Ein Stück Blühwiese zum Muttertag. Mein Wort zum Tage.

Ein Stück Blühwiese zum Muttertag

Alle Jahre wieder geistert durch die sozialen Medien ein Für und Wider zum „Muttertag“. Ich kann das nicht so ganz verstehen. Natürlich reicht es nicht, an einem Tag Frauenrechte zu betonen. 365 Tage im Jahr sind da gut geeignet. Über Commerz muss auch keiner oder keine schimpfen. Den muss keiner mitmachen. Und ganz ehrlich, was ist so schlimm daran, wenn Kinder an ihre Mütter denken. Es tut Ehepartnern gut, wenn sie sich jeden Tag ihre Liebe gestehen und trotzdem ist der Hochzeitstag doch noch etwas Besonderes.

Manchmal lese ich auch viel, was doch alles mal geändert werden soll, statt „Muttertagsgedöns“ zu veranstalten. Ja, dann lasst es uns ändern. Es macht niemand anderes für uns.
Ich habe mich früher immer um Frauentagsfeiern gedrückt und den Muttertag kannte ich nur, weil mein Mann seiner Mutter an dem Tag einen Blumenstrauß geschhickt hat. Was sollte er auch anders machen? Er wohnte in der DDR. seine Mutter in der BRD. Blumen schicken durfte man und ich fand es gut, dass er es tat.

Mir war es nie Recht, dass man mir an einem Tag im Jahr die Hand schüttelte, nur weil ich als Frau geboren worden war. Auch habe ich mich nie über mein Muttersein definiert. Meine Kinder wollte ich haben und doch wollte ich nicht jahrelang zu Hause bleiben. Ich habe sie begleitet wie sie laufen lernten und später lesen und schreiben, zur Jugendweihe gingen, Abitur machten, ihren Berufsweg fanden und auch selber Familien gründeten. Das habe ich alles sehr genossen. Ich glaube, ich war eine ganz gute Mutter, aber ich achte auch alle anderen Frauen, die aus irgendwelchen Gründen das nicht sein können oder wollen.

Trotzdem sah ich mich selber immer als ein aktiver Teil der Gesellschaft. Ich war Teil eines Kollektives (so hieß das damals), hatte meine Aufgaben und auch Anerkennung. Ich brauchte das sehr und hab um so mehr gelitten, als ich es nicht mehr vorfand. Backen, Kochen, Wäsche waschen, Haushalt erledigen, das musste auch gemacht werden. Ja. Aber es war mir nie einer besonderen Erwähnung wert. Bis heute ist das so geblieben, auch wenn sich mein gesellschaftliches Umfeld sehr geändert hat und auch die Bedingungen unter denen ich lebe.

Meine jüngste Tochter hat mir heute eine Blühwiesen-Patenschaft geschenkt.
Gestern war ich bei der Agrargenossenschaft Kitzen zum Hoffest. Ich schrieb darüber. Die Agrargenossenschaft verwandelt einen Teil ihrer Nutzfläche in eine Blühwiese, d.h. es wird geackert, gesät, gepflegt. Wenn es dort blüht,  tut das den Bienen gut, der Großstadt auch. Ich freue mich sehr über diesen, ganz besonderen Blumengruß meiner Tochter, der Ex-Leipzigerin, die ganz bestimmt mit ihrem Herzen noch ein bisschen hier ist.

Blumensträuße mag ich nicht, auch wenn sie noch so schön sind und ich die Blumenbindekunst der Gärtnerinnen sehr bewundere. Ich bin da vielleicht komisch, aber ich mag den Blumen nicht beim Sterben zusehen. Auch deshalb finde ich den Blumengruß meiner Tochter gut und freue mich darüber. Nicht nur ich kenne meine Kinder, sie kennen mich auch recht gut. Das ist eben das Besondere.

Im Sommer werde ich zur Blumenwiese fahren und Fotos machen. Ich freue mich schon darauf. Meine Freundin hat mir versprochen, dass wir immer einen Abstecher zur Wiese machen, wenn wir nach Wyhra fahren oder wenn wir die Wolle der Leineschafe holen. Dann berichte ich, was aus meinen Blumen zum Muttertag geworden ist.