Auf der Suche nach Gundermann.

Gundermann, auch Soldatenpetersilie genannt

Gundermann? Nein, nein, ich bin nicht auf der Suche nach einem neuen Freund.

Ich war heute verdammt zeitig unterwegs, weil ich zum Frisör musste. Schnipp Schnapp waren die Haare ab. Zeitig war ich auch wieder zu Hause. Eigentlich könnte ich doch mal wieder auf meine Kräuterwiese schauen, was es so Neues gibt, Ende April. Oh, es war gut, dass ich losgezogen bin. Die Stadt schlief noch. Außer dem Gesang der Vögel und dem Summen der Hummeln war fast nichts anderes zu hören. Die Luft war so herrlich klar und es duftete nach vielem, was da blühte. So riecht der Frühling.

Ich hatte mir vorgenommen, Gundermann  oder die Gundelrebe zu suchen. Auf meiner Wiese fand ich die Pflanze nicht. Das hatte ich mir schon gedacht. Gundermann liebt zwar schweren, feuchten Boden, aber den in den Lachen nun wohl doch nicht.
Der Löwenzahn blühte. Wie das roch! Habt ihr schon mal eine Löwenzahnblüte gegessen? Nein. Nur zu, denn die Blüten kann man ebenso essen wie die Blätter. Ich habe dabei immer das Gefühl, die Kraft des Frühlings aufzunehmen.

Gundermann fand ich dann doch noch reichlich an der Stelle, wo ich immer meine Schlehenblüten pflücke. Die Pflanze hat viel Vitamin C und deshalb nannte man sie auch früher Soldatenpetersilie. Wenn das Essen knapp wurde, war sie besonders begehrt. Mir tut es immer leid, wenn solche Schätze der Natur in Vergessenheit geraten. Die Pflanze hat aber noch andere Vorzüge. Gundermannöl kann man ganz einfach gewinnen und hat damit ein hervorragendes Mittel gegen schlecht heilende Wunden. Auch, wenn man keine Wunden zu heilen hat, kann man seiner Haut mit dem Öl der Pflanze Gutes tun. Zerreibt man die Blätter zwischen den Fingern, riecht man den kräftigen Geruch der Pflanze und spürt sogleich, wie die Haut seidenweich wird, da wo der Saft der Pflanze hingekommen ist.

Gundermann wandert heute Abend bei mir in einen Wildkräutersalat, zusammen mit Brennnesseln, Vogelmiere, Giersch und Gänseblümchen. Den Rest werde ich trocknen. Er wird ein feines Küchengewürz geben, auf Bratkartoffeln zum Beispiel. Als Tee ist er bei Husten, Lungenentzündung und Halsschmerzen sehr beliebt.

Der Name Gundelrebe kommt wieder aus dem Mittelhochdeutschen. Bei unseren Vorfahren war die Pflanze auch zu Zauberzwecken sehr beliebt. In der Walpurgisnacht wurden aus den langen Reben der Pflanze Kränze gewunden zur Abwehr von Hexen, ein Sträußchen im Hause sollte gegen Blitzschlag schützen und die Bauern molken ihre Milchkühe durch einen Kranz aus Gundermann. Das sollte immer einen reichen Ertrag bringen und die Kuh schützen.
Diesmal erkläre ich den Namen lieber nicht, denn es ist nicht gerade lecker und ich möchte doch noch mein Gundermannbrot zeigen, was ich mir gegönnt habe, als ich wieder zu Hause war. Nur ein Butterbrot mit grobgehacktem Gundermann drauf gab es. Und wisst ihr was? Es schmeckte wirklich hervorragend.

Und jetzt zeichne ich das Pflänzchen noch  für meine ganz spezielle Kräutersammlung und ehe es in den Salat kommt. Walpurgisnacht ist bald, aber auf einen Kranz aus Gundermann habe ich verzichtet. Ich esse ihn lieber auf. 😀

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