In der Wollkämmerei oder besser: Gudrun im Glück.

Wollkämmerei

Heute schreibe ich aus der Wollkämmerei.
Meine Wollkämme sind eingetroffen. Der DHL-Mann war noch nicht richtig unten zur Haustüre hinaus, da habe ich oben schon zur Probe gekämmt

In meiner Wollkämmerei

Die Wollkämme hatte ich bei „Wollschaf“ bestellt. Meine Färbepflanzen habe ich auch daher, bin mit dem Shop sehr zufrieden und kann ihn guten Gewissens weiter empfehlen. Ich werde mir auch mein neues Spinnrad dort bestellen, wenn ich denn je das Geld dafür zusammen bekomme.

Ganz oft höre ich, dass man so etwas wie Wolle kämmen und mit der Hand verspinnen nicht machen möchte, weil es zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Ach wisst ihr, ich bin ein Mensch, der sich immer beschäftigen muss. Ich werde unruhig und manchmal auch ungehalten, wenn ich nur herumsitzen muss. Über alles, womit ich mich dann beschäftigen und damit auch sehr beruhigen kann, bin ich dankbar. Besucht mich jemand, dann habe ich meist irgendetwas zu wuseln, höre aber zu und bin dennoch ein guter Gastgeber.
Also Zeit habe ich genug, noch dazu, wo ich gerade in der Mobilität etwas eingeschränkt bin.

Meine Tochter hatte mir zum Geburtstag Wolle mitgeschickt, die sie von einer Kollegin bekommen hatte. Die hat ganz oben im Norden einen Bauernhof. Diese Wolle, die erstmal reisen musste, verarbeite ich nun zu Kammgarn.

Kamm und Karden

Bei der Kämmerei bleiben kurze Fasern im Kamm übrig am Ende. Die werfe ich aber nicht weg. Der Rohstoff Wolle ist zu kostbar. Ich kardiere die kurzen Fasern und verspinne auch sie. Mit zunehmender Erfahrung kann man auch solch kurze Fasern spinnen.

Wieder habe ich ein Gerät mehr für meine Veranstaltungen „Wie vom Schaf ein Faden kommt“. Nun fehlt mir nur noch eine alte Handschere für die Schafschur, denn mit sowas fängt alles an. Gestern habe ich gehört, dass ich höchstwahrscheinlich in drei Seniorentreffs meine Veranstaltung machen kann. Das war eine echt gute Nachricht. Wenn sich jeder, der möchte, ein bisschen Wolle kämmt oder kardiert, können wir auch noch einen feinen Faden miteinander spinnen.

Ich ärgere mich etwas, dass ich mein Spinnrad nicht zusammenklappen kann. Das zu transportieren auf dem Gestell des Hackenporsches wird zunehmend ein Problem. Etwas ist immer im Weg, entweder meine Krücken oder das Spinnrad. Ich habe immer noch Hoffnung, dass es mit dem Laufen wieder etwas besser wird. Und deshalb trainiere ich eisern, auch wenn es verdammt weh tut. Danach kann ich mich ja wieder ausruhen und zum Beispiel Wolle kämmen. Es passt schon alles in meiner Wollkämmerei und Spinnstube.