Schurwolle von den Deichkiekern aus dem Norden und meine Schafgeschichten.

feinste Schurwolle von den Milchschafen aus dem Norden

Im Geburtstagspäckchen von meiner Tochter war auch Schurwolle, schöne weiche Wolle von den „Deichkiekern“. Natürlich musste ich sofort die Nase hineinstecken. Ich glaube, ich habe Wolle von Milchschafen bekommen. Der Geruch der Schafe – für mich ist das etwas ganz Besonderes. Bei meinem jetzigen Projekt ist es auch noch sehr inspirierend.

Ich schreibe gerade an meine Schafgeschichten, meinen Erlebnissen mit den Schafen und den Hütehunden und wie ich vor Jahren dazu gekommen war. Dass ich das aufschreiben werde war mir schon lange klar. Es ging aber nie so richtig. Vielleicht musste ich erst den gehörigen Abstand bekommen zu der Situation damals. Das alles zu verarbeiten, fiel mir nicht leicht.

Als ich meinen Job verlor, meinen Traumberuf, lag das nicht daran, dass ich betrunken zur Arbeit kam oder in die Ladenkasse gegriffen hatte. Nein, es lag daran, dass man den Beruf nicht mehr brauchte. Es gab nicht mal einen Vergleichbaren in der neuen Republik. Und da war ich plötzlich gleichgestellt mit Ungelernten, mit Leuten, die sich nie um Bildung oder eine Ausbildung bemüht hatten und mit welchen – das zeigten sich in manchen Gesprächen – die auch gar keine Lust zum Arbeiten hatten.

Ach, weiter will ich das hier gar nicht ausführen. Es ist vorbei. Fakt, ist, dass ich dringend einen Gegenpol brauchte zu dem, was mich belastete. Und den fand ich ausgerechnet auf einer Schafweide.
Und nun schreibe ich das auf. Eigentlich war ich damals ausgegangen um nicht wieder zu kommen und dann erlebte ich die zwei schönsten Sommer meines Lebens. Der Geruch der Schurwolle weckt so viele Erinnerungen.

Es ist gut, dass ich mit der Schreiberei zu Potte komme. Ich will einerseits anderen Mut machen, sich schon „Aufgaben“  oder ein Beschäftigungsfeld zurecht zu legen, wenn es ihnen gut geht. Ach nein, es muss ja nicht jeder Schafliebhaber werden, so wie ich damals. Und zum Zweiten: Zum Grünauer Kultursommer darf ich eine Veranstaltung machen, die ich jetzt schon vorbereite, denn sie soll gut werden. Ich werde zeigen, wie vom Schaf ein Faden kommt (da darf auch jeder mitmachen, der will), werde lesen aus meinen Geschichten und werde mich mit „Heimat“ beschäftigen, auch ein bisschen mit meiner eigentlichen. Ich bin kein geborener Sachse oder Leipziger. Es interessiert mich sehr, wie man vor vielen Jahren gelebt und gearbeitet hat. Alte Handarbeitstechniken möchte ich gerne zeigen und erhalten.

Nach einen Rezept aus meiner Heimat werde ich einen Kuchen backen und zur Veranstaltung mitbringen, Huckelkuchen oder auch Buckelkuchen. Wenn jemand heiratete, dann gab es einen Brauch. Dem Bräutigam brachte man einen Buckelkuchen zur Hochzeitsnacht an das Ehebett. Die Umstehenden zerschlugen ihn. „So viel Stückgen, so viel Püpgen“ (das „g“ wird so ähnlich wie „sch“ gesprochen, eigentlich eher „jch“), hieß es dann und die Prophezeíung über den Kindersegen des Paares war perfekt. Ich werde davon erzählen und den Spruch ein bisschen abwandeln. „So viel Stückgen, so viel Glückgen oder Schlückgen.“ Oder so ähnlich. Vielleicht nehme ich ja Schafsmilch mit. Die Feinplanung über zwei Sunden Zeit ist noch in Arbeit.

Auf diese Veranstaltung freue ich mich jetzt schon sehr. Und genauso freue ich mich über meine neue Schurwolle und dass es mit meinen Schafgeschichten so gut vorwärts geht.

Schurwolle von den Milchschafen
Schurwolle aus dem Norden