Die Rauhnächte sind vorbei

Die Zeit Ende Dezember war bei uns zu Hause immer eine besondere Zeit. Die Rauhnacht war angebrochen. Mein Vater erzählte mir als Kind immer, dass alles wahr wird, was man in den 12 Nächten vom 21. Dezember an träumt. Dass einen auch die bösen Geister nach altem Glauben heimsuchen können, sagte er nicht. Und damit ich immer nur schöne Träume hatte, war das Zu-Bett-geh-Zeremoniell in dieser  Zeit besonders ausgedehnt, und ich bekam jeden Abend eine wunderschöne Geschichte vorgelesen. Ich fand das alles toll, schlief in diesen Nächten besonders gut. Meinen Vater kann ich heute nicht mehr fragen, was oder an wen er geglaubt hat. Er hat mit mir nicht darüber gesprochen.

Ich war gestern noch ganz spät mit meinem Sohn spazieren. Es blies ein eisiger Wind und wir waren mächtig durchgefroren, als wir wieder nach Hause kamen. Trotzdem blieb uns die Gewissheit, dass jetzt die Tage wieder länger werden. Mir ging es mit warmen Tee und unter meinem Schaffell bald wieder gut.

Ach ja: Schaffell.
Wahrscheinlich geht die Bezeichnung Rauhnacht auf das mittelhochdeutsche rûch  (haarig) zurück, welches auch heute noch in der Kürschnerei als Rauhware oder Rauchware für Tierfelle in Gebrauch ist. Gerade in der  Zeit der Rauhnächte gab es viele Rituale um das Nutzvieh.

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