Die Uhren dürfen langsamer laufen. Ein Unruhegeist bin ich trotzdem.

Die Uhren dürfen langsamer laufen. Gestern bekam ich meinen Schwerbehindertenausweis. Einerseits bin ich froh darüber, weil mir Druck genommen wurde, aber andererseits habe ich jetzt amtlich, was ich so lange nicht wahr haben wollte.

Mein Arbeitsplatz

die Uhren dürfen langsamer laufen: und ich lege Wintervorräte an
Ach ja, so sieht es heute in meiner Küche aus. Sagte ich schon, dass ich ein Küchenmensch bin? Nein nicht, weil ich meinen „Platz am Herd“ habe, sondern weil ich hier eben einfach gerne bin. Irgendwann richte ich mir meinen Kühe mit so richtig alten Möbeln ein.
Mein Arbeitsplatz ist vollgepackt, denn ich bin immer noch damit beschäftigt, mir Wintervorräte anzulegen.

Manchmal höre ich: „Du Arme, das kann man ja alles kaufen, was du da machst. Naja, du hast ja nicht viel Geld.“ Dessen ungeachtet sag ich mal:

  • Ich habe Zeit, denn die Uhren dürfen langsamer laufen bei mir,
  • Selbstversorgung finde ich gut,
  • bescheiden ist nur der Energieverbrauch,
  • das zusammengepanschte industrielle Fertigzeuchs mag ich nicht mehr und
  • ich werkele auch unglaublich gerne.

Tomaten konservieren

Sie sollen trocknen und werden dann in Öl eingelegt

Diese Tomaten sind zwar noch nicht die eigene Ernte, aber es ist der Feldversuch, die eigene Ernte etwas später auch verarbeiten zu können. An meinen Sträuchern im Garten hängen reichlich Früchte.
Tomaten möchte ich trocknen und dann wiewohl in Öl einlegen für den Winter. Ich mag so etwas und kann darüberhinaus tatsächlich sparen.

Viel Sonne wäre mir zwar heute lieber, aber die macht sich gerade rar. Dennoch habe ich die Tomaten geschnitten, den Saft und die Samen heraus gepuhlt, die groben Scheiben mit Küchentuch abgetupft und auf ein Blech zum Trocknen gelegt. Draußen auf dem Balkon ist es windig und warm. Ich denke, es trocknet auch so. Im Backofen scheint nichtsdestotrotz auch keine Sonne. Das Trocknen wird ein bisschen dauern und ich werde die Scheiben immer mal wenden müssen. Was soll’s, ich habe keinen Zeitdruck und das ist sehr angenehm. Wie war das? Die Uhren dürfen langsamer laufen.
Den Backofen möchte ich nicht benutzen. Irgendwo muss man man ja mal anfangen mit dem Energiesparen. 

Den Samen der Tomaten habe ich vorsichtig auf ein Blättchen Küchenrolle gelegt. Die nimmt die überschüssige Flüssigkeit auf. Auch das ist jetzt im Regal auf dem Balkon untergebracht und wenn Papier und Samen getrocknet sind, habe ich die Voraussetzung für neue Pflanzen im nächsten Jahr geschaffen.

Porree für die Gemüsebrühe

mit dem alten Messer meiner Großmutter

Da sitze ich nun da und schnippele Porree. Mir meine Zutaten für Gemüsebrühe selber herzustellen hatte sich schon bewährt. Das Glas war aber schnell leer, also werde ich mir einen Vorrat schaffen, dass ich über den Winter komme. Die getrockneten Möhrenstückchen sind schon im Glas, nun ist also der Porree dran. Auch Sellerie, Petersilie und diverse Kräuter kommen noch an die Reihe.
Mein Messer ist uralt. Ich glaube, das hatte meinen Großmutter schon. Ach Oma, wenn du wüsstest.

Mein Lauch auf dem Balkon, die Porrestange, die ich einfach in Erde gesteckt hatte, verblüht langsam. Wenn die Blüte raschelt, kannst du Samen abnehmen, hatte mir eine Freundin gesagt. Na klar, das mache ich. Im nächsten Jahr baue ich Porre im Garten an, einen Teil für mich und meine Vorräte und der andere Teil darf blühen für die Insekten, neuen Samen und einfach zum Schönaussehen.

der Porree darf jetzt trocknen
der Porree darf jetzt trocknen

Schwarze Johannisbeeren aus eigener Ernte

schwarze Johannisbeeren aus eigener Ernte
das wird einen feinen Gelee geben, mit Zimt und Kardamom

Die Johannisbeeren stammen aus eigener Ernte und die Äpfel sind Fallobst von einem Garten nebenan. Klein sind die Äpfelchen, denn es war bisher viel zu trocken hier. Mich stört die Apfelgröße nicht, ich werde die Kleinen mit verarbeiten. Der Energieaufwand für mein Gelee ist gering. Würzen kann ich ihn, wie es mir gefällt, mit Zimt und Kardamom. Ich freue mich schon auf das Sonntagsbrötchen im November, das nach Sommer schmecken wird.

Bei aller Werkelei habe ich den Kummer über das Rheuma und die Behinderung fast vergessen. Ja, die Uhren dürfen langsamer laufen, aber krankmachende Hektik und ein Leben im ständigen Dauerlauf brauche ich auch nicht.