Vielleicht wird es ein kleines Mohnfeld. Die Saat geht auf.

Mohnsaat für mein persönliches Mohnfeld

Schon als Kind liebte ich Mohnblumen über alles. Ich freute mich immer sehr, wenn am Feldrand die leuchtend roten Blüten ihre Pracht entfalteten. Wie ein Mohnfeld sah das manchmal aus.
In ganz jungen Jahren wollte ich meiner Mutter immer welche mit nach Hause nehmen und pflückte einige Mohnblumen ab. Zu Hause angekommen hatten sie ihre schönen roten Blütenblätter verloren und ich stand mit Stängeln in der Hand da. Ich ließ sie fortan da, wo sie waren, trieb mich aber immer gern in der Nähe der Felder herum.

„Weil es die Ähre verschmäht, sich mit Farbe zu zieren, hat die Natur ihr den Mohn dicht an die Seite gestellt.“ (Friedrich Hebbel – 1813 – 1863)
Zu meiner Kindheit war das noch so. Jetzt sind die Getreidefelder frei von allem, was nicht Getreide ist. Schade finde ich das, vor allem, weil das meiste Getreide nicht zur Brotherstellung genutzt wird, sondern als Futtermittel. Die „Tierindustrie“ braucht viel davon, viel zu viel.

Ich werde kein Veganer werden, aber den Fleischkonsum habe ich drastisch eingeschränkt. Ich esse so, wie ich es auch aus meiner Kindheit kenne. Da gab es nicht jeden Tag Fleisch oder Wurst und das hatte mit Mangelwirtschaft oder Armut nichts zu tun. Ich kann mich noch gut erinnern, was das für ein Genuss war, wenn es frisches Brot mit Butter gab. Ein Traum und den gönne ich mir jetzt auch öfter mal.
Heute gibt es übrigens bei mir Couscous-Salat. Ich freue mich darauf und dass es kein Hüftbonbon ist, macht die Sache noch besser. Der Salat zieht schon in der Küche.

drei Schutzengel in der WeihnachtspostIm Dezember hatte ich ein Paket aus Mügeln im Landkreis bekommen. Die Weihnachtsengel, die u.a. darin waren begleiteten mich bis weit in den Februar hinein. Dann beschäftigte mich die Frage, ob denn in den Kapseln noch Samen zu finden war und vor allem, ob er noch keimfähig ist.
Ich finde es übrigens richtig Klasse, dass ich meine Neugierde wieder entdeckt habe.

In den Kapseln, die den Weihnachtsengeln als Köpfe dienten, befanden sich winzigkleine schwarze Samenkörnchen. Die holte ich heraus und legte sie auf Anzuchterde. Obenauf kam noch etwas lockere Erde und nachdem für das Kästchen ein feiner Platz auf dem Fensterbrett gefunden war, hieß es warten, Erde ab und an befeuchten, weiter warten.

Jeden Tag schlich ich erwartungsvoll an der Pflanzschale vorbei. Nach einigen blinden Alarmen spitzten plötzlich die ersten Mohnpflanzen und ich freute mich wie ein kleiner König. Heute dürfen sie, fein geschützt, am Tage mal in die Sonne hinaus. Wer weiß, vielleicht bekomme ich doch noch mein ganz privates Mohnfeld, denn einige Pflanzen bleiben bei mir auf dem Balkon, die anderen werde ich verschenken oder in den Garten geben.

Mohnsaat für mein persönliches Mohnfeld

Es war einmal, ich weiß nicht wo.
Ein Traum vielleicht. Lang ist es her.
Ich seh nur noch, und immer so,
Das stille, rote Blumenmeer.

aus „Das Mohnfeld von Gustav Falke (1853-1916)