Es gibt keine Prinzen mehr.

Flachs in der Scheune

Dass ich gerne ins Volkskundemuseum  Wyhra fahre, weiß wahrscheinlich nun schon jeder.
Es ist aber nicht nur der wunderschöne Hof, in dem das Museum untergebracht ist, was mich so fasziniert. Es sind auch die Menschen, Museumsmitarbeiter und -besucher, die mich richtig aufleben lassen durch ihre Freundlichkeit und Offenheit anderen Menschen gegenüber. Naja, und das es keine Prinzen mehr gibt, war die Erkenntnis des Tages, gestern zur Hofweihnacht.
Aber der Reihe nach.

Ich war zu zeitig da. Weil ich wusste, dass es es hundekalt wird in meiner Scheune, habe ich mich noch einige Minuten im Haupthaus aufgehalten.
Plötzlich kam eine Frau durch die Türe und rief: „Ist hier eine Gudrun E.?“ Etwas kleinlaut rief ich: „Ja, hier.“ Ich erwischte mich dabei, dass ich ganz artig meinen Finger hob.
Es stellte sich heraus, dass es im Ort Wyhra auch eine Gudrun E. gab. Und die ist auch immer zu Feierlichkeiten im Museum tätig. Da haben wir beiden Namensvettern jahrelang nebeneinander gearbeitet und haben nichts gewusst von einander. Zufälle gibt es! Mir war die andere Gudrun E. sympathisch.

Andere kenne ich schon, wie die Leiterin des Seniorentreffs in Neukieritzsch, oder den Hausmeister mit dem schwerstbehinderten Kind im Rollstuhl. Der Junge war diesmal nicht mit,  war bei der Oma. Schade. Ich weiß, wie gerne er Wolle anfasst.

Am schönsten sind aber die Märchen und Geschichten mit den Kindern in der Scheune. Diesmal drehte sich viel um die Frau Holle. Na klar, ich hatte doch extra mein großes Kissen im altertümlichen Bezug mit. Wir haben auch fleißig geschüttelt. Nur ein Junge weigerte sich eisern.
„Da bekommst du aber Pech“, riefen die anderen Kinder aufgeregt.

Ganz oft musste ich gestern das Spinnrad auseinander nehmen, um zu zeigen, dass man sich an nichts mehr in den Finger stechen kann.
„Wenn wir uns stechen, müssen wir 100 Jahre schlafen“, erklärte ein kleines Mädchen. „Du auch!“, fügte sie auf mich zeigend hinzu.
„Ach, ich glaube da müssen wir uns keine Sorgen machen. Da ist ja schon ein Prinz“, sagte ich und wies auf einen jungen Mann, der auf seinem Handy daddelte. Der ältere Bruder eines kleinen Besuchers, wehrte heftig ab: „Nee, nee, ich schlafe auch!“
Das rief großes Lachen hervor in der Scheune. Die Muttis und Vatis waren sich mit mir einig: Es gibt keine Prinzen mehr.

Hach, schön war es. Das nächste mal muss ich mit Spinnrad im Bollerwagen los. Ich werde das gerne in Kauf nehmen und wenn ich mit dem Wagen in der S-Bahn mitgenommen werde, dann bin ich wieder da. Auch, wenn es mal wieder kalt wird in der Märchenscheune.

Märchenscheune: Es gibt keine Prinzen mehr.

 

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