Die Altenburger Mundart. Dorheeme, wo der Ochse ein Uchse ist und ein Mensch manchmal „uchs’sch“.

Malcher und Marche - Altenburger Bauerntracht im Volkskundemuseum Wyhra
Malcher und Marche - Altenburger Bauerntracht im Volkskundemuseum Wyhra
Malcher und Marche – Altenburger Bauerntracht im Volkskundemuseum Wyhra (Foto: Hella Hallert)

Als ich in Neukieritzsch war, sah mich ein Herr plötzlich verschmitzt an und meinte:
„Aus Leipzig kommen Sie? Aber so ein richtiger Sachse sind Sie nicht.“
„Stimmt. Ich komme aus dem Altenburgschen.“
„Das höre ich. Und ich höre Rositzer Altenburg’sch.“

Auch das stimmt. Rositz war quasi gleich nebenan. Genau in der Mitte zwischen Altenburg und Zeitz kam eine Menge an Mundartlichem zusammen, Ostthüringisch z.B. und Obersächsisch, Osterländisches und anderes. Die Alten im Ort habe ich als Kind immer ganz schlecht verstanden. Wenn ich „denge henger giehn“ sollte, dann wusste ich nie so Recht wohin und zog mir den Unmut meiner Großmutter zu. Kein Wunder. Ich lebte eben in einer seltsamen Sprach-Gegend. Ein „u“ wurde statt „o“ gesprochen und so wurde aus dem „Ochse“ ein „Uchse“ und ich war „uchs’sch“ für meine Oma, wenn ich ihr mal wieder im Weg herum stand. Die Nase war eine „Nose“, der Hase ein „Hose“ und der Bahnhofssprecher in Altenburg plärrte ein „Oldenburch. Oldenburch“ in sein Mikro, wenn ein Zug eintraf.
In der Schule trieb man uns den Dialekt natürlich aus. Fast, denn irgendwie scheint man es ja immer noch zu hören. Mit der Schriftsprache hatte ich komicherweise nie ein Problem.

Im Altenburger Dialekt zu reden nennt man auch „malchern“. Es war quasi die Bauernsprache. Der Malcher ist der Bauer, abgeleitet von Melchior. Als Malcher und Marche (von Marie) werden auch die dunklen Bauerntrachten der Gegend bezeichnet. Im Volkskundemuseum in Wyhra kann man noch eine Bauerntracht bewundern. Ich habe kein besonders gutes Foto, denn die Trachten stehen in einer Vitrine im dunklen Flur. Was man aber sieht, ist der besondere Hosenträger des Bauern, der die Hose genau da straff zieht, dass man ganze Männlichkeit sehen kann. Die Marche hat einen Brustlatz. Das ist nicht einfach nur derber Stoff, das ist tatsächlich ein Brett. Der Bäuerin blieb nichts anders übrig als gerade und aufrecht zu laufen, wann immer die Festkleidung getragen wurde und egal, wie schwer die „Kleeche“ am Tage war.

Wenn meine Tochter wieder da ist und in ihre Unibibliothek schleicht, dann werde ich mich an ihre Fersen heften. Ich möchte ein bissel lesen über den Altenburger Dialekt. Es gibt auch einen Vertreter der Altenburger Mundart, den Ernst Daube. Von ihm stammt zum Beispiel das Buch „Spoß muß sei!“. Das ist auch noch erhältlich über ZVAB, aber der Preis ließ mich schlucken und beschließen, mal in den Bibliotheken danach zu suchen.
Vielleicht liegt es daran, dass man vor irgendwelchen eigenen Jubiläen besonders gerne in Erinnerungen kramt. Das ist mir jetzt halt passiert und mich packte auch eine große Sehnsucht mal wieder nach Hause zu fahren ins Altenburgsche. So sehr ich auch mein Leipzsch liebe,

Dorheeme is ähmd dorheeme.

 

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