Mein Oma und ihre ständig lockeren Schuhbänder.

Eigentlich wollte ich mich nur ausruhen an diesem Wochenende. Mein Lehrgang geht noch eine Woche. Hausaufgaben habe ich mir auch mitgenommen. Aber ich muss meiner Oma gedenken. Und so erzähle ich aus aktuellem Anlass von meiner Oma.

Ein loses Mundwerk hatte sie. Oh ja. Man fuhr ihr auch nicht so einfach über den Mund. Und einschüchtern ließ sich meine Oma auch nicht. Von Niemandem!
In den Jahren des Reiches, welches nun doch die ursprünglich geplanten Tausend Jahre nicht überdauerte, begegnete ihr im Dorf ihr Cousin, ein ganz Eifriger. Er riss den Arm hoch zum Gruß. Meine Oma grüßte zurück mit „Guten Tag“. Der Cousin knallte noch einmal die Hacken zusammen und grüßte noch lauter. „So macht man das, Alma!“ Meine Oma meinte nur: „Ach, leck mich doch am Arsch!“
Der Cousin lief rot an, stemmte die Hände in die Hüften und schrie: „Zum Glück gibt es noch Orte in Deutschland, wo auch einer deutschen Frau das richtige Grüßen beigebracht werden kann!“ Oh ja, die gab es, manche gar nicht weit weg von meinem Heimatort, in Buchenwald, Sachsenhausen …
Seit dieser Begegnung mit ihrem Cousin hatte meine Oma immer lockere Schuhbänder. Immer, wenn sie ihn traf, hockte sie sich hin und machte sie in aller Ruhe fest. Einen freien Arm zum Grüßen hatte sie nicht.
Du warst eine tolle Frau, Oma. Und eine Mutige.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und

Guten Tag.“

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