Wie mir die Schönheit der Mathematik entging.

Dass ich nicht das Mathe-Genie in der Familie bin, das ist bekannt. Ich habe da auch nie ein Hehl daraus gemacht. Zwar habe ich meinen Kram gemacht, im Abi und auch noch danach, aber ich war immer der festen Überzeugung, dass man sich die Mathematik nur ausgedacht hat, um mich zu ärgern und zu quälen. Mir geht es hier nicht um die Fähigkeit, den Einkaufszettel überprüfen zu können. Eher um Kurvendiskussion und so etwas.

LeibnizAusgerechnet mir legt mein Sohn bei seinem letzten Besuch die „Spektrum der Wissenschft“ hin. „Da kannst du dich mit der Schönheit der Mathematik befassen“, meinte er grinsend.
Ich muss etwas grimmig drein geschaut haben, denn er klopfte mir auf die Schulter und fügte hinzu: „Da geht es um Leibnitz. Das war im 17. Jahrhundert, das wirst du doch nun wohl nach nun so vielen Jahren hinbekommen zu verstehen.“ Ach ja, ich räche mich schon noch für diese kleine Boshaftigkeit.

Leibnitz ist ein Sohn meiner Stadt, wurde hier geboren, besuchte die Nikolaischule und studierte an der Universität Leipzig. Eine Zeitlang ging er nach Jena, um – so habe ich es bei Wikipedia gelesen – sich „dort unter Anleitung des Mathematikers, Physikers und Astronomen Erhard Weigel pythagoreischen Gedanken zu öffnen“. (Siehe hier) Ha, das wird es gewesen sein! Genau so etwas habe ich verabsäumt.
Als Leibnitz nach seiner Zeit in Jena an der Universität Leipzig promovieren wollte, hat man das abgelehnt mit der Begründung, er sei zu jung. Soviel zum Jugendwahn, und so viel zu sich änderden Zeiten. Leibnitz hat der Stadt das übrigens nie verziehen. Die Stadt wenigstens hat ihm zu Ehren ein Denkmal aufgestellt vor der Uni und eine Straße nach ihm benannt.

Bei mir ist alles zu spät. Die Schönheit der Mathematik werde ich nie entdecken. Und Ordnung in meine verschwommenen Erinnerungen daran bekomme ich auch nicht mehr. Wenn ich allerdings das nächste Mal am Leibnitzdenmal vorbei komme, werde ich meinen Hut ziehen.

Spiegelungen in Leipzig

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