Schmuddelwetter für die Politische Bildung.

PolitikSie kamen gerade Recht, die bestellten Puplikationen vom Bundesamt für politische Bildung. Bei dem scheußlichen Schmuddelwetter draußen werde ich mich mit Decke und Lesestoff in meinen Sessel verziehen.

An meiner allerersten Arbeitsstelle konnte ich als ganz junge Gudrun aus dem Fenster immer auf die Clara-Zetkin-Büste an der Pädagogischen Hochschule in Leipzig schauen. Die Hochschule trug ihren Namen und in einer Grünanlage, gleich am Eingang zur Hochschule stand sie, die Clara. Es gab an der Hochschule eine Forschungsgruppe „Frauenrechte“. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht in dieser Forschungsgruppe mitarbeiten möchte.

Ich?
Weiberkram?
Zickenterror?
Nee, niemals!

Wenn man mich damals fragte, welchen Beruf ich hatte, antwortete ich ohne zu zögern: „Lehrer“. Ich hatte mit Bezeichnungen keine Probleme und mit Frauenrechten selten. Würde mir heute die Mitarbeit in einer solchen Forschungsgruppe angeraten, wäre ich garantiert nicht mehr so ablehnend. Man wird eben weiser. Oder vom Leben erzogen?

In der Zeit an der Pädagpogischen Hochschule war die Gleichberechtigung der Frau in der Verfassung der DDR verankert. Damit bin ich aufgewachsen und deshalb nahm ich es als selbstverständlich hin. Wie es in den Familien aussah, wie Männer und Frauen tatsächlich zusammen lebten, das war sicher sehr unterschiedlich. Neues setzt sich nicht mit einem Federstrich durch. Ich musste mir jedenfalls keine Sorgen machen, als Frau mit Kind(ern) eine Anstellung zu finden oder sie zu behalten. Mein Job blieb mir erhalten während der Babypause. Meine Miete hätte ich immer bezahlen können. Ich musste keine Angst haben, dass man mir irgendwann den Strom abstellt. Im Gegensatz zu heute hatte ich keine Existenzängste. Im Gegenteil, ich lief mit durchgestreckten Rücken.
(Ich möchte jetzt keine leidliche Diskussion über DDR-Nostalgie und dergleichen. Damit kann man nämlich Meinungen ganz gut verstummen lassen.)

Nach der Wende wurde alles ganz anders. 53 Männer und 11 Frauen saßen in der Verfassungskommission. Durchgesetzt wurde lediglich, die Neufassung des Artikels 3 des Grundgesetzes, in dem sich der Staat zu einer aktiven Gleichstellungspolitik verpflichtet.

Und ansonsten? In manchen Diskussionen unter Frauen prallen manchmal Welten aufeinander. Ich hatte immer so ein Gefühl, konnte es aber nie so richtig benennen. Nachlesen kann man über die ungleichen Schwestern bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Manchmal ist es gut, vom anderen zu wissen. Man versteht sich besser, wenn man es denn will. Miteinander reden (und auch mal streiten) ist viel besser als schweigsam alles hinzunehmen, sich klein reden zu lassen, abzuducken und still zu leiden.

Ich wünsche nicht nur den Frauen einen schönen Sonntag.

 

 

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