Ich habe einen Schatten und manchmal zeugt genau der von Lebendigkeit.

Licht und Schatten

Immer streben wir zum Licht. Alles muss hell sein und strahlend, wir selber natürlich auch. Und ich? Ich habe einen Schatten?

Licht und Schatten lassen das Holzkreuz strahlen
Licht und Schatten lassen das Holzkreuz strahlen

Eigentlich gehen mir beim Betrachten meiner Bilder zwei Dinge durch den Kopf. Zum einen mag ich alle Arten von Kommunikation, aber das „Schneller, Weiter, Besser“ in den sogenannten sozialen Medien geht mir gewaltig auf den Geist. „Komm, klapp dieses Buch zu und gut ist es.“ Dieser Gedanke geisterte öfter in meiner Denke. Aber wäre es wirklich richtig, das so zu machen? Wäre es wirklich richtig für mich?

Der zweite Gedanke war, dass Kameras und Objektive immer besser werden. Auch in dunklen Räumen machen sie tolle Fotos. Jedes Detail ist klar und hell zu erkennen und darstellbar, wenn, ja wenn man das tatsächlich will. Ich will das nicht immer. Ich liebe das Zusammenspiel zwischen Licht und Schatten, zwischen greller Helligkeit und tiefer Dunkelheit, das Verborgene, Unvorherzusehende, Geheimnisvolle. Für mich ist so das Leben, eben voller Dramatik.

In der Kirche in Schulpforta habe ich eine Pause gemacht, mich hingesetzt und einfach das auf mich wirken lassen, was die Baumeister solcher Gebäude geplant hatten. Wenn man ein Weilchen da sitzt, ändert sich das Licht und es entstehen immer neue Bilder oder andere Eindrücke. Es lebt, denn die Schatten wandern.

Ein gläubiger Mensch bin ich nicht und nein, mit der DDR hat das nichts zu tun, denn Generationen vor mir war das schon so in meiner Familie. Es zieht mich allerdings immer wieder in alte Gemäuer, in dieses Spiel zwischen Licht und Schatten. Ich empfinde die Bilder, die ich sehe, so wie ich auch Musik in Bildern sehe und fühle. Es gibt einerseits die Langweiligen, Seichten, blass Erscheinenden und andererseits die, die tiefe Gefühle in mir wecken können.

Licht und Schatten
Wisst ihr, was eines meiner Lieblingsmusikstücke ist? Der Tanz der Ritter aus Romeo und Julia von Sergej Prokofjew. (Man findet es in den Musikportalen.) Die Töne wallen aus der Tiefe, von ganz unten kraftvoll nach oben und werden zum Teil richtig schrill. (Schwarz-Weiß- Einstellung bei meinen Fotos habe ich ganz bewusst nicht gewählt.)

Da saß ich nun in der Kirche und ließ die Bilder auf mich wirken. Nein, das Buch bleibt offen, noch. Ja ja, ich „habe einen Schatten“, führe aber durchaus kein „Schattendasein“ und bin auch nicht der „Schatten meiner selbst“. Ich lebe und fühle und das verdammt gern und heftig.