Nebulös. Und doch gibt es auch Hoffnung und Dankbarkeit.

im Nebel versunken

Es war ein Weilchen still hier. Nach Bloggen war mir einfach nicht. Nebulös war vor meinem Fenster der Ausblick. Aber auch so lag einiges im Ungewissen.

So ganz langsam werden die Bäume kahl. Noch eine kurze gelbe Phase und dann war es das mit dem farbigen Laub. Das Jahr geht zu Ende und alles bereitet sich auf eine Zeit der Ruhe vor. Diesmal habe ich gar kein Problem mit der sich herbstlich verändernden Natur und dem kürzer werden der Tage. Vielleicht war ich zu sehr mit mir beschäftigt, vielleicht ist es aber auch so, dass mich wieder Ruhe überkommt.

Nebliges

Wenn ich als junge Gudrun in meinem Heimatort an der „Friedensbank“ vorbei kam, auf der die älteren Damen und Herren saßen und sich über ihre Krankheiten sehr ausführlich unterhielten, dann verdrehte ich jedesmal die Augen. Meine Güte, hatten die keine anderen Themen?
Ich mochte solche Gespräche nie, gehe ihnen immer nach Möglichkeit aus dem Weg.

Nein, nein, ich bin nicht gefühlskrank. Freunden stehe ich bei, wenn es ihnen nicht gut geht, eigentlich vielen, auch Unbekannten. Manchmal ist es aber so, dass die Krankheit dazu benutzt wird, endlich mal in dem Mittelpunkt zu stehen, in dem man sich gerne sehen möchte. Wenn man manche Frauen z.B. so reden hört über die Geburt ihrer Kinder, dann hatte es eine schwerer als die andere und man denkt sich nur: Um Gottes Willen, bloß kein Kind bekommen.
Das meine ich und dem gehe ich aus dem Weg und genauso all denen, denen ich egal bin. Das bringt Zeit.

Diesmal schreibe ich aber doch über Krankheit. Aus Dankbarkeit.

Seit drei Wochen bekomme ich ein neues Medikament, eines, was mir wieder Hoffnung gibt.
Wisst ihr, wenn man immer, ja immer, Schmerzen hat, wenn man dadurch nicht mobil ist, wenn man sich z.T. nicht selbst versorgen kann, dann ist das zermürbend und geht an die Substanz. Auch nachts findet man keine Ruhe, denn im warmen Bette dreht alles so richtig auf.

Ich gebe zu, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, die ganze Sache zu beenden, nur, dass Ruhe wird. Ach ja, ich hatte auch Opiate verschrieben bekommen. Die wollte ich nicht. Wenn ich mal 90 Jahre alt bin und so langsam abschließe mit meinem Aufenthalt hier unten, dann ist es mir egal, wenn ich schlafe oder dahindämmere. Jetzt will ich das nicht.

Ich hatte Angst vor dem neuen Medikament, weniger davor, dass ich es spritzen muss, sondern eher, weil es in die Biologie meines Körpers eingreift. Meine Krankheit kann es nicht heilen, aber aufhalten. Allerdings gibt es aber eben auch diese Schattenseite. Vieles wurde im Vorfeld untersucht, aber hineinsehen kann keiner in mich. Wenn irgendwo in mir eine Krebszelle schlummert, dann wird die jetzt in die Hände klatschen, den mein Immunsystem kann seinen Dienst nicht wahrnehmen.
Ich gehe das Risiko ein.

Mein Rheumatologe meinte, dass der, der maßgeblich an der Entwicklung des Medikamentes beteiligt war, den Nobelpreis für Medizin bekommen hat. Das ist noch nicht lange her, war um die Jahrtausendwende. Und ich darf jetzt davon profitieren. Keiner hat gesagt: Du bist zu alt, zu teuer, es nicht wert. Und genau das ist es, was mir Hoffnung macht.
Ein Weilchen dauert es, bis das Medikament seine volle Wirkung erzielt. aber wenn ich das nächste Mal zu meinen Rheumatologen muss, werde ich ihn mal drücken. Das wird er aushalten müssen. 😀

Und nun beende ich das Gerede über Krankheiten wieder. Es gibt auch für mich noch weitaus interessantere Themen. Nebulös war gestern.

nicht mehr nebulös - mein Medikament