Warum ich noch nicht Stroh zu Gold spinnen konnte?

Nadelfilzen mit Kindern (und Großen) in den Friesengärten
Nadelfilzen mit Kindern (und auch „Großen“) in den Friesengärten

Ach ja, es gibt mich noch, auch wenn es hier gerade etwas ruhig ist.
Am Sonnabend war ich mit Spinnrad, Wollkorb und Filznadeln in den Leipziger Friesengärten. Es war Kinder- und Gartenfest, unglaublich warm und schwül, aber es hat Spaß gemacht, unter Menschen zu sein, zu schwatzen, einfach die Gemeinschaft zu genießen. Wenn man von früh bis zum Abend wuselt, dann darf man hundemüde sein. Kein Wunder, dass ich trotz unerträglicher Hitze in dieser Nacht geschlafen habe wie ein Stein.

mein Arbeitsplatz wartet
Mein Arbeitsplatz wartet.

So, wie ich meine Aktivitäten brauche, möchte ich anderen noch etwas davon abgeben. Das Spinnen und Filzen war nicht nur für Kinder interessant. Ein kleines Mädchen brauchte Überzeugungsarbeit, dem Spinnrad nahe zu kommen. Sie hatte Angst, hundert Jahre schlafen zu müssen. Ältere blieben bei mir stehen und erzählten, wie es früher bei ihnen zu Hause war, als die Großmutter gesponnen hat und alle mit Schafwollsocken und tausend Geschichten versorgte. Eine junge Frau bot mir an, die Bergschafwolle von eigenen Schafen zu probieren. Das Angebot habe ich natürlich gerne angenommen. Ein junger Mann mit Baby im Tragetuch interessierte sich für die Beschaffenheit von Schafwolle und fand es gut, wenn die Wolle einheimischer Schafe verarbeitet wird. Seine Frau möchte für das Baby stricken.

Es waren interessante Begegnungen. Jedes Lächeln, das bleibt, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Es tut allen gut, nicht nur mir. An solchen Veranstaltungen werde ich nicht reich. Es ist ein Ehrenamt. Lech Walesa sagte mal, dass niemand frei ist, der einen leeren Geldbeutel hat. Oh ja, das stimmt, und es braucht immer wieder jede Menge Mut, nicht zu resignieren, sich immer wieder aufzurappeln. Alleine kann man gar nichts stemmen, aber mit anderen, Gleichgesinnten schon.

Ich freue mich immer sehr, wenn eine Veranstaltung gut gelaufen ist, aber kaum ist die Kiepe wieder ausgepackt, treibt mich das nächste um. Neben mir hatte eine Imkerin aus Leipzig ihren Stand. Von Ulrike Richter habe ich nicht nur ein Glas Lindenblütenhonig erwerben können, ich habe auch allerlei Tipps und Anregungen erhalten für eigene Unternehmungen. (Danke, liebe Ulrike Richter.)

Ach ja, beim Stroh zu Gold spinnen, hatte ich noch nicht den Erfolg. Ich habe aber auch immer etwas falsch gemacht. Das geht nämlich nur zwischen nachts um Zwölfe und früh um Sechs. Seit Sonnabend weiß ich das.

😀

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