Der Saboteur in meinem Spinnstübchen. Neue Wolle schon mal anspinnen.

Zu tun habe ich wie in der Heuernte - Anspinnen musste aber mal sein

Jawohl, ich habe einen Saboteur im Spinnstübchen. Auf meinem Balkon steht immer noch ungewaschene Rohwolle von den Leineschafen. Zupfen und waschen ist jetzt meine Hauptbeschäftigung. Und das mache ich sehr gründlich. Und zwischen allem  hockt manchmal meine Mitbewohnerin und bremst.

Das ist jetzt eine ganz schön stressige Zeit. Die Wolle muss gewaschen und eingelagert werden. Also sitze ich auf dem Balkon und zupfe die Wolle locker auseinander und alles heraus, was ich nicht drin haben will. Und dann wasche ich, mit der Hand, gründlich. Seit Tagen hängen „Weihnachtsmannbärte“ auf dem Balkon. Wenn es warm und trocken ist, trocknet alles schnell und ich kann die Wolle einlagern. Bis sie weiter verarbeitet wird, hat sie ihre Ruhe vor mir.
Klar, nach jeder Waschladung muss ich das Bad putzen, aber was soll’s. Das ist es mir Wert.

Mir tun diese Tätigkeiten richtig gut.

  • Durch das Arbeiten in der fettigen Wolle sind meine Hände schön glatt geworden. Creme brauche ich gerade nicht.
  • Der Geruch der Schafe erinnert mich an die schöne und auch aufregende Zeit mit ihnen.
  • Ich kann abschalten, meinen Gedanken nachgehen, mich treiben lassen.
  • Und auch Wahlkampfgedöns geht an mir vorbei.

der Saboteur im Spinnstübchen
Wenn die Wolle getrocknet ist, lagere ich sie ein, damit ich in meinem Spinnstübchen für den Rest des Jahres gut zu tun haben kann. Ich lagere ein, wenn man mich lässt.
Der Saboteur im Spinnstübchen ist meine Katze. Faszinierend, wie sie es schafft, mir ständig und überall im Wege herum zu liegen oder mich gleich mal ganz aus zu bremsen.

Also bequem ist das bestimmt nicht in der harten, engen Kiste. Penny scheint es aber zu gefallen, denn das ist gerade ihr Lieblingsschlafplatz, fern von allen Kissen und Kuscheldecken.
Katze müsste man sein.

Warum eigentlich nicht? Warum nicht einfach Dinge tun, die Spaß machen oder Dinge weglassen oder umgehen, die niederdrücken?
Beim Wahlkampf gelingt mir das ganz gut, vieles und vor allem das Laute und Aggressive auszublenden. Ich lese Wahlprogramme. Jaja, bei Zeiten, nicht erst eine halbe Stunde vor der Wahl. Es gibt jede Menge Schwätzer, die in ihren Programmen recht inhaltsleer sind. (Deshalb weiß ich schon lange, wo ich meine Kreuzchen machen werde.) Auch latsche ich nicht los, sehe auf dem Weg ein Plakat und denke: Ach gucke, das ist aber toll, den oder die wählst du mal.
Na, lassen wir das, ich bin da schon mit mir im Reinen.

wenn mein kleiner Saboteur mich ausbremst, muss ich eben anspinnen

Manchmal brauch ich eine Pause von allem, unbedingte Ruhe. Mit der Wolle habe ich genug zu tun, aber als mein kleiner Saboteur mich mal wieder ausbremste, habe ich mir ein Anspinnen gegönnt. Hach, tut das gut. Der Kopf wird frei. Ich werde mir später wieder Zettel und Stift neben das Spinnrad legen.