Stadtspaziergang auf dem Leipziger Brühl.

der Leipziger Brühl

Also, heiß ist es heute ordentlich. Ich möchte euch trotzdem zu einem kleinen Stadtspaziergang auf dem Leipziger Brühl einladen.
Im Herbst werde ich Freunde durch Leipzig führen, suche mir jetzt schon die Route aus und die Stellen, an denen ich etwas zu erzählen haben werde aus Leipzigs Geschichte.
Falls das Ordnungsamt und andere Ämter jetzt hier lesen: Nein, ich mache das nicht gewerblich und nein, ich bekomme dafür kein Geld.
(Ich würde aber so etwas durchaus machen und können, wenn man mich machen ließe.)

Wahrscheinlich werde ich die Freunde am Hauptbahnhof aufgabeln. Gemütlich laufen werde ich mit ihnen von dort

durch die Ritterpassage zum Leipziger Brühl.

Auf dem Weg zum Leipziger Brühl

Das Haus, auf das wir gerade zugehen, ist noch nicht alt. In Leipzigs Innenstadt gab es viele Baulücken, denn im 2. Weltkrieg war die Zerstörung groß. Manches blieb dann auch einfach so.

Imperii

Urbs Lipzi (Ort bei den Linden) an der Kreuzung zweier bedeutender Straßen

„Imperii“ steht an dem Haus. Das dortige Lokal heißt so und das nicht ohne Grund. Wo sich die Via Regia und die Via Imperii kreuzten, siedelten sich Handelstreibende, Kaufleute und Gewerke an. Urbs Libzi (Ort bei den Linden) entstand. Die Via Imperii führte am Hallischen Tor aus der Stadt.
Auf der Via Regia allerdings, dem heutigen Leipziger Brühl, wollen wir ein Stück entlang gehen.

der Leipziger Brühl

Brühl, aus dem Mittelhochdeutschen ‚brüel‘ abgeleitet, heißt nichts anderes als ‚feuchte Wiesen‘. ( vgl. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache, 25. durchgesehene und überarbeitete Auflage, S155)
Von einer feuchten, buschigen Wiese ist natürlich nichts mehr zu sehen.

 

Am Leipziger Brühl, der einstigen Weltstraße der Pelze, waren Rauchwarenhändler, Kürschner und vielen Geschäften des Pelzhandels zu Hause. Richard Wagner wurde im Gebäude des Gasthauses zum roten und weißen Löwen geboren. Und dann gibt es noch ein Haus, welches mir besonders gefällt und welches eine besondere Geschichte hat,
das Eckhaus zur Katharinenstraße,

das Romanushaus.

barocker Schmuck am Romanushaus

Das barocke Stadtpalais wurde in den Jahren 1701 bis 1704 erbaut. Seinen Namen bekam es durch Franz Conrad Romanus. Er war ab 1701 Bürgermeister der Stadt und begann zugleich mit dem Bau des Hauses. Solch ein Bau ist teuer, besonders, wenn man groß baut und einen besonderen Geschmack hat. Es tauchten plötzlich gefälschte Ratsschuldscheine auf und einige andere Betrügereien. Die schrieb man Romanus zu und er wurde auf der Festung Königstein inhaftiert. Nachgewiesen hat man das nie und ein Urteil wurde auch nie gesprochen. Eigentlich hatte Romanus gute Beziehungen zum Dresdener Hof. Der erst dreißigjährige Romanus wurde den Leipziger Ratsherren als Bürgermeister aufgedrängt. Vielleicht hat ihm das nicht nur Freunde eingebracht. Aus Dresden kam aber letztendlich keine Hilfe.
Gedenktafel für Christiana Mariana von Ziegler, Romanus Tochter

Fast unscheinbar ist sie , die am Eingang des Hause in den Boden eingelassene Gedenktafel für Christiana Mariana von Ziegler. Die Tochter von Romanus gründete in dem Haus einen der ersten musikalisch-literarischen Salons, der zur Begegnungsstätte für Bürger, Künstler und Gelehrte wurde. Einer der Stammgäste war Johann Sebastian Bach, der Balladen von ihr vertonte.

der Merkur an der Ecke

Noch etwas möchte ich euch zeigen. Der verschmitzt lächelnde Merkur an der Ecke kam viel später nach Leipzig. Jetzt steht da ein Abguss. Das Original, von Balthasar Permoser geschaffen, wurde der Stadt Schwerin zurückgegeben, in deren Schloßpark es gehört.

So, meine „Erzählerei“ vom Leipziger Brühl endet hier. Ich schreibe jetzt meinen Spickzettel für die private Stadtführung meiner Freunde weiter. Zeigen konnte ich nur eine Kleinigkeit, aber vielleicht hat sie dennoch einwenig Lust auf meine Stadt gemacht. Das würde mich sehr freuen.

 

 

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