Vom Klima, einer aufgeheizten Stimmung und „Wolle statt Plastik“.

heute kein blauer Himmel zum Hoffest der Agrargenossenschaft Kitzen

Gestern habe ich Beiträge im „Weltspiegel“ gesehen, die mich sehr ergriffen haben. Zum einen erzählte der bekannte kanadische Eiskletterer Will Gadd von seinen Erlebnissen mit schmelzenden Gletschern.  Zum andern ging es ums Klima auf dem kargen Anden-Hochland Boliviens. Das verändert sich drastisch und damit wird dem Volk der Chipaya die Lebensgrundlage genommen. Eustaquio Mamani, ein Vetreter des Andenvolkes, wird auf dem UN-Klimagipfel davon erzählen, ebenso wie der Eiskletterer Will Gadd über seine Beobachtungen sprechen wird..

Mich ärgert es sehr, dass die Proteste gerade der Jugend als Spinnerei, Schulbummelei, auch zum Teil als aggressives Gehabe abgetan wird. Genauso regt mich auf, wenn behauptet wird, dass diese Bewegung die Nation spaltet. Nein, sie spaltet sie nicht, wohl aber so mancher Beitrag in Presse und Fernsehen.

Na jedenfalls war ich am Freitag zur „fridays for future“- Demo in Leipzig. Es ist beeindruckend, was die jungen Leute auf die Beine stellen, um auf die Klima-Problematik aufmerksam zu machen und von der Politik Handeln zu fordern. Sie haben sich mit der Problematik auseinander gesetzt, ernsthaft und sachlich. Ich dachte mir, dass es an der Zeit ist, dieses zu unterstützen. Und ich war nicht die einzige aus dem älteren Semester auf der Demo. Mir hat das Zusammensein mit jüngeren Menschen und die Gemeinsamkeit sehr gut getan.

Da war nichts zu spüren von aggressiven Verhalten, was man gerne der Jugend unterschiebt. Es ging auch nicht darum, dass wir nun alles verboten bekommen sollen und in die Steinzeit zurück müssen. Sehr interessant war es für mich, mit welcher Kreativität die jungen Leute sich Gedanken machen über die Zukunft und die Suche nach Problemlösungen für Umwelt, Klima und Lebensweise. Ich habe das am Freitag miterlebt und kann nun berichten, entgegen so mancher Meldung in einschlägigen Presseorganen. Auch so manch ein Politiker diskreditiert gern, war aber noch nie da oder hat das Gespräch gesucht.

Es war eine angenehme Demo für besseres Klima, auf der auch getanzt und gesungen wurde. Familien mit Kindern waren da, Alte und Junge, Gewerkschaftsvertreter, Kirchen, Eltern, Großeltern, Studenten … Die Breite der Bewegung hat mir gut getan. Und vielleicht ist das der Grund, weshalb man so etwas fürchtet. Splittergrüppchen lassen sich besser beherrschen und gegeneinander stellen.
Aufgeheizte Stimmung gab es an diesem Tag in meiner Innenstadt nicht, wohl aber dann bei Facebook und Co.

Mit den Krücken wäre ich auf dem Ring nicht weit gekommen. Deshalb „durfte“ ich diesmal sitzen. Ehrlich, ich kann mich einfach nicht an diese Perspektive und die Passivität gewöhnen. Gut, in so einer Massendemo ist es auch wirklich der Härtetest. Besser war es, als ich dann am Rande der Fahrbahn sein durfte. Das ließ wieder mehr Blickfreiheit zu und beseitigte das Schummrige im Kopf.
Der Clown von SUV-Fahrer, der auf der Gegenfahrbahn demonstrativ mit quietschenden Reifen anfahren musste, erntete allerdings reichlich Spott.

Das war bestimmt nicht die letzte Demo für ein besseres Klima (auch im gesellschaftlichen Zusammenleben) für mich.

Klima-Demo in Leipzig