Mit dem Spinnrad zum Märchenkindertag im Volkskundemuseum Wyhra

Gestern war ich zum Märchenkindertag im Volkskundemuseum Wyhra. Meine Freundin hat mich hingefahren und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Solche Tage geben mir immer sehr viel. Ich brauche die Kontakte zu Menschen und ich freue mich jedesmal wieder auf die freundlichen Museumsmitarbeiter.

Ohne meine Freundin hätte ich ich nicht gewusst, wie ich mein Spinnrad ins Volkskundemuseum Wyhra bekommen hätte. Mit dem Hackenporsche schaffe ich das wegen der Krücken nicht mehr und über die Schulter hängen kann ich es mir leider nicht. Nun, wir sind gut angekommen, wurden freundlich empfangen und ich fand mein Plätzchen im Hof. Am Nachmittag gab die Sonne alles und ich bekam ordentlich Farbe in Gesicht und Dekolleté.

Mein Spinnrad war ständig umlagert. Ich habe nicht nur den Kindern gezeigt, wie Wolle vorbereitet und gesponnen wird. Ich habe auch davon erzählt, was das für ein genialer Rohstoff ist und das man aus jeder Wollart etwas Schönes herstellen kann. Zum Beispiel haben wir mit Wollkämmen die Unterwolle aus der Wolle von Coburger Fuchsschafen heraus gekämmt und festgestellt, dass jetzt nichts mehr „stachelt“, sondern kuschlig weich ist. Das Herausgekämmte kann natürlich auch noch versponnen werden. Es wird dann halt Schnur oder feste Kettfäden zum Weben.

Natürlich ging es gestern auch immer um Märchen. Ich muss sagen, die Kinder kennen sich gut aus. Sie erzählten mir vom Dornröschen, dem Aschenputtel und dem Rumpelstilzchen. Wir versuchten dann zu erkunden, an was sich Dornröschen stechen konnte und wieso gerade Stroh zu Gold gesponnen werden sollte.Das Stroh stand dann bei uns für Flachs und das Gold für all das Nützliche, was beim Spinnen und Weben entstehen kann. Das Spinnrad wurde mehrmals auseinander genommen und wieso Blut an Aschenputtels Spule war, wussten wir dann auch.

Die Kinder durften einen eigenen Faden herstellen und mit nach Hause nehmen. Zuerst drehten wir den Faden ohne Hilfsmittel. Oh, das ist aufwändig. Die Handspindel erleichterte das Spinnen schon erheblich. Aber auch da konnten wir uns die Mühe vorstellen, bevor man Socken oder einen Pullover zur Verfügung hat. Was war das Spinnrad dann für eine geniale Erfindung!
Einige ganz ausdauernde Kinder stellten sich dann ihr erstes Garn her, tasteten sich über die Handspindel an das Spinnrad heran. Alle umstehenden waren sich einig, dass das einfacher aussieht als es dann ist. Am Ende aber konnten die Kinder ihr erstes selbstgesponnenes Garn mitnehmen.

An den Tagen im Volkskundemuseum Wyhra höre ich selbst aber auch Geschichten. Diesmal erzählte ein Mann von seiner Großmutter, die im Winter immer an einem alten Kachelofen saß und spann. Die Kinder hockten sich auf ein Sofa in ihrer Nähe und sahen ihr zu. Die Großmutter konnte auch eine ganz ausgezeichnete Kartoffelsuppe kochen. „Sie hätten mal den Riesentopf sehen sollen“, sagte der Mann. „Und wir haben das alles restlos verputzt!“ Irgendwie erinnere ich ihn an seine Großmutter, meinte er noch, und ich fand das gut. Vielleicht schreibe ich all diese Geschichten mal auf.

Der Nachmittag ging so schnell vorbei. Langweilig war es nie. Ich habe mich gefreut wie Bolle, dass sich viele Besucher bedankt haben bei mir. Als eine Frau sagte, dass ihr mein umfangreiches Wissen gefallen hat, war mir bewusst, dass es richtig ist, was ich mache. Es macht mich nicht reich, aber unglaublich zufrieden.
Und am Ende bleibt ein schöner, harmonischer Tag im Volkskundemuseum Wyhra, von dem ich wieder lange zehren kann. Danke, liebe Freunde und Helfer. Es ist wichtig und schön, dass es euch gibt.

Während ich am Spinnrad hockte, durfte meine Freundin Holunderblüten im Garten des Volkskundemuseums Wyhra sammeln. Und den verarbeite ich jetzt zu Holunderblütensirup und -gelee. Hach, wie angenehm das duftet.
(Meine Freundin hat auch Fotos gemacht. Die habe ich aber noch nicht. Vielleicht reiche ich mal etwas nach.)

Holunderblüten aus dem Garten des Volkskundemuseums Wyhra