Dornröschen war ein schönes Kind.

Jeder kennt das Märchen, in dem alle Spindeln im Land verbrannt wurden, nur eine einzige nicht, die das ganze Land in einenhundertjährigen Schlaf schicken sollte. Das kleine Mädchen auf dem Kinterfest eines Gartenvereins kannte das Märchen auch. Es bedurfte schon einiger Überredungskunst, bis sie sich dem Spinnrad näherte. Klar, wer will schon hundert Jahre schlafen, wo es doch wirklich besseres zu tun gäbe.

Anfang Oktober fahre ich mit dem Wollkorb und dem Spinnrad nach Wyhra in das Völkerkundemuseum. Dort läuft über ein ganzes Jahr hinweg ein Projekt „Märchen entdecken – erleben – verstehen“.  Im Oktober geht es um Dornröschen und das Spinnen am Spinnrad.

Ist euch mal aufgefallen, dass Rumpelstilzchen hervorragend Flachs verspinnen konnte? Oder der Königssohn die Bauerstochter zur Frau nehmen sollte, die am geschicktesten spinnen konnte? Ein Vater hat sogar mal behauptet, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen kann. Unglück bahnte sich an. Vielleicht hatte der gierige König auch nur etwas falsch verstanden. Wenn aus dem Flachsstroh die Fasern gewonnen und versponnen waren, glänzten sie wirklich golden im Licht. Flachs spinnen ist nicht so einfach, es schneidet in die Fingerkuppen mit der Zeit. So kann schon mal eine Spule blutig werden und beim Waschen in den Brunnen fallen.

Die Märchenfiguren und die Tätigkeiten, wie das Spinnen, kennen wir vor allem aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Die beiden hatten eine recht entbehrungsreiche Studienzeit durchzustehen, und auch danach ging es ihnen nicht so richtig gut. Ihre Zieleund Vorhabenaufzugeben, stand nie in Frage. In dieser Zeit begannen sie die Marchen und Gechichten zu sammeln. Sie zogen durch das Land und ließen sie sich erzählen. Die, die erzählten, waren vorwiegend Frauen, und in die Geschichten bauten sie ihre alltäglichen Verrichtungen mit ein.
So kam die Spindel ins Märchen.

Ich habe nicht sehr viel Zeit an dem Tag im Oktober, aber ich möchte für die Schüler einer ersten Klasse die Zeit damals erlebbar machen. Ein Stückchen Dornenhecke werde ich mitnehmen und für jeden ein Stöckchen, damit ein eigener Faden gesponnen werden kann. So wie die Frauen damals ihren Kindern Märchen und Geschichten erzählt haben während sie am Spinnrad saßen, nehmen wir uns an diesem Tag im Oktober auch die Zeit.
Stöckchen und Faden dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen. Und vielleicht sind es diesmal die Kinder, die am Abend beim Zubettgehen eine Geschichte zu erzählen haben.

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