwackt und ich manchmal denke: „… immer zweimal mehr wie du“, ich werde es nicht laut sagen.
Und jetzt gehe ich auf meine Wiese und hole mir Beifuß.

Essigbaum

Read More

An einem Sträußchen Johanniskraut erkannten sich die Hexen.

Heute ist Mittsommer, Sommersonnenwende, Sommeranfang.  Sonnwendtage gehörten wahrlich zu den ältesten Feiertagen auf der nördlichen Halbkugel. Sowohl das Licht als auch die Sonne wurde gefeiert. Mit Feuern und Räucherungen wurden böse Geister vertrieben und indes auch Gesundheit und gute Ernte erbeten. Frauen banden deswegen Blumenkränze, bestimmte Kräuter zum Sonnenaufgang gepflückt versprachen Liebe und an einem kleinen Sträußchen Johanniskraut erkannten sich die „Hexen“.

Viele Bräuche um diesen Tag gibt es allerdings auch jetzt noch. Ich finde das schön. Dennoch ist das aber wahrscheinlich nicht der Grund gewesen, dass es mich heute Mittag hinaus zog, um Johanniskraut zu schneiden. Vor den Feuern, blühend, um die Mittagszeit soll man es allerdings wohl holen. Das ist die richtige Zeit.
Ich will allerdings nicht räuchern oder Heiltee bereiten. Diesmal nicht. Ich möchte das Kraut trocknen, schneiden und in Gläser packen. An einem dusteren, kalten Wintertag wird es mir bestimmt Freude bereiten, mit dem Johanniskraut Wolle färben zu können. Es wird mich erinnern an die sonnengelben Blüten und die Wärme des Sommers. Außerdem hat mir diese freundlich gelbe Farbe in der Wolle sehr gefallen.

So, ihr Hexen oder auch nicht, legt euch einige Blüten unter das Kopfkissen, schlaft gut und träumt etwas Schönes. Was ihr nämlich heute träumt, geht in Erfüllung. Vielleicht. Ach was, ganz bestimmt. 🙂

Read More

Was Oma alles wusste. Wolle färben zum Ersten.

Was Oma alles wusste: Wolle färben mit Johanniskraut

Wenn ich mir die Preise für Textilfarben ansehe, dann muss ich sagen, sie haben einen stolzen Preis. Mit dem „Sümmchen“  muss ich ein ganzes Weilchen auskommen. Warum also nicht altes Wissen reaktivieren, das, was Oma alles wusste.

Meine Oma,überhaupt die Familie mütterlicherseits, war alles andere als begütert. Oma musste sehen, wie sie ihre Kinder durch zwei schlimme Kriege und die Wirtschaftskrisen brachte. Mein Großvater arbeitete im Bergbau, 12 Stunden unter Tage. Zur Zeit der Inflation stand abends meine Oma mit einem Handwägelchen am Werktor, um das Geld abzuholen, welches mein Opa am Tage gerade verdient hatte. Es war keine Zeit. Die Oma bekam das Geld – Billionen – in den Handwagen und rannte im Dauerlauf zum Bäcker. Innerhalb von Stunden änderte sich der Geldwert und wer zu lange brauchte, der bekam eben kein Brot mehr für die Wagenladung Papiergeld und -scheine.

Ich kenne meine Oma nicht traurig oder am Boden zerstört. Sie hat versucht, mit allen Situationen zurecht zu kommen. Selber und nicht, indem sie sich ständig mit anderen verglich und dann haderte. Gelacht wurde in der Familie, nach Aussage meiner Mutter, trotzdem viel.
Vieles hat meine Oma selber gemacht. Einmal, weil sie keinen Dienstleister bezahlen konnte und zum zweiten – und das halte ich für das Wichtigere- weil sie es konnte. Textilien färben war eines, was Oma alles wusste. Also hab ich es probiert, ohne großartigen Geldwinsatz, nur mit Zeit, Geduld und Mühe.

