Käffchen, Spinnstube und Freude zwischen Buchdeckeln.

Käffchen, Spinnstube und Freude zwischen Buchdeckeln.

Na klar! Spinnstube, schon wieder. Aber fangen wir mal mal mit dem Buchdeckeln an.

Das Geschenk

Heute Morgen klingelte der Postbote bei mir und brachte ein Päckchen. Bloß gut, dass ich schon ordentlich angezogen war, denn an manchen Tagen mache ich zwar alles Mögliche, drücke mich aber ewig um Korrektheit der Klamotten herum.

Jemand hat mir ein Buch geschenkt, ein Spinnbuch, das Spinnbuch, welches ich mir schon lange wünsche. Das Buch von Sarah Anderson gab es immer nur in Englisch. Jetzt gibt es auch eine deutsche Übersetzung. Der Titel „Effektgarne spinnen“ trifft nicht ganz den Inhalt, denn es gibt viele Tipps über das Spinnen und die Herstellung verschiedener Garne. Vom Wissen, Können und der Erfahrung einer erfahrenen Spinnerin profitieren zu können, ist ein wahrer Schatz.

Liebe unbekannte Spenderin oder lieber unbekannter Spender,
ich kenne leider deinen Namen nicht und so bleibt mir nur, mich auf diesem Wege ganz herzlich zu bedanken. Mit dem Schmökern habe ich natürlich sofort begonnen. Meine Jackenwolle werde ich nun noch mal anders gestalten. Ich weiß, dass ich viel Freude an dem Buch haben werde und bin dir sehr dankbar für das Geschenk, weil es wieder einen Innovationsschub geben wird. Das weiß ich.
Danke für die Hilfe.

Spinnstube – Eine Stube für alle Spinner, auch die ohne Wolle

Der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. hatte 2017 ein vom Land Sachsen-Anhalt gefördertes Projekt gestartet. „Spinnstuben als neues Veranstaltungsformat“ hieß es. Nicht nur für WollspinnerInnen sollten diese Veranstaltungen offen sein, sondern für alle. Und tatsächlich bietet sich das für alle an: Alte und Junge, Kinder, Behinderte, Migranten …

Vier Veranstaltungen hatte man geplant, um zu probieren, wie solche Orte der Gemeinsamkeit angenommen werden. Folklore spielte eine Rolle, Mundarten, das gemeinsame Singen und darüber hinaus auch das gemeinsame Schaffen. Es ging weder um das reine Vorführen noch um die Trennung zwischen Akteuren und Zuschauern. Das alles kann nachgelesen werden in einer Broschüre des Landesheimatbundes, die auch im Netz veröffentlicht ist. Ich fand das recht interessant, konnte mir doch hiervon einiges für mich mitnehmen an Wissen.

Gleichwohl knüpfte das Projekt daran an, dass die traditionellen Spinnstuben früher sowohl Orte des gemeinsamen Arbeitens waren, als auch der Geselligkeit, dem Singen und Erzählen dienten. Mit der Industrialisierung verschwanden sie. Zeiten kann man nicht zurückdrehen. Warum auch? Aber, Orte der Gemeinschaftlichkeit kann man schon hegen und pflegen und durchaus kann Traditionelles die Moderne treffen.

Der Traum von einem solchen Ort

Von einem solchen Ort habe ich immer geträumt. Nun kann ich keinen Heimatverein gründen und um Projektförderung nachfragen. Das ist mir etwas zu groß. Ich habe darüber hinaus auch keine Räumlichkeiten. Anmieten kann ich keine, aber da, wo ich schon öfter eingeladen war, da kann ich es genauso handhaben wie die in der Studie:, nämlich alle Anwesenden einbeziehen. Ich möchte keinesfalls einfach stur am Spinnrad sitzen oder gar eigentümlich überheblich daher kommen, weil ich etwas kann und andere nicht. Das ist mir auf Mittelaltermärkten schon öfter aufgefallen und auch einmal auf der Haus-Garten-Freizeit-Messe.

Um Geld geht es mir schon lange nicht mehr. Nur die Auslagen müssen gedeckt bleiben und ich muss halt sehen, dass ich schon vorhandene Lokalitäten nutzen kann.
Ich habe Wolle geschenkt bekommen. Daher kann ich es mir leisten, wieder einen Wollwaschtag mit Kindern zu veranstalten. Ich weiß noch, wie begeistert die Kinder waren, als die schmutzige Wolle nur im Wasserbad weiß wurde und das vermeintliche Schmutzwasser den Pflanzen im Bauerngarten gut tat.

Was das Jahr noch bringt, weiß ich nicht. Eines aber weiß ich schon jetzt, dass ich zum Grünauer Kultursommer mit den Handspindeln losziehen werde, einem großen Korb Wolle, den Karden und einem Wollkamm für Mischwolle. Nichts vom kostbaren Rohstoff Wolle sollte mehr weggeworfen werden. Aus allem kann etwas entstehen, auch aus „gröberer“ Wolle. Und ganz nebenbei kann man beim Werkeln noch erfahren „wos sich de Leite su erzohl’n“.
Am Problem von A nach B zu kommen arbeite ich noch. Mutlos bin ich nicht.

Käffchen?

So, genug geschwatzt. Ich muss noch Ranzen packen, denn morgen mache ich mit meiner Freundin den Schnittmusterbogen für meine Jacke. Mal sehen, ob ich Fotos machen kann.
Aber jetzt gibt es erstmal noch ein Käffchen. Ich bin eine ganz schreckliche Kaffeetante. 🙂

Käffchen muss sein