Ein Regentag zum Wohlfühlen. Vorgeschmack auf den Herbst.

Regentag

Oh ja, heute ist ein Regentag, ein Tag zum Wohlfühlen. Zu lange war es viel zu trocken. Heute indes regnet es tatsächlich bei uns, lang und anhaltend. Man spürt zudem schon den Herbst.

Regentag

Ich freue mich sosehr über den Regen. Von mir aus könnte es jetzt mal tagelang durchregnen. Zu tun habe ich genug und das ist gut so. Unglücklich fühlt man sich doch nur, wenn man einerseits glaubt, von niemand gebraucht zu werden und wenn man andererseits keine Beschäftigung hat. Beides trifft nicht zu. Ich lasse es nicht zu und so werkele ich ganz zufrieden in meiner Wohnung herum.  Das Rheuma macht mir obzwar zu schaffen, aber es wird mich nicht in die Knie zwingen können. Das weiß ich. Es wird nichts mehr besser, das Laufen nicht und die Schmerzen auch nicht. Ich habe es leider immer noch nicht vollends angenommen, wie es nun mal ist.

Dicke Regentropfen bedecken die Fensterscheibe neben meinem Spinnrad. Ich sehe sie an, wenn ich aufschaue. Manchmal läuft der Regen auch als Rinnsal die Scheibe herab. Dann freue ich mich, dass ich es gemütlich habe und genieße wiewohl meinen Tee aus dem Norden.

Es ist heute schon ein bisschen wie Herbst. und dementsprechend haben sich meine Tätigkeiten etwas verändert. Im Dörrgerät trocknen Apfelringe und es duftet in der ganzen Wohnung nach Zimt und Apfel. Ich werde sie bald in ein schönes Glas einfüllen können und dann verschenken. Schenken – das ist auch etwas, was mich froh stimmt. Das, was ich reichlich habe, kann ich getrost abgeben. Vielleicht fühlt sich jemand anders dann auch gut oder besser. Außerdem bin ich auch beschenkt worden mit Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen …

An meinen Paprikasträuchern hängen immer noch ganz viele Früchte. Erst einen Teil habe ich geerntet und mich daran satt gegessen. Heute habe ich außerdem meine kleinen Paprikas in drei Gläsern mit Thymian, Oregano und Knoblauch eingelegt. Ich freue mich, denn wenn ich Besuch bekomme, dann werde ich ein Glas öffnen. Gekostet haben mich die Paprikas nichts, denn die Pflanzen habe ich selber gezogen aus den Kernen einer Paprika.  Überhaupt ist diesmal bei meinem Anbau und der Kräutersammelei vieles nach Plan gelaufen. Und einen Plan hatte ich. Meinen Knollenfenchel habe ich zwar umgebracht, weil ich alles diesmal falsch gemacht habe, was es falsch zu machen gibt. Im nächsten Jahr klappt bestimmt auch noch das.

Heute, an diesem fast herbstlichen Regentag, habe ich zum ersten Mal wieder Gedichte gelesen, Gedichte von Hoffmann von Fallersleben. Ich liebe sie sehr und gebe mich dann ganz der Stimmung hin. Schon als Kind sang ich die Lieder besonders gern, zu denen er die Textre geschrieben hatte. Nur wusste ich  es damals nicht.
Warum singe ich eigentlich jetzt so wenig?

Herbstlied

Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat’s vollbracht.
Seht, wie mit seinen rothen Wangen
So mancher Apfel lacht!

Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er theilt sie fröhlich aus,
Und geht dann, wie am Bettelstabe
Ein armer Mann, nach Haus.

Voll sind die Speicher nun und Gaden,
Daß nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.

Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Laßt uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er.

(Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Kinderlieder,
Herausgegeben von Lionel von Donop, Hildesheim/New York: Georg Olms Verlag, 1976)