Die Flachsbreche. Oder wieso ausgerechnet Stroh zu Gold gesponnen werden sollte.

Flachsbreche
alte Flachsbreche, Zeichnung G. Ebert

Ein guter Bekannter rief mich an und fragte, ob ich eine Flachsbreche haben möchte. Um Bast zur weiteren Verarbeitung zu gewinnen, müssen die Stängel von Lein oder Flachs aufgebrochen werden. Durchgebrochen werden die Stängel nicht, sondern unter Druck gequetscht, um alle Holzteile irgendwann entfernen zu können. Die Breche ist wie ein Bänkchen mit Hohlraum und einem Hebel. Dazwischen werden die Flachsbüschel bearbeitet. Flachsstroh heißen diese Büschel. Wahrscheinlich kommt hiervon die Legende, dass es Müllerstöchter geben soll, die Stroh zu Gold spinnen können.

Wie eine Breche funktioniert hätte ich schon gerne gezeigt und vorgeführt, denn ich möchte nicht, dass solche alten Verfahren vergessen werden. Nach Hause konnte ich sie leider aus Platzgründen nicht mitnehmen. (Und in die Straßenbahn passt sie auch nicht so gut.) Wenn ich mal ein richtiges Spinnstübchen habe, darf eine bei mir einziehen. Vom Flachsbrechen werde ich trotzdem erzählen und davon dass die Ausbeute an Fasern gerade mal 7  bis 9 % betrugt. Es war viel Fleiß nötig für das Leinenhemd. Der Lohn allerdings war mehr als mager. Ich werde auch erzählen, dass die Finger ganz schnell blutig werden beim Spinnen, weil der Flachs so einschneidet. Da kann die Spule schon mal im Brunnen abgewaschen werden müssen, oder einem eine Spinnerin mit einem riesigen Daumen begegnen.

Ich werde mir mal Leinen bei Wollknoll kaufen, aus Flachs gewonnene Fasern im Band. Flachs verspinnen wollte ich schon immer mal. (Ich versuche das dann mal mit dem Gold und gebe auch gerne etwas ab.)
Mir ist überhaupt aufgefallen, dass in den alten Hausmärchen das Spinnen öfter vorkommt. Einer fällt die Spule in den Brunnen. Eine andere sticht sich an der Spindel und schickt den ganze Hofstaat in den 100jährigen Schlaf. Der Prinz nimmt nur die zur Frau die ganz fleißig und ordentlich spinnen kann. Naja, und dann war da eben auch noch jene Müllerstochter, die …  Ach ja!

 

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