Mit Spinnrad und „Altenborjer Zeechenkase“ zum Grünauer Kultursommer.

Nun ist sie also vorbei – meine Veranstaltung zum Grünauer Kultursommer. Tage vorher war ich schon aufgeregt und jetzt muss ich alles noch setzen lassen. Es war so schön, wieder unter Freunden zu sein.
Hinweis: Alle Fotos im Beitrag sind von Silke Heinig aus Leipzig.

Ich wurde abgeholt. So konnte ich Spinnrad und Kiepe gut in den Stadtteilladen bringen. (Vielen Dank!) Es war elend warm. Die Klamotten klebten am Körper und warum ich mir die Haare gefönt hatte, wusste ich nicht mehr genau. Schnell noch die Freunde begrüßen, alles her richten, umziehen und los ging es.

Zwei Stunden hatte ich Zeit. Das kam mir zu Hause noch sehr lange vor. Werde ich die Zeit nutzen können? Dann verging die Zeit wie im Fluge. Ich hätte durchaus noch weiter machen können.
Es gab auch noch ein kleines Bloggertreffen. Der Emil war extra aus Halle angereist und er brachte mir eine Schafschere mit. Wenn man dem Link folgt, kann man sie sehen. Das war eine Freude! Emil hatte ich schon klange nicht mehr getroffen und ich kann jetzt meine Wollabläufe damit beginnen, womit immer alles beginnt: mit einer imaginären Schafschur. Danke Emil für das Geschenk und dass du da warst.

spinnen zum Grünauer KultursommerWolle zeigen, wie sie sich anfühlt und wie sie riecht, und von ihren Eigenschaften zu erzählen – das ist mir immer ein großes Bedürfnis. Nicht nur ich finde es schade, dass dieser geniale Rohstoff bei uns im Lande meist weggeworfen wird.
Ich hatte Handspindeln mit und ich fand es sehr interessant, dass auch Männer das mal ausprobierten.

Noch etwas anderes war mir gestern wichtig: die Heimat. Nein, ich will keine Mauern und Zäune drum herum, aber wohl Traditionen, Sitten, Bräuche erhalten. Und deshalb erzählte ich von meiner alten Heimat, von den Bräuchen im Altenburgschen und von der speziellen Mundart.
Als nach der Wende die Kombinate „verschwanden“, verschwanden nicht nur Millionen von Arbeitsplätzen, sondern auch Sportgemeinschaften, Kultureinrichtungen und gelebtes Gemeinschaftsgefühl. Ich weiß, dass das was ich mache nur Tröpfchen auf den heißen Stein sind, aber ich glaube, in der nächsten Zeit werde ich viel mehr Mühe aufbringen.

Eigentlich wollte ich einen Huckelkuchen backen und mitnehmen zum Grünauer Kultursommer, dann aber entschloss ich mich die Zutaten für eine deftige Brotzeit lieber einzukaufen: Brot, saure Gurke und Altenburger Ziegenkäse. Wenn früher Handwerker mit ihren Schubkarren durch das Altenburger Land zogen und verschiedene Dienste verrichteten bekamen sie als Dank einen „Schiebecker“, eben das oben beschriebe deftige Vesper. Davon, welche Rolle der Huckelkuchen bei einer „Bauernhuchzsch“ (Bauernhochzeit) spielte, habe ich aber erzählt.

Noch auf dem Nachhauseweg – die Freunde brachten mich wieder mit meinem Kram nach Hause – haben wir uns im Auto über Mundartliches unterhalten. Und wer wissen will, was „Matzkuchen“ ist, der muss mich halt mal einladen. Dann erzähle ich es. Die Altenburger sagten „Motzkuchen“ dazu, weil sie ja bekanntlich so ihre Probleme mit dem Sprechen vom „a“ haben.
In der Vorweihnachtszeit werde ich als Kräuterweib kommen durfen. Ich freue mich jetzt schon.

Schiebecker mit Altenburger "Zeechenkase"
Schiebecker mit Altenburger „Zeechenkase“