Kammwolle – ein kuschelweiches Projekt für die Seele

Kammwolle, gekämmt und gezogen

Kammwolle stand bei mir auf dem Plan.

Kammwolle, weil ich am Wochenende eigentlich so gar keine Lust hatte zu bloggen.

  • Über Krankheiten mag ich nicht schreiben,
  •  darüber, was mich belastet auch nicht,
  • was ich koche und backe finde ich unspektakulär
  • Heldentaten habe ich nicht vollbracht.

Das Wetter war mies, also vertiefte ich mich in meinem Buchgeschenk über Effektgarne. Ich fand auch ein Garn, welches mich sehr reizt und welches ich gerne spinnen möchte. Außerdem wollte ich unbedingt die neuen Wollkämme ausprobieren, Kammwolle herstellen. (Kammgarn ist was anderes.)

weiche weiße Kammwolle

Mich mit Wolle zu beschäftigen, war an diesem Wochenende genau nach meinem Geschmack. Ich hatte es warm und auch immer eine Kanne feinen Früchtetee aus Nordfriesland, den ich so liebe. So ließ sich das aushalten. Von all den Aufgeregtheiten dieser Welt bekam ich wenig mit. Desinteressiert werde ich schon nicht.

Ich muss sagen, dass mir der beginnende Wahlkampf mächtig auf den Geist geht. Ich weiß auch ohne ständiges Zugelabere, was ich wählen werde. Manchmal kann ich den Leuten nicht mehr zuhören.

Wisst ihr, was mich am meisten aufregt? Wendehälse, Leute, die im Geschachere um Macht auch gleichmal all das verlassen, was sie bis dahin gepredigt haben. Ich vergesse so was nicht und nehme das übel. Klar ändern sich auch mal Meinungen, so wie wir uns eben verändern im Laufe der Jahre. Ich habe aber ein feines Gespür, was diese Personen umtreibt und gegen das „Mäntelchen in den Wind hängen“ hatte ich schon immer was. Naja, genug.

Von der weichen, weißen Wolle, die meine Wollkämme verließ, war ich jedenfalls so begeistert, dass ich manchmal gar nicht merkte, wie die Zeit verging.
Die kurzen Stücke, die ich ausgekämmt hatte, warf ich nicht weg. Die bearbeitete ich mit den Handkarden und stellte mir Batts her, gerollte Faservliese, die sich ganz wunderbar verspinnen lassen.

Geht das auch mit der braunen Wolle?

Die braune Wolle hatte wesentlich kürzere Fasern. Dementsprechend kämmte ich einiges an Wolle heraus. Mit den Karden bearbeitete ich die Stücken zu einem Vlies. Ich freue mich sehr, dass ich recht geschickt bin im Umgang mit den Karden und dass es fast elegant aussieht. Dabei tun mir manchmal arg die Hände weh. Gut so, dann kann ich es auch sehen lassen, wenn ich mit dem Wollkorb unterwegs bin.

Braune gekämmte oder kardierte Wolle

Die braune Wolle habe ich dann auch gleich angefangen zu verspinnen. Die Kammwolle glitt fast von alleine auf das Spinnrad. Die Wolle von den Karden musste ich besser ausziehen, damit keinen Unebenheiten zu sehen waren. Aber auch sie „wanderte“ letztendlich auf die Spule.

Ein dünner, überdrehter Faden für mein Projekt

Für das Projekt brauche ich einen dünnen, fast überdrehten Faden. Ich weiß noch nicht, ob mein Faden den Ansprüchen genügen wird. Wenn nicht, dann gibt es immerhin auch schon einen Plan „B“.

Es wird oft gesagt, in Viedeoanleitungen und Beschreibungen, dass man für mein geplantes Garn ein besonderes Spinnrad braucht, eines mit großem Wirtel. Das habe ich nicht.

Meine Mutter fiel mir ein. Gibt’s nicht, gab es bei ihr nicht. Sie hat dann probiert, bis sie eine zufriedenstellende Lösung gefunden hatte. Mit ihrer alten Singer-Nähmaschine nähte sie Röckchen für mich, aber auch die aufgeplatzte Naht meines Schulranzens.

Also werde ich so lange probieren, bis mein Garn aus Kammwolle meinen Vorstellungen entspricht. Ich weiß, dass ich mich dann wieder sehr freuen kann.