Hofweihnacht in der Bauernküche.

Hofweihnacht in der Bauernküche

Gestern war ich wieder zur Hofweihnacht in der Bauernküche im Volkskundemuseum in Wyhra. Mir geht es gerade nicht so gut, aber mit einer Ladung Medikamenten im Bauch konnte ich das Rheuma besänftigen. Ich hatte das Gefühl, dass es das letzte Mal ist, dass ich dort bin, also hab ich auch Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass ich dabei sein konnte.

Das Vierseitengehöft war wieder richtig schön weihnachtlich geschmückt. Die Mitarbeiter geben sich da immer viel Mühe.Diesmal durfte ich mich mit meinem Spinnrad und meiner Wolle in die Bauernküche verziehen. Schade, dass der Ofen aus blieb. Zum Abend hin wurde es dann doch ganz schön kalt, auch weil die Türen ja offen standen. Aber wohlgefühlt habe ich mich zwischen Gärtöpfen und Krauthobeln, Mehlkisten und Brotschiebern, Butterfässern und Kaffeeröster. Meine Freundin hat Fotos gemacht, aber das kann dauern, bis ich die bekomme. Ich werde sie nachreichen.

Es war viel los, im Hof, in der Scheune, im Haus. Gesungen und musiziert wurde, gegessen, gelacht. Vom Trubel außerhalb meines Bereiches bekomme ich immer wenig mit.
In der Küche haben wir einen großen Holztisch in die Mitte gerückt. An dem saßen die Kinder und filzten mit mir. Und die Eltern? Die filzten oft mit. Zeit für Geschichten war auch, für die vom alten Knacker in der Spinnstube zum Beispiel oder von der Hexe, die die Butter verdarb..

Dann fiel mir ein älterer Herr auf, der schon längere Zeit in der Küche stand. Er schaute mir beim Spinnen zu und lächelte still vor sich hin. „Wissen Sie“, sagte er schließlich zu mir, „Sie haben mich jetzt an Weihnachten in meiner Kindheit erinnert. Und an meine Großmutter. Die hat auch gesponnen.“ Solche Momente finde ich besonders schön. Dann weiß ich, dass es richtig ist, alle Mühe aufzuwenden.

Ein kleiner Junge setzte sich zu mir. David, drei Jahre alt. Seine Eltern wollten sich die oberen Etagen des Museums ansehen, aber David wollte lieber in der Küche bleiben. Der Kleine mit dem offenem Lächeln begeisterte alle, die in die Küche kamen. Er saß, sah beim Spinnen und Filzen zu, und lächelte. Es war schön, so viele freundliche Gesichter um mich herum zu haben. Ich habe ihm meinen gefilzten Schneemann geschenkt.

Als ich dann noch mit einem Mann ins Gespräch kam, der Schafwolle abzugeben hat, war mein Glück an dem Tag fast perfekt.

Im Moment ist hier einiges im Umbruch. An den Ausgaben für Kultur, sozialen Projekten und Jugendarbeit wird arg gespart. Ich finde das fatal. Was aber auch immer passieren wird, ich werde meine Ideen  nicht aufgeben. Was hab ich doch gestern zur Hofweihnacht in der Bauernküche verkündet? Ich kann auch ohne Spinnrad spinnen. Na, dann!

in der Bauernküche