Der verlorene Glanz der letzte Rose.

letzte Rose

Irgendwie war es wie ein Zeichen.
Aus dem Garten hatte ich mir die letzte Rose mitgenommen. Heute Morgen hatte sie ihre Blütenblätter und ihren Glanz verloren.

Ich habe nicht gut geschlafen, heute Nacht. (Jetzt gerade geht es meiner Tochter in LA so.) Ständig musste ich im Netz nachschauen, wie die Wahlen in den USA verliefen. Nein, ein gutes Gefühl hatte ich von Anfang an nicht. Rassismus und Großkonzern-Denken scheint jetzt allerdings überall aus dem Löchern gekrochen zu kommen, auch anderswo.

„Mach uns groß“, stand auf einem Plakat eines Trumpanhängers. Ach, mit Fingern müssen wir nicht auf andere zeigen. Bei uns, und auch in anderen europäischen Ländern, gibt es solche Erscheinungen auch zur Genüge, wie immer man das letztendlich in ein nationales Einwickelpapierchen verpackt. Und es gibt auch überall genug Mitläufer, die wahrscheinlich nie gelesen haben, was ihre Götzen im Programm stehen haben. Billige Parolen reichen aus. Das kennen wir ja.

Meine Tochter lebt schon viele Jahre in den USA. Aus unseren Gesprächen weiß ich, dass es viele, vor allem junge Amerikaner gibt, die unzufrieden damit sind, wie sich ihr Land entwickelt und wie es nach außen auftritt. Sie haben Sanders unterstützt und befürwortet, aber den zogen die Demokraten aus dem Rennen. Umgestaltung eines Landes ist schon schwierig, aber genau das wäre wahrscheinlich der richtige und wegweisende Ansatzpunkt für Diskussionen im Vorfeld der Wahl gewesen. Wie der Wahlkampf am Ende verlief, empfand ich nur noch widerlich. Und so ahnte ich schon, dass die ungeliebte Hillary es nicht reißen kann.

Und nun?

Meine erste Reaktion war Ärger und Wut. Nein, da würde ich nicht hinfahren, nie und nimmer!
Dann aber habe ich mir überlegt, dass es vielleicht besser ist, wenn man erzählen kann von seiner Heimat, von den Menschen hier. Und die Freunde meiner Tochter haben bestimmt auch viel zu sagen. Die engagieren sich nämlich sehr und tun Dinge, für die ich sie bewundere. Das möchte ich ihnen sagen.

Wenn man sich kennt, lässt man sich schwerer gegen einander aufhetzten. Ich werde also weiter englisch lernen.

Der Fernseher bleibt allerdings heute bei mir aus, denn das Triumpf-Gesicht mag ich heute nicht sehen. Die letzte Rose aber finde ich nun nicht mehr so schlimm. Im Laufe der Zeit betrachtet, ist das nichts Endgültiges. Also dann.

letzte Rose

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