Schulpforta in Bad Kösen – unterwegs in Sachsen-Anhalt.

ehemalige Schüler in Schulpforta

Meine Freundin ist ein Schatz.  Sie hat mich überredet, mit ihr nach Bad Kösen in Sachsen-Anhalt zu fahren, um Schulpforta zu besuchen. Ich war schon einmal dort, aber da es mir sehr gefallen hatte beschloss ich, meinen Freundin zu begleiten. Ich musste auch dringend mal raus und etwas unternehmen.

Aufgang zur Kirche in Schulpforta Ein bisschen Bammel hatte ich schon, denn die Wege mit ihrem alten Pflaster, Steigungen und Treppen waren für mich schwerlich zu laufen. Dann ging es eben nur ganz langsam vorwärts und mit vielen Pausen. Ich habe viele Fotos gemacht. Die Auswahl jetzt fiel mir schwer, denn dort ist einfach alles sehenswert – die ganz alten Gemäuer, die Steinmetz-Arbeiten, die vielen Plätzchen zum Verweilen, das ganze gepflegte Anwesen.

1137 verlegte Udo von Naumburg das Zisterzienser-Kloster an die Saale und gab ihm den Namen „Claustrum apud Portam“ – Kloster an der Pforte. Die Mönche kultivierten das Land um das Kloster und machten es zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. Die „kleine Saale“, die mir dort öfter begegnete, war nicht einfach ein natürlicher Seitenarm der Saale. Er war künstlich angelegt und betrieb zahlreiche Mühlen.
1543 gründete der sächsische Herzog Moritz hier eine sächsische Fürstenschule. In den ehemaligen Räumen des Klosters wurde nun unterrichtet und auch heute noch bereiten sich Schüler auf das Abitur vor, wohnen und lernen hier.

Ich war in meinen jungen Jahren auch in einem alten Schloss untergebracht und durfte da lernen. Es ist unglaublich gut und auch schön, wenn man zum Lernen Ruhe hat und eine Umgebung, die einem das Lernen versüßt, ja einen regelrecht noch anspornt. Nietzsche, Fichte und Klopstock waren Schüler in Schulpforta. Möbius auch. Das ist der mit dem Möbiusband, der manchem strickenden Menschen durch den Möbiusschal bekannt ist.
Fichte konnte ich eine Zeit mal überhaupt nicht leiden und eigentlich konnte der nichts dafür. Mein Philosophie-Lehrer anno dunnemals promovierte über Fichte und bei jedem noch so kleinem Problem erzählte er uns erstmal Fichtes Meinung dazu. Ich wollte die der anderen aber auch gerne wissen.
Die Internats- und Lernräume bleiben den Besuchern verschlossen.

Kreuzgang aus dem 12.JH
Kreuzgang aus dem 12.JH

An mehreren Stellen wird rekonstruiert und gearbeitet. Darüber habe ich mich besonders gefreut, denn das sind unwiederbringliche Schätze der Baukunst und Architektur. Gut, wenn sie erhalten bleiben.
Manchmal stelle ich mir vor, wie hier das Leben vor Jahrhunderten ablief. Solche alten Mauern regen meine Phantasie unglaublich an. Es scheint nicht nur mir so zu gehen. „Die Päpstin“ wurde hier verfilmt.

Blick vom Kreuzgang in den Innenhof

Der Kreuzgang ist offen und gibt durch seine Bögen den Blick auf den Innenhof frei. Was man hier nicht sieht ist ein im Mauerwerk eingelassener Sitz. Ich glaube, das wäre mein bevorzugter Lernplatz gewesen. Nur weiß ich nicht, wie sehr die Menschen stören würden, die wie ich hier herumschleichen. Auch zu DDR-Zeiten bereiteten sich hier Mädchen und Jungen auf das Abitur vor, Mädchen erst seit dieser Zeit. Heute wird die Landesschule Pforta vom Land Sachsen-Anhalt getragen.
Im Innenhof fütterte eine Amselmutter ihr Küken und ließ sich nicht dabei stören.

die Kirche in Schulpforta
die Kirche in Schulpforta

In die Kirche nehme ich euch ein andermal mit, denn da muss ich euch etwas zeigen. Auf dem Vorplatz machte ich öfter Pause, weil die Schmerzen beim Laufen mir doch arg zusetzten. Das kleine gelbe Haus gefiel mir sehr. Am liebsten wäre ich hier eingezogen. Ach, es war schön, einfach nur hier zu sitzen.

Wenn wieder jemand nach Schulpforta fährt, würde ich auch ein drittes Mal mitkommen. Es gibt hier so viel zu sehen, wenn man sich Zeit nimmt und nicht durch das Gelände hastet.
Meine Freundin und ich haben dann noch bei bestem Wetter eine zünftige Brotzeit abgehalten, an einem Rastplatz gegenüber des ehemaligen Klosters. Wir konnten das Torhaus  noch einmal auf uns wirken lassen und die vielen Eindrücke ein bisschen verarbeiten. Gut gestärkt machten wir und wieder auf den Heimweg aus dem Burgenlandkreis. Erstaunlich wie lange wir uns hier aufgehalten haben und wie schnell die Zeit verging. Ich weiß, dass ich bestimmt noch einmal in die Gegend komme, denn ich möchte irgendwann zur Unstrut.