Journalismus. Medien. Unschuldsvermutung. Menschlichkeit.

Foto: Jan Ebert
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Ein Bild im Bild / Foto: Jan Ebert

Wenn menschliche Tragödien passieren, ist das immer schrecklich. Man muss sie erfassen, verarbeiten, damit leben, eventuelle Konsequenzen treffen.
Natürlich will man informiert werden, aber, was gestern im Fernsehen und anderswo abging gruselt mich einfach nur.

Ich weiß, dass viele Journalisten freischaffend tätig sind. Festanstellungen fielen und fallen noch Sparmaßnahmen zum Opfer. Jeder muss sehen, wo er bleibt und jeder wartet auf seine ganz persönliche Geschichte, eine die ihm den Durchbruch bringt oder den harterkämpften Platz erhält. Wie weit geht man da? Und die Sender? Die liefern sich einen Wettlauf um DIE Meldung des Tages. Wenn das ARD die Bildzeitung zitiert, dann macht mich das mehr als stutzig.

Da passiert in den französischen Alpen eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes. Die Untersuchungen stehen ganz am Anfang. Nichts ist da abgeschlossen oder 100% sicher. Aber die Hyänen stürzen los, suchen ihr Opfer. Es werden Klarnamen genannt, Adressen, Fotos gezeigt. Kamerateams überfallen die Nachbarn und Freunde, positionieren sich vor dem Haus der Eltern. Nichts mit der Unschuldsvermutung, die so lange gilt, bis eine Untersuchung richterlich abgeschlossen ist. Nichts mit Privatsphäre und Schutz von Identitäten. Dort eine Vermutung, da ein Experte, hier ein Mutmaßer, hätte, wäre, könnte …

Wo soll das hinführen? Wie sollen die Betroffenenn damit umgehen?

Oh nein, wir reden nicht über Leistungsdruck oder das, was einen krank machen kann, auch dann, wenn man seinen vermeindlichen Traum lebt. Schwäche darf keiner zeigen. Wir zeigen stattdessen immer lieber gnadenlos auf andere, und fühlen uns vielleicht stark und überlegen dabei. Und oft endet es mit Tragödien.

Mein Mitgefühl haben die Überlebenden der Opfer, aber wisst ihr was? Aber das, was gestern in den Medien ablief: Es kotzt mich an!