Nebenher-Gedanken. Nicht alles können die Jungen und Schönen.

Stricken und Nebenhergedanken: die Jungen und Schönen können nicht alles und nicht alles alleine

Ach, wie hat mich der Jugendwahn der Neuzeit immer aufgeregt, aber was soll’s.
Mich ärgert es, wenn Junge und Alte nicht mehr zusammenkommen, die Alten auf die Jungen schimpfen und auf ihre Art, sich mit ihrer Gesellschaft auseinander zu setzen und die Jungen oft nur ein müdes Lächeln haben, wenn man als Älterer etwas zu sagen hat, sich einbringen will. Wie oft habe ich mich vor solchen Überheblichkeiten schon zurückgezogen. Wir sollten dringend nach Gemeinsamkeiten suchen und die auch nutzen, denn die Jungen und Schönen können nicht alles und nicht alles alleine.

Wer soll uns denn sonst dicke Socken aus Schafwolle stricken?

„Wenn es mal ganz dicke kommt, dann gehen wir nach … Du wirst mitkommen müssen. Wer soll uns denn sonst dicke Socken aus Schafwolle stricken?“ Das sagte mir mein Sohn neulich. Oha, es stehen also nicht immer die Jungen und Schönen im Fokus. Einbezogen werden müssen auch die Generationen davor: Und das klappt auch, wenn die alte Kuh eben nicht vergisst, dass sie auch ein Kalb gewesen ist. (in Anlehnung an ein ähnlich lautendes Sprichwort)

Nahrungsmittel konservieren, Brot backen, Milch verarbeiten, Heilkräuter nutzen – das alles ist gut und nützlich, wenn man es eben kann.
Das sind nur so einige Nebenher-Gedanken, die mich gerade umtreiben.

Tagelang habe ich jetzt Strickmuster ausprobiert. Ich war auf der Suche nach Mustern, die das „Ungleichmäßige“ beim Handspinnen kompensieren oder eben genau das hervorheben als das Besondere. Nicht jedes Muster ist für meine Wolle geeignet und auch nicht jedes gefällt mir. All zu füllige Muster mag ich nicht und Muster, bei denen ich mich tot zählen muss, tue ich mir nicht an.
Jetzt habe ich meine persönliche Mustersammlung fertig.

Das Ding mit Effektgarnen

Immer nur „geradeaus spinnen“ ist manchmal langweilig.
Seit Monaten wollte ich mir ein Buch kaufen über das Spinnen von Effektgarnen. Nie hatte ich Geld dafür übrig. Nun las ich, dass die Autorin sich das alles selber beigebracht hat durch Probieren von Techniken und Verwendung verschiedener Materialien. Fein, also los, Gudrun, hau den Riemen auf das Spinnrad! Ich möchte mich nicht aufhalten lassen, weil wiedermal ein Steinchen auf dem Weg liegt. Knappe Kasse ist nicht schön und das eine, die Suche nach Möglichkeiten das andere.

Manche Garn-„Effekte“, die durch’s Netz geistern, gefallen mir gar nicht. Oft ist es so, dass in den Anleitungen jeder noch einen drauf setzt und es kommen Garne heraus, bei denen ich nicht weiß, was man damit machen soll. “ Es tun, weil es einfach schön aussieht.“, las ich. Nein, das reicht mir nicht. Alles muss bei mir einen Nutzen haben.

Für meine Wollprojekte habe ich gestern den ganzen Nachmittag Wolle kardiert. Das dauert bei mir jetzt immer ein bisschen länger, denn ich bin nicht gut zu Fuß. Macht nichts, dann dauert es eben. Und manchmal musste ich lachen, wenn ich mir vorstellte, wie ich gerade um den Tisch schleiche ähnlich der Katze um den heißen Brei. Immer mehr zeichnet es sich ab, dass mein Laufen nicht wieder besser wird. Ich werde mich einstellen müssen.
Um so mehr freue ich mich über mein Spinnstübchen. Das beschäftigt, tröstet, lässt Nützliches und Gutes entstehen. Gut ist das für die „Denke“. Ihr geht es damit prima.

Wenn ich doch mal auswandern muss, was ich nicht hoffe und nicht will, dann kann ich immer noch nützlich sein, das Feuer hüten und warme Klamotten stricken. Jagen und den Ackern umgraben können die Jungen und die Schönen. 😀

 

Stricken und Nebenhergedanken: die Jungen und Schönen können nicht alles und nicht alles alleine
Muster/Probe mit gehäkelter Strippe, die aufgenäht werden soll. (Der Rand bleibt nicht so und das Glattgestrickte soll ein Einsatz am V-Ausschnitt werden)