Wozu Klopapierrollen und alte Holzkochlöffel gut sind.

Meine Mutter versuchte sich erst einmal selbst zu behelfen, ehe sie etwas kaufte. Wegen ihrer ständigen Tüftelei habe ich sie immer sehr sehr bewundert. Ehe etwas unwiederbringlich weggeworfen wurde, hat sie erstmal überlegt, was man noch daraus machen könnte. Das sind eigentlich schon zwei Dinge, den Neukauf überlegen und ebenso das Wegwerfen.

Ich arbeite gerade an einem neuen Wollprojekt. Ich stelle Gablé-Garn her. Das ist ein vierfach, in verschiedene Richtungen, gezwirntes Garn. Es wirkt „rund“ und ist sehr haltbar. Was ich später mit meinen Garnen mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht verschenke ich sie.
Beim „Gablé“ wird ein Garn etwas fester gesponnen, mit etwas mehr Drall als sonst. Dann wird ein Knäuel gewickelt mit dem berühmten Faden von innen. Anschließend wird gezwirnt, aus einem Knäuel, mit beiden Garnenden. Noch einmal wickeln, noch einmal zwirnen – diesmal in die andere Richtung, denn schließlich brauche ich Vierfachzwirn.

Nun gibt es ganz tolle Gerätschaften zum Garnwickeln, Wickeldorne aus Holz oder kleine Maschinchen, wo man nur die Kurbel zu drehen braucht. Ich habe nichts davon, habe aber trotzdem gewickelt. Klopapierrollen eignen sich, aber auch mein alter Kochlöffel. Könnt ihr euch noch erinnern, dass es mal so richtig in war, mit zwei Kochlöffeln zu stricken?

Spinnen, zwirnen, fotografieren, zeichnen, beschreiben, sammeln für das Buch, das dauert alles und, ganz ehrlich, manchmal habe ich so überhaupt keine Lust mehr. Irgendwie muss ich mich dann selbst am Kragen nehmen und mich an das Sinnrad oder den Schreibtisch drängeln. Vielleicht hilft es, wenn ich mir den Auszug aus dem Landwirtschaftliches Wochenblatt für das Großherzhogtum Baden (Nr.39 vom 29. September 1837, herausgegeben von der Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins) an die Wand hefte.

„Wer ein gutes Garn spinnen will, darf nicht zu oft die Arbeit verlassen, denn sonst entstehen, wie beim schlecht gehechelten Flachse, Unebenheiten in den Fäden.“

 

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