Dreiangel im Gummistiefel, Zöpfe ab. Wie war das doch gleich mit den Sonntagen?

„Wie ist das denn bei euch mit den Sonntagen? Sind die noch was besonderes?“, fragte heute der Emil auf seinem Blog. Und da heute bei mir Wollspinnexperimentiertag war (am Sonntag!), hatte ich viel Zeit nachzudenken.

Beim Emil habe ich in einen Kommentar geschrieben, dass mir als Kind Sonntage ein Grauen waren. Das klingt so richtig schlimm, stimmt’s? Ist es aber eigentlich nicht. Ich werde mal erzählen, wie das so war, immer wieder sonntags.

Grashuepfer
Grashüpfer

Ich hatte eine herrliche Kindheit auf dem Lande, nahe der Stadt. Den ganzen Tag draußen, stromern, verstecken, klettern, Blödsinn machen, Obst klauen, mit Ziegen und Schweinen um die Wette rennen … Ich fand das klasse. Meine Mutter weniger.

Mein Vater arbeitete in Schichten, am Wochenende meist in 12-Stunden-Diensten. Die Woche wurde bei uns also immer anders eingeteilt, richtete sich nach dem Dienstplan meines Vaters. Wenn mein Vater aber zu Hause war, dann hatte ich regelmäßig Zoff mit meiner Mutter, immer wieder sonntags.
Sonntag war nämlich Spaziergehtag. Zu festgelegten Zeiten war das ganze Dorf auf den Beinen. Man spazierte die Dorfstraße entlang, schwatzte mit den Nachbarn und erfuhr den neusten Dorftratsch. Die „Großen“ fanden das gut so, mir war es immer totlangweilig. Was gingen mich Tante Linas Stützstrümpfe an? Das eigentliche Drama spielte sich allerdings bei uns zu Hause ab, immer vor der sonntäglichen Zeremonie.

Sonntags wurden die Mädchen im Dorf von ihren Müttern aufgerüscht. So gab es an diesem Tage oft eine neue Haarschleife in die Zöpfe. Bei allen anderen war das so. Bei mir nicht, denn ich hatte keine Zöpfe. Meine Mutter bekam Kletten, Teer, Fitz, Stalldreck nicht aus meinen langen Haaren. Also sauste ich mit raspelkurzen Haaren durch die Gegend.
Meistens hatte ich Hosen an. Röcke waren sehr hinderlich beim Klettern über die Zäune. Wenn ich es hinter mir ratschen hörte, war mir klar, dass ich mich gleich wieder auf etwas gefasst machen konnte. „Du schaffst es sogar Dreiangel in die Gummistiefel zu reißen“, sagte mein Vater und lächelte verschmitzt, als er mit mir ein ernstes Erziehungsgespräch führen sollte.

Sonntags, jawohl, da hatte ich mich in die Kleiderordnung meiner Mutter zu fügen. Meine Mundwinkel gingen schon runter bis zum Knie, wenn sie das Sonntagskleid auspackte und die weißen Strumpfhosen. Meine Güte, weiße Strumpfhosen! Für mich!
„Kuck nich so bockig!“, fuhr sie mich an. Ich musste mich ankleiden unter strenger Aufsicht meiner Mutter. Damit ich mit meiner Hippeligkeit das Treiben nicht verrückt machen konnte, wurde ich „vergattert“ und durfte schon mal vor die Haustüre.
Ehrlich, ich schwöre, ich weiß nicht, wie die Hühnerscheiße an meine weiße Strumpfhose kam. Ich musste mir ganz schnell etwas einfallen lassen. Wehe, wenn ich in den Hühnerstall gehe, hatte sie gesagt. Also zupfte ich Gras und versuchte, die Strumpfhose sauber zu putzen.
„Guuuuudruuuuun!“, schrie es hinter mir. Der Sonntag war für mich wieder gelaufen. Und  das nächste Mal war es wieder ganz genau so. Oder zumindest so ähnlich. :D

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