Färben mit Johanniskraut

meine Zeichnung vom Jahanniskraut

Gelb soll die Wolle werden.
Eigentlich wollte ich dazu Blätter vom Essigbaum nehmen, aber dann hatte ich irgendwo gelesen, dass der milchige Saft des Essigbaumes leicht giftig sein soll. Da es durchaus Alternativen gibt, plante ich um und verwendete getrocknetes Johanniskraut. Das hatte ich auf meiner Holunderblüten-Tour gepflückt.

Da ich Anleitungen schreiben möchte, kann ich nun auch meine Zeichnung vom Johanniskraut nutzen. Ich finde es schön, wenn irgendetwas zusammenpasst und stimmig wird.

Der Färbesud aus Johanniskraut

was Oma alles wusste: Färbung mit Johanniskraut Das ganze, getrocknete Jahanniskraut habe ich erstmal zerschnitten und in Wasser eingelegt. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich Grün färben wollte. In alten Rezepten hatte ich gefunden, dass das Färben mit Johanniskraut eine Heißfärbung wird, die Wolle mit Alaun gebeizt sein muss und man 10g Kraut auf einen Liter Wasser braucht.
Ich hatte mehr, aber das Färbeergebnis war nicht grün, sondern ein sanftes, leicht grünliches Gelb. Nun hätte ich mit Eisensulfat nacharbeiten oder noch einmal färben können, aber das wollte ich nicht. Das Gelb gefiel mir sehr.

Der erste Schritt also war: Das Johanniskraut muss in dem Wasser zwei Stunden köcheln und dann im Sud abkühlen.
Köchelndes Johanniskraut riecht nicht gut, aber es gibt durchaus schlimmere Gerüche.

Der Färbevorgang

die Wolle kommt in den abgekühlten Färbesud Das wird der zweite Schritt.
Über Nacht lasse ich den Sud immer abkühlen und gieße ihn ab. Da stört es niemand und am anderen Tag kann ich fröhlich weiter wuseln.

Diesmal legte ich keinen Wollstrang in das Färbebad, sondern gewaschene Rohwolle in der Flocke und Krempel, d.h. bereits kardierte Wolle. Die Wollflocken hatte ich bewusst nicht auseinander gezogen. Ich wollte unterschiedliche Farbintensitäten. Das ist nur bedingt gelungen. Das zarte Gelb zeigt es kaum.
Das nächte Mal binde ich einen Teil der Wolle ab

Eine Stunde habe ich die Wolle, ohne sie zu bewegen, köcheln lassen. Über Nacht durfte alles wieder abkühlen. Wolle mag keine krassen Temperaturunterschiede. Also wird bei allem, was ich mache, immer wieder bei Zimmertemperatur angefangen.

Spulen, Schönen, Trocknen

die gefärbte kardierte Wolle trocknet
Der dritte Schritt.
Am anderen Tag habe ich die Wolle aus der Farbflotte genommen und so lange gespült, bis keine Farbe mehr aus der Wolle kam.Dem letzten Spülbad habe ich Essig zugesetzt. Damit wird die Farbe archiviert, „geschönt“. Ich mache das immer mit der Menge aus dem Handgelenk. Alte Rezepte empfehlen 100 g Essigessenz je 100 g Färbegut.

Als meine Wolle auf dem Balkon in der Sonne trocknete, setzte ich mich ein Weilchen nach draußen und genoss die Farbe. Mit wenig finanziellen Aufwand habe ich eine Wolle erhalten, für die mir sofort eine Verwendung einfiel. Aber das wird ein ganz anderes Kapitel.

Lagern und was Oma alles wusste

Plastikkiste mit Deckel zum Lagern meiner schönen, gelben Wolle Um Mottenfraß vorzubeugen, lagere ich meine Wolle nach dem Trocknen in Plastikkisten mit Deckel. Es wäre schade, wenn alle Mühe umsonst gewesen wäre. Da die Kisten durchsichtig sind, sehe ich auch immer, was drin ist. Ewige Sucherei entfällt.

Jetzt, wo ich die letzen Worte zu diesem Beitrag schreibe, fällt mir ein, dass ich ja inzwischen selbst eine Oma bin. Also passt es doch: Was Oma alles wusste. Und das wird alles schön weiter gesagt. Versprochen.

Read More