Wolle rettet mir den Arsch, mal wieder.

Wolle rettet mir den Arsch

Wolle rettet mir den Arsch. Das klingt hart, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist gut. Mir hat es die Erfahrung gezeigt.

Ich kämpfe gerade sehr, mit mir, mit meiner Umwelt, mit den Vorstellungen von einer Gesellschaft, wie ich sie mir wünsche. Nein, so wie es jetzt ist, wollte und will ich das nicht haben. Und mit mir selber kämpfe ich, weil das neue Medikament seine Zeit braucht, damit es die volle Wirksamkeit aufbauen kann. Ich schwanke ständig zwischen Hoffnung und einfach aufgeben. Nie hätte ich mal gedacht, dass es ein großes Problem für mich ist, die Treppe zu wischen. Über jeden, der mir Mut macht, freue ich mich. Den brauche ich nämlich wirklich.

Nun gut, alles kein Weltuntergang. In nicht so guten Momenten weiß ich ja schon: Wolle rettet mir den Arsch. Das hat sie bisher immer getan.

Hüttenschuhe stricken

Am Anfang steht das Kardieren

schmutzige Wolle kardieren

Ich hatte noch braune Wolle. Sie war unglaublich dreckig und auch verschnitten. Gewaschen und grob aussortiert hatte ich sie schon im Sommer. Ich bin kein Freund von zu schnell Wegwerfen. Und so habe ich die Wolle dreimal durch die Kardiermaschine laufen lassen und so doch noch ein akzeptables Vlies hinbekommen. Für Spinnanfänger wäre es nichts, denn die Fasern sind wirklich recht kurz.

Spinnen im kurzen Auszug
kurze Fasern im kurzen Auszug spinnen

So kurze Fasern kann man nur im kurzen Auszug spinnen. Zu schnell „rutschen“ sie einem weg.
Beim Spinnen musste ich öfter an meine Mutter denken. Reichtum stand bei ihr nie an der Tür, aber sie hat versucht, jeder Situation etwas abzugewinnen. Irgendwas wurde immer, denn meine Mutter hatte Ausdauer, und Geschick. Eines aber hat sie nie verlassen, das Lachen.

Garn wickeln mit dem Wickeldorn

Garn wickeln mit dem Wickeldorn

Mittlerweile gibt es für alles elektrische Geräte, auch zum Wolle wickeln. Mir leistet der gute, alte Wickeldorn hervorragende Dienste. Beim Wickeln kann man wunderbar vor sich hin träumen. Und wenn es mal keinen Strom geben sollte, dann sind meine Knäuele die Schönsten. 🙂 Auf alle Fälle spare ich Strom mit all meiner Handarbeit und meine Hände bleiben beweglich.

Knäuele, gewickelt mit dem Wickeldorn

Hüttenschuhe stricken

Darüber schreiben möchte ich nicht, aber ab Januar werde ich nichts mehr zu verkaufen haben, keine Waren, keine Dienstleistungen. Manchmal wird man dahin gedrängt, dass es so ist. Die Hande in den Schoß werde ich nicht legen. Ich doch nicht. Ich werde „Verschenker“. Zeit und Wissen und Dinge werde ich verschenlken an Menschen, wo ich das Gefühl habe, sie können es gebrauchen und achten es auch.

Hier entsteht gerade das erste Paar Hüttenschuhe. Drei sollen es werden. Die Sohlen, gefüttert mit Schurwolle, habe ich schon bestellt.
Ein Paar erhält meinen Freundin, der so oft die Füße weh tun. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wohltuend Schafwolle da sein kann, welch angenehme Wärme einen umfängt und tröstet. Meine Freundin ist es wert.Hüttenschuhe für einen Freundin

Wenn mir jemand hilft, kann ich das nicht mit Geld bezahlen. Aber Gutes tun kann ich. Zumindest kann ich es versuchen.
In Hüttenschuhen kann man ganz wunderbar kleine Gaben unterbringen. Und so wandern drei Weihnachtsgeschenke schon mal in meinen „Speicher“.

Und ich selber? Ich fühle mich gut, denn Wolle rettet mir den Arsch. Mal wieder!
Ich schreibe jetzt eine Mail. Gelesen habe ich, dass es in meinem Stadtbezirk Kinder gibt, die am Ende der vierten Klasse nicht richtig lesen können. Da möchte ich mich gerne engagieren, denn jeder soll seine Chancen auf Bildung bekommen und auch nutzen können, wirklich jeder, egal in welchem Elternhaus er geboren wurde und in welchem Stadtbezirk er oder sie zur Schule geht. Mit der hausgemachten Bildungssituation habe ich kein Erbarmen, mit den Kindern schon. Sie sind es wert.