Auf dem Weg zum Knotengarn. Eine wirkliche Spinnradgeschichte.

Auf dem Weg zum Knotengarn - eine Spinnradgeschichte

Manchmal ist es gut, stur zu sein. Ich habe mein Knotengarn noch nicht so, wie ich es mir vorstelle, aber ich bin auf einem guten Weg.
„Du bist stur wie ein Ochse“, sagte meine Mutter manchmal zu mir. Wie stur Ochsen sein können, sah ich, als mal einer von seiner Wiese ausgebüchst war und mehrere Männer nötig waren, um ihn wieder dahin zu befördern. (Ja, es war wirklich ein Ochse.) Ob meine eigene Sturheit so ausgeprägt ist, weiß ich nicht. Von Nutzen ist sie schon manchmal.

Das Knotengarn ist ein weiterer Versuch, nachdem der erste in die Hose gegangen war. Ich bin ganz zufrieden. Die Knubbel sollen eine andere Farbe haben, also werde ich noch daran arbeiten. Eigentlich mag ich die Wolle so, wie sie vom Schaf kommt: naturbelassen. Diesmal habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass etwas Farbe ins Spiel, beziehungsweise in die Wolle soll. Würde ich den zweiten Faden gänzlich in der zweiten Farbe spinnen, wäre alles kein Problem. Beim Zwirnen wird dann der Knubbel gewickelt. Ich möchte aber ein weißes Garn und die Farbe nur in der Verdickung.
Den weiteren Knoten, der die Verdickung dann wie eine Schlinge aussehen lässt, habe ich weggelassen. Das gefiel mir nicht.

Nachdem der erste Versuch für das Knotengarn schief gegangen war, habe ich das Spinnrad erst einmal in Ruhe gelassen. Zuerst muss ich meinen Frust abbauen, dann nachdenken und schließlich weiter machen oder noch einmal ganz von vorne anfangen. Einen ganzen Tag bin ich um das Rad geschlichen. Nun surrt es wieder. Und das mit der Farbe wird auch noch.

Zum Abendbrot gab es bei mir heute Salat aus Gurken, Paprika und Tomaten aus dem Garten. Wisst ihr, wie lecker das war! Man merkt es schon, wenn das Gemüse Zeit hatte zum Reifen und nicht halbfertig und grün von der Mutterpflanze gezerrt wurde, weil es noch um die halbe Welt gekarrt werden musste. Besonders aufgefallen war mir das beim Paprika. Auf meinem Balkon wächst auch noch welcher und im nächsten Jahr gehe ich das wieder an, auch weil die Pflanze schön aussieht auf meiner Balkonbrüstung mit ihren Sattgrünen, kräftigen Blättern. Die Sonne und die Hitze scheinen diesen Pflanzen nichts auszumachen.

Im Garten war ich gestern nach ganz langer Zeit wieder mal. Ich bin tatsächlich dahin gehumpelt, ganz langsam, in einem für mich machbarem Tempo. Ich bin da lieber alleine mit mir und meinen Krücken. Muss jemand ständig auf mich warten, setzt mich das unter Druck. Das, was noch geht, will ich unbedingt erhalten. Und deshalb werde ich gleich die unangenehmen Dehnübungen für die Sehnen an den Beinen machen. Es gibt bestimmt wieder Tränen, aber gut ist, dass ich eben manchmal stur bin wie ein Ochse. .